Bad DÜrkheim RHEINPFALZ Plus Artikel Nach dem Starkregen in Dürkheim: „Viele am Boden zerstört“

An der Altenbach konnte die Kanalisation die Wassermassen nicht mehr aufnehmen.
An der Altenbach konnte die Kanalisation die Wassermassen nicht mehr aufnehmen.

Überflutete Straßen, voll gelaufene Keller, Häuser ohne Strom: Der Starkregen, der in der Nacht zum Donnerstag über die Pfalz gezogen ist, hat Bad Dürkheim hart getroffen. Die Rettungskräfte waren im Dauereinsatz. Besonders die Menschen in Ungstein, Hardenburg und Teilen der Innenstadt litten unter den Wassermassen.

Binnen kurzer Zeit fielen am frühen Donnerstagmorgen 80 Liter Niederschlag pro Quadratmeter – teilweise sogar mehr. Zum Vergleich: So viel regnet es normalerweise in einem Monat. Keller liefen bis zum Rand voll, Schlamm wurde auf Straßen gespült, die Isenach trat über die Ufer. Wohnungen und Häuser wurden durch die Wassermassen schwer beschädigt. Rund 250 Kräfte der Wehren aus Bad Dürkheim, den Verbandsgemeinden Leinigerland, Deidesheim und Freinsheim, aus Haßloch und Ludwigshafen sowie des Technische Hilfswerks und des Deutschen Rote Kreuz waren bis in den Nachmittag im Einsatz. „Die Zusammenarbeit aller Beteiligten war hervorragend“, lobte der Dürkheimer Feuerwehrchef Karlheinz Bayer.

Der Großeinsatz für die Dürkheimer Feuerwehr begann gegen 3.20 Uhr. „Wassereinbruch in der Hinterbergstraße“, so erinnert sich Bayer an die erste von 160 Meldungen. Dann ging es Schlag auf Schlag. Ab 4 Uhr nachts war die Kreuzung Gaustraße/Kaiserslauterer Straße in der Innenstadt gesperrt. Die Fahrbahndecke war aufgrund der heftigen Regenfälle so geschädigt, dass sie bis in den Nachmittag hinein repariert werden musste. Die Kanalisation war mit dem außergewöhnlichen Ereignis überfordert. Bayer musste mit einem Kollegen die Einsatzstellen abfahren, um zu schauen, wo die größte Not herrschte.

„Bei euch säuft die Altenbach ab“
Wasserfontäne: Feuerwehr und THW pumpen in Ungstein im Akkord Keller aus.
Wasserfontäne: Feuerwehr und THW pumpen in Ungstein im Akkord Keller aus.
Wegen Schäden an der Fahrbahn wurde die Kreuzung Gaustraße/Kaiserslauterer Straße gesperrt.
Wegen Schäden an der Fahrbahn wurde die Kreuzung Gaustraße/Kaiserslauterer Straße gesperrt.
Die Kaiserslauterer Straße in Richtung Hardenburg ist durch den starken Regen beschädigt worden.
Die Kaiserslauterer Straße in Richtung Hardenburg ist durch den starken Regen beschädigt worden.
Auch in Hardenburg sorgte das Unwetter für Überschwemmungen wie bei diesen überdachten Stellplätzen.
Auch in Hardenburg sorgte das Unwetter für Überschwemmungen wie bei diesen überdachten Stellplätzen.
250 Kräfte waren im Einsatz.
250 Kräfte waren im Einsatz.
Stark betroffen war auch das Gewerbegebiet Bruch.
Stark betroffen war auch das Gewerbegebiet Bruch.
Teilweise waren in Bad Dürkheim Straßen gesperrt.
Teilweise waren in Bad Dürkheim Straßen gesperrt.
Nasse Füße hatten auch die Pferde im Bruch.
Nasse Füße hatten auch die Pferde im Bruch.
Bürgermeister Christoph Glogger in der Altenbacher Straße.
Bürgermeister Christoph Glogger in der Altenbacher Straße.
In Ungstein mussten unzählige Keller ausgepumpt werden.
In Ungstein mussten unzählige Keller ausgepumpt werden.
Überall in Dürkheim stand das Wasser.
Überall in Dürkheim stand das Wasser.
Viel Wasser: Die Isenach bei Hardenburg.
Viel Wasser: Die Isenach bei Hardenburg.
In der Gerberstraße waren viele Wehren im Einsatz.
In der Gerberstraße waren viele Wehren im Einsatz.

