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Montag, 11. Februar 2019 Drucken

Bad Dürkheim

"Haardtblick" Friedelsheim: Adler-Stadionsprecher Udo Scholz geht - aber noch nicht so ganz

Von Jens Lepthien

Kann endlos Geschichten erzählen: Wie die Rockband „The Who“ damals die Ebert-Halle zerlegte oder wie er als Stadtionsprecher die Meisterschaft des FCK erlebte. Udo Scholz war irgendwie immer überall dabei.

Kann endlos Geschichten erzählen: Wie die Rockband „The Who“ damals die Ebert-Halle zerlegte oder wie er als Stadtionsprecher die Meisterschaft des FCK erlebte. Udo Scholz war irgendwie immer überall dabei. ( Foto: Franck)

Er hat die Beatles getroffen, Heintje-Tourneen organisiert und einen ganz speziellen Schmähgesang erfunden. Nun geht Tausendsassa Udo Scholz als „Haardtblick“-Wirt in Friedelsheim in Rente. So bleibt mehr Zeit für Erinnerungen – und davon hat die „Stimme der Mannheimer Adler“ unzählige.

Wer Udo Scholz gegenüber sitzt, wird sofort in seinen Bann gezogen. Der Mann hat so viel zu erzählen und kennt Gott und die Welt. Ob es nun Franz Beckenbauer, Uwe Seeler, Wladimir Klitschko oder Handballer Uwe Gensheimer ist – er hatte mit allen zu tun. Wer nun glaubt, dass sich Udo Scholz, Stadionsprecher der Mannheimer Adler, nach dem Rückzug aus seinem geliebten „Haardtblick“ in Friedelsheim aufs Altenteil zurückziehen wird, hat sich getäuscht. Obwohl er dort die Verantwortung an Anne-Sophie Wagner übergeben hat, wir berichteten, bleibt er der Weinstube als Berater und helfende Hand erhalten.

Im April 80. Geburtstag

„Deshalb habe ich im Moment nicht das Gefühl von Wehmut“, gibt er ganz offen zu. Auch sonst hat der umtriebige Pensionär, der im April seinen 80. Geburtstag feiern wird, noch allerhand zu tun. Um den Menschen Udo Scholz besser kennenzulernen, seien hier zunächst die wichtigsten Stationen seines aufregenden Lebens aufgezählt: Der Eisenbahnersohn wurde am 15. April 1939 in Brügge in der Nähe von Lüdenscheid in Nordrhein-Westfalen geboren, spielte in seiner Jugend Fußball und wurde nach der Schule zum Kaufmann ausgebildet. Mit 24 Jahren entdeckte er seine Liebe zum Showbusiness und tauchte als Promotion-Manager in die Musikszene ein. Im Hamburger Star Club machte er die Bekanntschaft mit „The Beatles“, „The Who“, „The Kinks“ oder auch den deutschen Vertretern der damaligen Zeit, den „Lords“ und den „Rattels“. „Ich erinnere mich noch genau, als 1967 bei einem Konzert von ,The Who’ in Ludwigshafen die Stühle flogen und am Ende die gesamte Friedrich-Ebert-Halle zerlegt wurde“, erklärt er verschmitzt lächelnd. Außerdem organisierte er Ende der 1960er-Jahre die Tourneen von Hein Simons, der damals als Heintje Karriere machte.

Stadionsprecher beim FCK und "Stimme der Adler"

Parallel zum Musikgeschäft betätigte sich Scholz als Stadionsprecher zunächst bei Rot-Weiß-Lüdenscheid und später bei Borussia Dortmund. Von 1973 bis 1994 machte er sich als Stadionsprecher bei den „Roten Teufeln“ aus Kaiserslautern am Betzenberg einen Namen. Unvergessen ist bis heute sein bekannter Schlachtruf:„Zieht den Bayern die Lederhosen aus“. Den intonierte er nach der Melodie des Beatles-Klassikers „Yellow Submarine“ über das Stadionmikrofon bei einem Spiel der Lauterer gegen den FC Bayern München. „In diese Zeit fallen auch meine schönsten Erinnerungen“, gesteht Scholz und spielt dabei insbesondere auf das legendäre 7:4 des FCK gegen die Münchner Bayern an. „Wir lagen schon 1:4 zurück, haben das Spiel gedreht und am Ende sensationell gewonnen.“ Der Pokalsieg in der Saison 1989/90 gegen Werder Bremen und die Meisterschaft in der darauf folgenden Saison 1990/91 seien weitere Höhepunkte in seinem sportlichen Leben gewesen, erinnert er sich. Aus seiner Zeit als Moderator von über 50 Länderspielen der Deutschen Fußballnationalmannschaft, ist ihm immer noch die legendäre „Wasserschlacht von Frankfurt“ aus dem Jahre 1974 in Erinnerung, als das deutsche Team in einem WM-Spiel Polen mit 1:0 besiegte. Aktuell gilt seine Leidenschaft den Eishockeyspielern der Adler Mannheim, die er seit 1994 am Mikrofon begleitet und nicht zu Unrecht als „die Stimme der Adler“ bezeichnet wird.

Lebensabend im Hunsrück verbringen

„Den Haardtblick verlasse ich ja noch nicht ganz, ich bleibe ihm noch mindestens vier Jahre erhalten“, gibt er zu Protokoll. Das Friedelsheimer Gemeinderatsmitglied der FDP stellt sich im Mai zur Wiederwahl, möchte zum Wohle der Stadt weiterwirken und sich bei der Vorbereitung der 1250-Jahr-Feier Friedelsheims, die im nächsten Jahr begangen wird, einbringen. Einen weiteren Teil seiner Kraft und Energie investiert Scholz in das von Daniel Hopp und weiteren Funktionären der Adler Mannheim vor mehr als zehn Jahren gegründete Hilfswerk „Adler helfen Menschen“, das sich unter anderem beim Projekt der „Vesperkirchen“ in Mannheim, Ludwigshafen oder auch Heidelberg engagiert und hilfsbedürftige und sozial schwache Familien betreut.

Irgendwann wird sich der Mann am Mikrofon von der Mittelhaardt verabschieden und sich mit seiner Frau Margot auf sein Anwesen im Hunsrück zurückziehen, um seinen Lebensabend zu genießen. Wetten, dass er trotzdem des Öfteren in seinem geliebten „Haardtblick“ anzutreffen sein wird?

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