Wissen Wenn Ozeane die Hitze an Land treiben
Erwärmte Meeresoberflächen treiben die Feuchtigkeit in die Atmosphäre – und verwandeln Hitze in lebensbedrohliche Schwüle. Neue Daten offenbaren, wie stark dieser Effekt weltweit zunimmt. Steigende Meeresoberflächentemperaturen in Küstengewässern sind laut einer neuen Studie für 50 bis 64 Prozent des Anstiegs der Anzahl großflächig auftretender schwüler Hitzewellen verantwortlich. Die Studie deutet darauf hin, dass die Meeresoberflächentemperaturen an den Küsten ein Frühwarnindikator für großflächige schwüle Hitzeextreme sein könnten.
Hitzewellen mit hoher Luftfeuchtigkeit haben in den vergangenen Jahrzehnten stark an Intensität zugenommen und werden voraussichtlich weiter zunehmen, wodurch sich auch das Risiko hitzebedingter Todesfälle erhöht. Frühere Untersuchungen legen nahe, dass selbst gesunde Menschen bei Feuchtkugeltemperaturen – ein Maß für die Kombination von Hitze und Feuchtigkeit – über 31,5 °C zusammenbrechen können, da sich der Körper dann nicht mehr durch Schwitzen abkühlen kann. Das weit verbreitete und großflächige Auftreten schwüler Hitzewellen, wie 2023 in Asien, ist bislang jedoch kaum untersucht.
Wenn Meere kochen, glüht das Land
„Wir sehen einen starken Zusammenhang zwischen der Erwärmung der Küstengewässer und einer Häufung von schwül-heißen Extremereignissen – insbesondere in den Tropen. Dort liefern die Ozeane mehr Feuchtigkeit und die Atmosphäre transportiert diese feucht-warme Luft an Land, wodurch die Hitze verstärkt wird“, sagt Autor und Forscher Fenying Cai vom Potsdam-Institut für Klimaforschung (PIK). In Regionen, die weiter vom Äquator entfernt seien, spiele auch das Zusammenwirken der Erwärmung von Land und Ozean, gekoppelt mit großräumigen atmosphärischen Wellenmustern, eine wichtige Rolle, betont Cai.
Temperatur als FrühwarnsystemDas Forschungsteam analysierte Klimadaten aus den Jahren 1982 bis 2023 mithilfe eines komplexen Netzwerkansatzes und entdeckte starke Zusammenhänge zwischen Land und Ozean. So ist beispielsweise die Erwärmung im Indischen Ozean mit steigenden Risiken für schwüle Hitze in Südasien und im Nahen Osten verbunden, während die Erwärmung des tropischen Nordatlantiks die Risiken im nördlichen Südamerika verstärkt. Die Studie zeigt auch, dass der Einfluss des Ozeans bei großräumigen Ereignissen stärker ist als bei isolierten lokalen Hitzewellen.
„Ein besseres Verständnis dieser Wechselwirkungen zwischen Land und Ozean ist der Schlüssel für wirksame Strategien zur Klimaanpassung. Die Meeresoberflächentemperaturen an den Küsten können als potenzieller Frühwarnindikator für Hitzeereignisse gesehen werden“, sagt Co-Autor Jürgen Kurths.