Bad Dürkheim RHEINPFALZ Plus Artikel Meteorologe über Polarlichter-Sichtung in der Region

Polarlichter leuchten in Mitteleuropa eher in roten Farbtönen, wie diese Aufnahme aus Brandenburg aus dem Jahr 2015 zeigt.
Polarlichter leuchten in Mitteleuropa eher in roten Farbtönen, wie diese Aufnahme aus Brandenburg aus dem Jahr 2015 zeigt.

Meist erscheinen sie in Polarkreis-Nähe am Himmel: die Polarlichter. Besondere Voraussetzungen machen die durch Sonnenwinde ausgelösten Lichterspiele auch in Deutschland sichtbar. Eine RHEINPFALZ-Leserin vermutet, ein solches Spektakel über Bad Dürkheim gesehen zu haben. Doch ist das überhaupt möglich?

Als Ingrid Kamp am späten Abend des Samstag, 6. November, aus dem Fenster blickt, traut sie ihren Augen nicht. Ein eigentümlicher Lichtschein ist zwischen Mercure-Hotel und Burgkirche am Dürkheimer Himmel zu sehen. Jedoch nur kurz. „Nach circa zwei Minuten war alles vorbei“, erläutert Kamp in einer schriftlichen Mitteilung. „So etwas habe ich noch nie gesehen.“ Eine Freundin gibt Kamp dann einen Hinweis. „Es könnten Polarlichter gewesen sein“, sagt die Dürkheimerin.

Sichtung in Sachsen

Dass man die bei stärkeren Sonnenwinden auch in Südwestdeutschland sehen könne, bestätigt der Meteorologe Wolfgang Lähne aus Hördt. Tatsächlich habe es an besagtem Samstag eine bestätigte Polarlichtsichtung gegeben. „In Sachsen“, weiß Lähne. „Zwischen 19 und 23 Uhr.“ Doch um das Naturschauspiel auch in den hiesigen Breiten beobachten zu können, müssten optimale äußere Bedingungen herrschen. „Der Himmel muss auf jeden Fall klar sein“, sagt Lähne.

Am 6. November sei das über Bad Dürkheim nur tagsüber der Fall gewesen. Zur fraglichen Uhrzeit, gegen 23.30 Uhr, habe eine Wolkenglocke über der Stadt geschwebt. „Gegen Abend hat sich der Himmel zugezogen“, sagt Lähne. „Die Sichtung von Polarlichtern ist dann eher unwahrscheinlich.“ Das Lichterspiel am Himmel sei daher wohl eher anderen Ursprungs.

Zudem sei es bei Sichtungen in Mitteleuropa üblich, dass die Polarlichter eher in roten Farbtönen zu sehen sind. „An den Polarkreisen schimmern die ja in allen möglichen Farben“, berichtet Lähne. „Hier ist das bisher immer tiefrot gewesen.“ Da bei der Sichtung in Bad Dürkheim eher von einem grün-gelblichen Schimmer die Rede gewesen war, spreche auch das eher gegen das Auftreten von Polarlichtern.

Beleuchtung stört

Die meisten Sichtungen der Naturphänomene gebe es zudem eher abseits der bewohnten Gebiete. „Dort ist die Lichtverschmutzung nicht so stark“, sagt Lähne. Schließlich sei das Leuchten in den mitteleuropäischen Breiten nicht so intensiv wie in den Polarregionen. In den Ballungszentren könne es sich daher kaum gegen die Beleuchtungen der zahlreichen Ortschaften und Städte durchsetzen.

Hervorgerufen werden die Polarlichter durch Sonnenwinde, die durch Aktivitäten auf der Sonnenoberfläche entstehen. Treten elektrisch geladene Teilchen dieser von der Sonne ausgehenden Strömungen in die Erdatmosphäre ein, entstehen die spektakulären Naturschauspiele, insbesondere an den Polen. Besonders starke Sonnenstürme sorgten Mitte des 19. Jahrhunderts dafür, dass selbst in den Tropen Polarlichter zu sehen waren. Während damals nur der Telegrafenverkehr gestört wurde, wären in der modernen Welt weitaus mehr Probleme aufgetreten. „Auf der Erde wäre die gesamte Elektronik ausgefallen“, weiß Lähne.

x