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Mit am schlimmsten getroffen hat es Ungstein, rund um die Altenbacher Straße. „In der Siedlung sind viele am Boden zerstört“, sagt Andreas Wolf. Der Ungsteiner Ortsvorsteher war von Bayer nachts angerufen worden. „Bei euch säuft die Altenbach ab“, habe der gesagt. Wolf, der selbst im wenig betroffenen Oberdorf lebt, hat in der Siedlung eine schwierige Situation vorgefunden. Nachdem es gegen halb vier angefangen habe sehr stark zu regnen, sei es gegen halb fünf so extrem geworden, dass die Menschen begannen, ihre Keller abzusichern. Vergeblich. „Ich kann die Leute, die kein Wasser im Keller haben, an einer Hand abzählen“, sagte Wolf über die Siedlung am Donnerstagmittag. Da waren die Feuerwehren immer noch dabei, Keller auszupumpen. Viele Dürkheimer fühlten sich an 1989 erinnert, als ein ähnliches Unwetter über der Stadt wütete.

Schlimm getroffen hatte es eine Familie, die in einer Kellerwohnung in Ungstein lebt. Dieser habe man eine Ferienwohnung vermitteln können. Auch weitere Familien mussten vorübergehend ausziehen. Bitter war es auch, dass einige Keller zweimal ausgepumpt werden mussten, weil die Kanalisation das Wasser nicht mehr fassen konnten. Hier habe später das THW Speyer den Kanal ausgepumpt, um das Problem zu beheben, berichtet Bayer. Auf solche Ereignisse sei der Kanal nicht ausgelegt, sagte Bürgermeister Christoph Glogger (SPD), der seit den frühen Morgenstunden im Stadtgebiet unterwegs war, um sich ein Bild von der Lage zu verschaffen.

Autos schwimmen in der Garage

Bei manchen Anwohnern hätten die Autos in den Garagen geschwommen, berichtete Bayer von seinen Eindrücken aus der Nacht. Aus einem größeren Anwesen habe die Feuerwehr auch mal 300 Kubikmeter Wasser gepumpt. Anwohner berichten, dass Wasser aus Toiletten und Waschbecken gesprudelt sei.

„Die Kanalisation hat das nicht geschafft“, sagt auch Wolf. Der Ortsvorsteher betont, dass ein Hochwasserschutz für Ungstein dringend nötig sei: „Die Isenach kann das Wasser nicht fassen.“ Genau dieser Hochwasserschutz, der ein Gebiet von Ungstein bis Erpolzheim beinhaltet, wird zwar gerade gebaut, ist aber lange noch nicht fertig.

„Uns hat es ganz schön erwischt“, sagte Nicola Maria Peuntner, Inhaberin des Café Leeze in Ungstein . „Wir sind seit 4 Uhr auf den Beinen. Zu dem Zeitpunkt kam das Wasser aus einer Deckenlampe der Gästezimmer.“ Sowohl im privaten als auch im Gäste-Keller habe das Wasser bis zur Hüfte gestanden. Und auch die Halle des Gästehauses sei überflutet gewesen. „Zum Glück haben wir sehr schnell Unterstützung von der Feuerwehr aus Ludwigshafen, Freinsheim und Herxheim erhalten, die das Wasser aus den Räumen gepumpt hat. Jetzt ist alles mit einer Schlickschicht überzogen und wir können den tatsächlichen Schaden angehen.“ Die Gäste seien ganz entspannt gewesen und gut versorgt worden. „Wir hatten tatkräftige Unterstützung unserer momentanen Schülerpraktikanten, die sich wahnsinnig toll um die Gäste gekümmert haben“, sagte die Betreiberin.

Obwohl die Aufräumarbeiten das Team wohl noch einige Wochen beschäftigen werden, blieb Peuntner positiv: „Bisher ist nur ein kleiner materieller Schaden ersichtlich. Uns geht es Gott sei Dank allen gut.“ Nachbarn von ihr hätte es schlimmer getroffen. „Da hatten wir Glück im Unglück. Und nach Pandemie und Zwangspausen schaffen wir das jetzt auch noch.“ Reservierungen für das Wochenende habe sie bereits bearbeitet, der Betrieb gehe ganz normal weiter.

Feuermelder sorgt für frühes Eingreifen

Der Betrieb des Folienherstellers Rhein-Plast hingegen musste aufgrund des Unwetters für einen ganzen Tag aussetzen. „Wir hatten zwar keinen großen Maschinenschaden, dennoch mussten wir die Produktion stoppen, um das Wasser in den Produktionsräumen zu entfernen“, sagte Thomas Eisenmann von der Geschäftsleitung. „Das Wasser hat bei einem Feuermelder einen Kurzschluss und damit einen Alarm ausgelöst. So konnte unser Brandschutzbeauftragter schon gegen 5 Uhr alle nötigen Einsatzkräfte alarmieren“, erzählte Eisenmann. Besonders dankbar ist er für die tatkräftige Hilfe der Feuerwehr. „Dank der Wehr waren die Räume schnell vom Wasser befreit. Sie haben einen großartigen Job gemacht!“

Nach einem Tag Pause soll die Produktion am Freitag jedoch wieder anlaufen. „Wir haben 2014 einen Brand überstanden, da überstehen wir das hier auch noch“, sagte er lachend. Die genaue Schadenshöhe könne er noch nicht bestimmen, Hauptsache sei, dass der Betrieb bald wieder anlaufen könne.

