Blickpunkt RHEINPFALZ Plus Artikel Eintrittsgeld bei noch mehr Weinfesten?

Barrieren sollen Feste davor bewahren, dass Autos ungehindert in Menschenmengen rasen können. Seit einigen Jahren schützen Tonne
Barrieren sollen Feste davor bewahren, dass Autos ungehindert in Menschenmengen rasen können. Seit einigen Jahren schützen Tonnen den Dürkheimer Wurstmarkt. Weil diese Sicherheitssysteme aber gewisse Eigenschaften haben müssen, wird in vielen Städten und Gemeinden noch nach der optimalen Lösung gesucht.

Ein Auto, das in eine Menge rast – es wäre der Alptraum für jedes Fest. Für mehr Sicherheit sollen neue Anforderungen sorgen. Doch das kostet Geld. Deidesheim verlangt bereits Eintritt für seine Kerwe. Kann das beim Wurstmarkt auch passieren?

Weit weg sind die Auswirkungen einer Schreckenstat schon lange nicht mehr. Als am 12. Juni ein Ellerstadter wahrscheinlich mit Absicht in vier Radfahrer in Mannheim fuhr, war das Thema ganz nah. Eine Frau verlor ihr Leben, zwei Menschen wurden schwer, einer wurde leicht verletzt. Was, wenn der Ellerstadter am gleichen Abend nicht nach Mannheim, sondern ins nahe gelegene Wachenheim gefahren wäre, wo gerade in offenen Höfen gefeiert wurde, also richtig viele Menschen auf den Straßen waren?

Sicherheit bei Festen ist wichtig. Darüber besteht bei den Veranstaltern, meist den Städten und Gemeinden in Zusammenarbeit mit örtlichen Vereinen und Teams, kein Zweifel. Ein überarbeitetes Polizei- und Ordnungsbehördengesetz stellt die Veranstalter aber nun vor Probleme. Künftig werden mehr Feste als früher ein Sicherheitskonzept benötigen. Mehr Sicherheit kostet mehr Geld. Die jüngsten Folgen dieser Neuregelung: Die Deidesheimer verlangen für ihre Kerwe künftig Eintritt. Gleiches gilt in Haßloch beim Andechser Bierfest.

Barrieren für Sicherheit

Welche Auswirkungen hat das auf andere Feste? „Für uns ist das bislang kein Thema“, gibt Marcus Brill Entwarnung für Freunde des wohl bekanntesten Weinfestes. Brill organisiert in Bad Dürkheim den Wurstmarkt und spricht auch für andere Weinfeste der Stadt. „Ich weiß gar nicht, wie das gehen sollte“, sagt er über abgesperrte Feierbereiche wie in Deidesheim.

Ähnlich sieht es in Neustadt aus. Eintritt wegen der Sicherheitskosten beim Deutschen Weinlesefest zu erheben, ist nicht geplant – und auch bei keinem anderen Neustadter Fest 2022. Ein Sicherheitskonzept liegt hier seit Jahren vor. Bislang werde geplant wie immer, so Martin Franck, Geschäftsführer der Neustadter Tourist, Kongress und Saalbau GmbH.

Barrieren sind in Neustadt und in Bad Dürkheim schon seit einigen Jahren das sichtbare Zeichen für Sicherheitsanpassungen. Diese sollen verhindern, dass Autos ungebremst aufs Festgelände rasen können. Finanziert wurden die Barrieren und mehr Sicherheitspersonal in Bad Dürkheim laut Brill mit einer Erhöhung der Standgebühren für die Beschicker.

Wünschenswert wäre es aus Sicht von Brill, wenn Barrieresysteme zentral zur Verfügung gestellt würden. Dann müsse sich nicht jede Stadt und Gemeinde eigene zulegen.

Zustimmung dafür kommt aus anderen Orten. Die stehen ebenfalls vor dem Problem, mögliche Autoraser fernzuhalten, Rettungskräften aber auch nicht den Weg zu versperren. Marc Weigel würde sich freuen, wenn er solche Systeme mieten könnte. Weigel leitet in der Verbandsgemeinde Wachenheim das Ordnungsamt. Für ihn ist die Barrierefrage zentral.

Auch die Verbandsgemeinde hat bereits mit solchen Barrikaden Erfahrung. Radlader standen in der Vergangenheit an zentralen Punkten, um im Ernstfall rasende Fahrzeug abzubremsen, sagt der Leiter des Ordnungsamts. Allerdings müsse immer ein Fahrer dabei sein, der den Radlader wegfährt, wenn die Feuerwehr kommt. „Solche Barrieren sind nicht zulässig auf Dauer“, sagt Weigel deshalb. Und fügt hinzu: „Geprüfte Systeme sind teuer.“ Er ist überzeugt, dass auch kleinere Ortskerwen künftig nicht ohne auskommen werden. „Wir sind noch in Gesprächen mit der Polizei, auf was wir zurückgreifen“, sagt Weigel mit Blick auf anstehende Veranstaltungen, etwa das Burg- und Weinfest im September. Ähnlich sieht es in Freinsheim aus. Für Jochen Weisbrod, Vorsitzender des örtlichen Verkehrsvereins, ist der Knackpunkt, die Sicherung des Festgeländes so zu gestalten, dass das Ganze wirtschaftlich bleibt.

„Lebensgefühl“ bewahren

Wie also die Kosten für Vollzugsdienste, externe Sicherheitsfirmen und Barrieren wieder hereinholen? Davor, die Kosten auf die Standbetreiber umzulegen, scheuen nicht nur die Deidesheimer. „Wenn ich die verliere, verliere ich das ganze Fest“, sagt Weigel. „Deidesheim macht es nicht grundlos“, sagt er deshalb über die Eintrittsgelder, die dort nun verlangt werden. Auch in Wachenheim sei das Thema diskutiert worden. Dass es soweit kommt, glaubt er aber eher nicht. Einlasskontrollen und Barrikaden im Ort erscheinen im „schier unmöglich“.

Neben diesen harten Gründen sehen Festveranstalter auch noch einen anderen, in der Tradition verankerten Grund: Die Atmosphäre an der Weinstraße würde leiden, findet Weigel. „Das ist ein Lebensgefühl, das gehört dazu“, sagt auch Weisbrod. „Das ist über Jahrzehnte entstanden und während Corona haben wir es so vermisst“, fügt er hinzu. „Wenn das wegfällt, dann fehlt was, das würde auch das Miteinander verändern.“ Eintrittspreise für Feste wie das anstehende Stadtmauerfest sieht der Vereinsvorsitzende kritisch: „Eintrittspreise sind nicht die Lösung für alles, was will man den Leuten noch aufladen?“

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