Wissen Wandern zum Wasser
Der Blick in einen Eimer verrät: Vom Asphalt wurden mehrere Erdkröten aufgesammelt. Damit sie nicht von Autos überfahren werden, setzen die Helfer sie ans Ufer des nahen Weihers. Denn das Wasser ist ihr Ziel. Aber warum wandern sie den gefährlichen Weg dorthin?
Erdkröten sind Amphibien: Sie müssen Gewässer aufsuchen, um sich fortzupflanzen. Deswegen haben sie ihren Namen. Das griechische „amphi“ bedeutet „beide“ oder „doppelt“. Die Tiere leben „auf beiden Seiten“: Sie verbringen den größten Teil des Jahres an Land, aber ihre Eier legen sie im Wasser ab. Frösche, Molche, Salamander und Unken gehören ebenfalls zur Klasse der Amphibien, auch „Lurche“ genannt.
Am Ufer lassen die menschlichen Helfer die Kröten wieder frei. Gleichzeitig sind aus dem Wasser knurrende Laute zu hören. Das sind keine Erdkröten, sondern Grasfrösche: Die Männchen werben um Weibchen und einer will den anderen übertönen. Grasfrösche sind braun gefärbt und ihr Gebrumm klingt nicht besonders laut. Wer eine Partnerin gefunden hat, klammert sich an ihr fest.
So ist es auch bei den Erdkröten. Manche Kröten-Pärchen finden schon auf der Wanderung zusammen: Dann lässt sich das Männchen vom größeren Weibchen huckepack tragen. Es bleibt auf ihrem Rücken, bis sie ihre Eier im Wasser abgibt und befruchtet die Eizellen dabei mit seinem Samen.
Aber bis so ein Krötenpaar am Wasser ankommt, dauert es eine ganze Zeit. Wenn dann eine Straße auf dem Weg liegt, bedeutet das große Gefahr. Gut, wenn jetzt kein Auto kommt!
Es gibt Straßen, die wegen der wandernden Lurche nachts gesperrt werden. Ein Beispiel ist die Kreisstraße 16 bei Wachenheim. Leider halten sich nicht alle Autofahrer an die Sperrung. Dann sterben viele Tiere unter und zwischen den Rädern. Naturschützer versuchen, wenigstens einen Teil der kleinen Wanderer zu retten.
Von Glibber geschützt
In manchen Gewässern kannst du im Frühling die Amphibieneier entdecken. Sie werden „Laich“ genannt. Geschützt sind sie von einer glibbrigen, eiweißhaltigen Masse. Je nach Art sieht der Laich unterschiedlich aus. Grasfrösche geben ihre Eier in Ballen ab. Dagegen legen Kröten ihren Laich als meterlange Schnüre. Du siehst sie unter Wasser um Wurzeln und Halme gewickelt.
Nach der Eiablage verlassen Erdkröten und Grasfrösche das Wasser und leben wieder an Land. Dafür wimmeln im Teich bald unzählige Kaulquappen. Wer von ihnen trotz vieler Gefahren überlebt, entwickelt sich zur winzigen Kröte oder zum winzigen Frosch.