Kita an der Isenach ohne Strom

Wegen der Überflutungen wurde bei Häusern in Ungstein und der Innenstadt zur Sicherheit der Strom ausgeschaltet – auch in der Kita an der Isenach. „Die Eltern haben unserem Frühdienst die Kinder im Dunkeln übergeben“, berichtete Kita-Leiter Gary Kuhn. Betroffen von der Abschaltung des Stroms war auch die Küche, in der an normalen Tagen etwa 200 Mittagessen vorbereitet werden. Das Küchenteam habe aber schnell umdisponiert „und total leckere belegte Brote gemacht“, berichtete Kuhn. Die Kinder hätten unterschiedlich auf die Situation reagiert, sagte Kuhn: Die Älteren hätten die ungewohnte Dunkelheit als eher spannend empfunden, die Jüngeren dagegen sehr zurückhaltend reagiert. Einige Eltern hätten ihre Kinder auch wieder mit nach Hause genommen und sich wechselseitig bei der Betreuung ausgeholfen, sagt Kuhn. „Mir tun unsere Nachbarn in der Gerberstraße leid, die es richtig schlimm gebeutelt hat“, ergänzte der Kita-Leiter. Die Kita selbst sei glimpflich davon gekommen.

In der Gerberstraße habe das Wasser keine Möglichkeit gehabt, abzufließen. „Es war wie ein See“, sagte Glogger über die Wassermassen, die übers Flussbett der Isenach getreten waren. In der Gerberstraße sei wohl jeder Keller betroffen gewesen, sagte Bayer. Er denkt, dass die Wehr hier bis zu 30 Mal pumpen musste.

„Die Isenach noch nie so voll gesehen“

In der alten Kaiserslauterer Straße wurde ein Teil des Gehwegs weggespült. Wie Stadtwerke-Geschäftsführer Peter Kistenmacher sagte, fahren die Busse in Richtung Hardenburg bis auf Weiteres aus Sicherheitsgründen nicht mehr durch die Kaiserslauterer Straße, sondern über die B 37. Ein Statiker soll zunächst klären, wie es um die Stabilität des Straßenabschnitts bestellt ist. Vier Haltestellen werden in dieser Zeit nicht bedient.

Stark betroffen war auch der Ortsteil Hardenburg. Hier liefen nach Angaben von Ortsvorsteher Thorsten Brand (CDU) beispielsweise in den Hammerwiesen und am Eichenplatz die Keller voll. „Die Leute sind sauer“, berichtete Brand. Die Hochwasserthematik dort sei bekannt, auch einen Lösungsansatz gebe es bereits. Allerdings seien die Pläne noch nicht umgesetzt worden. Wie der stellvertretende Bauamtsleiter Steffen Wietschorke erklärte, sehen die Planungen vor, das Wasser über größere Kanäle zurück in die Isenach zu leiten.

Weitgehend stabil habe sich der Hang unterhalb der Hardenburg gezeigt, berichtete Thorsten Brand. Dort waren nach einem Hangrutsch 2018 eine Reihe von Schutz- und Sicherungsmaßnahmen umgesetzt worden. „Das neue Regenrückhaltebecken war voll. Es hat seinen Zweck erfüllt“, zeigte sich Brand erleichtert. Von den umliegenden Waldwegen sei aber reichlich Sand auf die B 37 gespült worden. Die Wassermassen ließen die Isenach auch in Hardenburg anschwellen: „An der Alten Schmelz war der Wasserstand bestimmt 1,50 Meter höher als üblich, vielleicht auch 1,80 Meter. So voll habe ich die Isenach noch nie gesehen“, sagte Brand. Seine Pufferfunktion für das Stadtgebiet habe der Herzogweiher erfüllt, so Wietschorke. Der Weiher habe viel Wasser aufgenommen und damit noch Schlimmeres verhindert.

Autounfälle enden mit Blechschäden

Erdmassen auf der Fahrbahn wurden an anderer Stelle zwei Autofahrern zum Verhängnis. Auf der Mannheimer Straße, Höhe Neuberg, rutschte zunächst gegen 5.10 Uhr ein 33-jähriger Lambrechter mit seinem Wagen von der Fahrbahn. Er hatte versucht, den Erdmassen auszuweichen. Sein Wagen landete im Gleisbett der Rhein-Haardtbahn. Dabei gab es glücklicherweise keine Verletzten, genauso wie eine Stunde später bei einem ähnlich gelagerten Unfall.

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