Weisenheim am Berg RHEINPFALZ Plus Artikel Kaffeeservice-Spezialist Brill investiert kräftig

Das Brill-Team vor der neuen Lagerhalle.
Das Brill-Team vor der neuen Lagerhalle.

Der täglich frisch vor Ort gemahlene und aufgebrühte Kaffee im Büro ist sein Geschäft: Christian Brills Kaffeekomplettservice für Unternehmen mit Sitz in Weisenheim am Berg ist über die Jahre stets gewachsen. Jetzt investiert das Unternehmen in eine neue Halle – und geht dabei ungewöhnliche Wege.

„Wir bauen gerade eine neue Halle am Standort im Nußbaum“, berichtet Christian Brill. Schon vor über 20 Jahren hat der Wirtschaftsingenieur das Potenzial geahnt, das im Service rund um guten Kaffee im Büro schlummert. Nach einer Testphase mit der Deutschen Bahn noch in den 1990er-Jahren hat sich der 45-Jährige aus dem Saarland mit Brill-Systemservice selbstständig gemacht und ist seit 2006 am Standort in Weisenheim.

Trend zur Nachhaltigkeit

„Wir sind hier organisch gewachsen und seit Beginn setzen wir auf Kaffeemaschinen in Profi-Qualität“, sagt Firmenchef Brill. Lediglich Corona habe das Geschäft mit dem Service rund um die Kaffeebohne etwas ausgebremst. Vom ehemaligen Kleinstbetrieb mit einem Servicetechniker ist die Brill-Service heute auf zehn Mitarbeiter, darunter vier Vollzeittechniker, gewachsen. „Seit der Corona-Pandemie mit ihren Einschränkungen müssen wir Umsatzrückgänge verkraften, da viele unserer Kunden ihre Mitarbeiter ins Homeoffice geschickt haben oder lange nicht öffnen durften, wie zum Beispiel Restaurants, Hotels und Jugendherbergen.“ Sie gehören zu den etwa 1000 aktiven Kunden in Rheinland-Pfalz und dem Saarland. Der Umsatz sei deswegen zuletzt von rund 1,15 Millionen Euro im Jahr auf etwa 1,05 Millionen Euro gesunken.

„Vor 21 Jahren, als die italienischen Kaffeespezialitäten auch hierzulande immer beliebter wurden, gründete ich meine Firma“, sagt der Firmenchef zur Chronologie.

Heute gehe der Trend ganz stark zur Bohne und zu Bioqualität sowie der Nachhaltigkeit. Auch der Fairtrade-Gedanke werde immer wichtiger bei seiner Kundschaft. Brill führe dazu auch beim Milchpulver eine Bio-Eigenmarke. Der Anteil von Fairtrade-Kaffee liege momentan bei etwa 30 Prozent und wachse weiter.

Reparaturen direkt vor Ort

Das Geschäftsmodell: Brill liefert die Maschine zur Miete oder zum Kauf, das Gerät wird individuell programmiert samt Zutaten und Service von der ersten Kontrolle bis zum kleinsten Ersatzteil. Zweites Standbein seit 2012 ist die Lieferung von Wasserspendern im Büro: Die Geräte würden direkt an die Trinkwasserleitung angeschlossen. Hauptkunde sei hier ein Chemieunternehmen in Mannheim mit 30 Geräten. „Wir kümmern uns dort auch um die nötige Sanitation samt Filterwechsel und Desinfektion“, sagt Brill. „Da sehe ich noch viel Potenzial.“ Den Löwenanteil am Gesamtumsatz mache der Kaffee aus: rund 90 Prozent. Um im Servicefall schnell beim Kunden zu sein, steht ein Fuhrpark mit fünf Fahrzeugen immer bereit, beladen mit der nötigen Technik und Ersatzteilen, da das Techniker-Team die Reparaturen der Kaffeeautomaten vor Ort beim Kunden erledigt.

Bauarbeiten statt Kurzarbeit

Nun will Brill am Standort in Weisenheim am Berg wachsen – auf unkonventionelle Art. Nachdem der Betrieb bereits im Spätjahr 2020 mit den ersten Rodungsarbeiten begonnen hatte, ging es im Februar 2021 auf dem Firmenareal richtig los. „Da wir bedingt durch Betriebsschließungen wegen der Corona-Krise deutlich weniger Technik-Einsätze fahren konnten wie üblich, und ich dennoch meine Mitarbeiter nicht überwiegend in Kurzarbeit schicken wollte, haben wir kurzerhand selbst Hand angelegt.“ So habe Brill Baufahrzeuge angemietet, ein Teil des Teams habe nach Eintreffen der Baugenehmigung mit den Erdarbeiten begonnen und im ersten Schritt eine 10.000 Liter große Zisterne aus Beton auf dem rund 1100 Quadratmeter großen Areal geschaffen.

Und es gehe voran: „Unsere neue Lagerhalle, in der wir auch Bestellungen packen und für den Versand vorbereiten, nimmt zusehends Formen an.“ Im Sommer soll die neue Halle stehen. Insgesamt über 700.000 Euro hat Brill nach eigenen Angaben in das neu erworbene Areal mit Gebäude im Nußbaum samt Halle investiert.

Gleichzeitig will der 45-Jährige in Weisenheim am Berg, wo er vor 15 Jahren durchstartete, das Experiment Direktverkauf von Kaffeebohnen starten: „Direkt an die Endkunden.“ In Coronazeiten habe er sich jüngst auch am örtlichen Projekt „Dorffunk“ beteiligt. Samt Lieferung an die Haustür.

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