Blickpunkt RHEINPFALZ Plus Artikel Friseure: Rückkehr zu 3G

Friseurin Fatma Islekyay würde es freuen, wieder die Gesichter ihrer Kunden sehen zu können.
Friseurin Fatma Islekyay würde es freuen, wieder die Gesichter ihrer Kunden sehen zu können.

Unter Corona und den damit verbundenen Einschränkungen leiden auch die Friseure. Aktuell gilt für ihre Salons die 2G-Regel, der zufolge nur Geimpfte oder Genesene hinein dürfen. Das ändert sich am Freitag. Ab 4. März ist 3G angesagt, auch für Getestete mit Nachweis ist der Zutritt dann wieder erlaubt. Doch was halten die Friseure von alldem?

Die Inhaberin des Haarstudios Fatma in Bad Dürkheim, Fatma Islekyay, ist erst einmal stolz auf ihre Mitarbeiter, die das alles zu bewältigen hatten. Sie musste keinen von ihnen in Kurzarbeit schicken, weil in ihrem Salon genug Platz für die gebotenen Abstände war. Sie seien froh gewesen, nicht zu Hause hocken zu müssen, sagt die Friseurin. Etwa 20 Prozent weniger Kunden sind in ihren Laden gekommen seit die 2G-Regel gültig ist. „Es wird Zeit“, meint Islekyay zu den geplanten Lockerungen. Im Großen und Ganzen könne sie sich aber nicht beschweren, obwohl sie in dieser Phase kein Geld auf die Seite legen konnte. Kleineren Ärger gab es in ihrem Salon mit Kunden, die die Hände nicht desinfizieren oder keine Maske tragen wollten, nichts Dramatisches, betonte sie. Froh wird sie auch sein, wenn die Maskenpflicht fällt und sie endlich wieder die Gesichter der Kunden sehen kann.

Kunden lamentieren mehr

Durch seine Kundenstruktur in der Krise „ganz gut aufgestellt, fand sich Michael Wolf von „Wolf macht Haare“ in Bad Dürkheim. Kleinbetriebe wie seiner hätten es leichter gehabt, weil ein Besuch bei ihm personengebunden ist. Das heißt, es ist von vornherein klar, wer auf wen trifft. Die letzten Monate seien gut verlaufen, etwa zehn Prozent frühere Kunden seien nicht mehr gekommen, dafür seien andere in etwa derselben Größenordnung neu dazu gekommen. Man merke in den Gesprächen, dass den Menschen Corona so langsam „zum Hals heraushängt“, es werde zunehmend lamentiert, ist Wolf aufgefallen.

Angelika Jochum hat in ihrem Salon in Grethen nur Stammkunden. Davon ging ihr wegen der Einschränkungen keiner verloren, und sie hatte auch keinen Ärger wegen des Einhaltens der Corona-Regeln. Weil Jochums Salon klein ist und sich wegen das Abstandsgebots darin im Moment nur zwei Personen aufhalten dürfen, gönnt sie sich einen freien Tag, wenn die Mitarbeiterin dran ist mit Haareschneiden. Es sei schon sehr viel Mehrarbeit gewesen, alles ordnungsgemäß einzuhalten, sagt Jochum. Sie habe sich aber so an die Corona-Maßnahmen gewöhnt, dass diese ihr „in Fleisch und Blut übergegangen“ seien.

Auch Nicole Blau aus Gönnheim sind keine Kunden von der Fahne gegangen. Was sie aber mächtig ärgert: Nach dem ersten Lockdown bekam sie Soforthilfe vom Staat. Nach dem Ende des Lockdowns arbeitete sie so viel sie konnte, um ihre Kunden endlich wieder bedienen zu können, und die Umsätze stiegen. Deshalb soll sie die Soforthilfe wieder zurückzahlen. Sie kenne mehrere Kollegen, bei denen das genauso sei, sagt Blau. Der zweite Lockdown fraß ihre ganzen Rücklagen auf und führte zu kräftigen Geldeinbußen im Tagesgeschäft. Und sie fühlt sich „hängengelassen.“ Herumdiskutieren mit Kunden wegen der Corona-Vorschriften gab es bei ihr im Salon nicht. Die Leute fühlten sich bei ihr sicher und manch einer, der zuvor in einem großen Salon Kunde war, zog es jetzt vor, zu ihr in einen kleinen zu wechseln.

Genervt von der „Leier“

Dass man nach dem 31. Januar die Kontaktdaten der Kunden nicht mehr erfassen musste, empfand Ursula Köhler in ihrem Salon in Wachenheim schon als immense Erleichterung. „Immer dieselbe Leier“ mit den einzuhaltenden Vorschriften abspulen zu müssen, den Mist brauche sie nicht mehr, bekräftigt sie. Richtigen Ärger mit Kunden gab es nicht, eher mal die Diskussion, ob man die Maske nicht absetzen könne, oder wenn jemand nicht alle geforderten Ausweise dabei hatte. Köhlers Beobachtungen zufolge blühte in der Corona-Zeit die Friseur-Schwarzarbeit auf.

„Nicht direkt Ärger“ mit ihren Stammkunden würde es Petra Wilhelm aus Weisenheim am Sand nennen, sie hätten sich höchstens hin und wieder genervt gezeigt, wenn sie die geforderten Maßnahmen konsequent umgesetzt habe. Wenigstens durften die Friseure arbeiten, andere waren da schlimmer dran, findet die Weisenheimerin. Ängstliche Menschen seien vorsichtiger mit der Situation umgegangen als andere, auch in ihrem Friseursalon. Die Vorgaben der Politik kamen ihr öfter wie „blinder Aktionismus“ vor. Auf jeden Fall gehe es jetzt wieder spürbar aufwärts, sagt Wilhelm.

Der Freinsheimer Friseur Ralf Baier erklärt, es habe die Corona-Zeit „sinnvoll genutzt“, indem er neue Wege gesucht und sich selbst weitergebildet habe. Er ist mit seinen fünf Angestellten und der Kurzarbeit dank der Unterstützung durch die Politik ganz gut hingekommen. Den 4. März vor Augen, bemühten sich auch wieder verstärkt Nicht- Geimpfte um einen Friseurtermin in seinem Salon. Zu Beginn der Krise habe es viele Diskussionen wegen der Maßnahmen gegeben. Daraufhin ließ er ein Schild vor dem Salon aufstellen mit der Beschreibung, was drinnen Sache ist. Das funktionierte. Die Kunden hätten sich auch dank der Luftfiltergeräte in seinem Laden sicher gefühlt. Während der Pandemie hat Baier sich verstärkt mit Kollegen ausgetauscht, Netzwerke aufgebaut und Dinge ins Leben gerufen, von denen er sich in seinem Gewerbe bald „Früchte“ erhofft. „Corona hat auch Positives zustande gebracht“, sagt er.

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