Kryptowährungen
Wie Trump Milliarden macht mit seiner digitalen Gedenkmünze
Römische Kaiser ließen ihr Bildnis auf Münzen verewigen, Donald Trump geht das moderner an. „Mein neuer offizieller Trump-Meme ist da“, lautete am Samstag die überraschende Mitteilung noch vor der offiziellen Amtseinführung. „Habt Spaß!“ Den dürfte auch der neue US-Präsident selbst gehabt haben, denn der Wert seines speziellen Produkts stieg zunächst enorm an. 200 Millionen sogenannte Tokens wurden ausgegeben, was bei einem zeitweisen Kurs von mehr als 70 Dollar bedeutet, dass Milliarden gewissermaßen aus dem Nichts entstanden. So etwas hatte die Krypto-Branche noch nicht gesehen.
„$TRUMP“ gilt als sogenannte Meme-Coin, ist gewissermaßen eine digitale Gedenkmünze. Ein Meme ist ein Internetinhalt, der sich viral verbreitet: meist eine Kombination aus Bild und Text, die in sozialen Netzwerken in immer neuen Kontexten auftaucht. Häufig ist das gedacht als witziger Kommentar, der ständig weitergereicht und angepasst wird. Trumps Meme hat einen ernsteren Hintergrund: Als Motiv dient die ikonische Aufnahme von ihm mit gereckter Faust nach dem missglückten Attentatsversuch im Juli 2024, dazu die Worte „Fight, fight, fight“ (kämpfen) und sein Autogramm.
„Dein Stück Geschichte“ verspricht die Werbung
Wer eine solche Coin erwirbt – laut Werbung „dein Stück Geschichte“ –, besitzt wie bei einer Kryptowährung einen Eintrag auf einer Blockchain. Dabei werden in einer dezentralen Datenbank alle Transaktionen gespeichert, vor Fälschungen geschützt durch kryptografische Verfahren (Verschlüsselung). Doch im Gegensatz zu beispielsweise Bitcoin, die durchaus als Zahlungsmittel dienen können, haben Coins keine spezifische Funktion. Man kann sie kaufen, behalten oder wieder verkaufen. Angebot und Nachfrage bestimmen den Preis auf den entsprechenden Handelsplattformen. „Damit lässt sich spekulieren oder Trump unterstützen“, erläutert Stefan Scharnowski, Experte für Kryptowährungen an der Universität Mannheim. Er vergleicht das mit Fan-Tokens, die es von großen Fußballclubs gibt. Damit können Anhänger die Unterstützung ihres Lieblingsteams ausdrücken. „$TRUMP“ als digitales Pendant zur roten Basecap mit „MAGA“-Aufdruck.
Scharnowski sieht allerdings widersprüchliche Signale in Trumps Aktion. Durch seine Präsidentschaft verspricht sich die Krypto-Branche Vorteile wie laxe Regulierung. Der 78-Jährige hatte sich sogar für eine nationale Bitcoin-Reserve ausgesprochen, was den Kurs dieser Währung in die Höhe trieb. Seit Amtsantritt habe Trump sich zu solchen Themen aber noch nicht geäußert, hat der Experte beobachtet. Stattdessen ziehe er das mit seinem Prestigeprojekt „fast schon ins Lächerliche“.
Melania lässt den Kurs abstürzen
Zu den in der Szene auch üblichen windigen Angeboten zählt „$TRUMP“ nicht, weil transparent sei, wer dahinterstecke. Das Risiko, alles zu verlieren, sei bei den volatilen Kryptokursen natürlich immer gegeben. Auf der dazugehörigen Website wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass es sich nicht um eine Investitionsmöglichkeit handelt. Für den Herausgeber sei es auf jeden Fall „eine gute Möglichkeit, Geld zu machen“, meint Scharnowski.
Weitere 800 Millionen Einheiten befinden sich noch im Besitz der Familie Trump und ihres Umfelds, sie sollen schrittweise herausgegeben werden. Und der nächste Streich folgte sogleich: Am Sonntagabend wurde „$MELANIA“ gestartet. Die Meme-Coin mit dem Bild der First Lady ließ den Kurs der Donald-Trump-Münze erst einmal abstürzen.