Sparen mit der Rheinpfalz RHEINPFALZ Plus Artikel Wie sich Telefonkosten senken lassen

Jetzt eine Kündigung des alten Telefonvertrages zu prüfen, ist in vielen Fällen ratsam.
Jetzt eine Kündigung des alten Telefonvertrages zu prüfen, ist in vielen Fällen ratsam.

Weil die Telekom die Grundpreise für ihre Festnetz-Sprachtarife gerade merklich angehoben hat, ist für viele Kunden eine Kündigung des Vertrages zu überlegen. Vor allem Rentner ohne Internet in der Wohnung haben die alten Tarife, die nun teurer geworden sind. Es gibt mehrere Möglichkeiten, günstiger zu telefonieren.

Nicht jeder braucht Internet, vor allem ältere Menschen verzichten darauf. Für sie hat die Telekom eine böse Überraschung: Reine Sprachtarife kosten jetzt mehr – in einer Zeit ohnehin hoher Inflation. Doch es gibt Sparoptionen, darunter einen Sozialtarif.

Die Preiserhöhung betrifft das Festnetz-Telefon. Der Grundpreis für Sprachtarife ohne Internet ist zum 1. Oktober um monatlich 2 Euro gestiegen, wie ein Telekom-Sprecher auf Anfrage bestätigte. Betroffen sind den Angaben zufolge Privat- und Geschäftskunden mit laufenden sowie neuen Verträgen. „Leider kommt es bei der Technik beziehungsweise der vorzuhaltenden aufwendigen Infrastruktur für reine Sprachtarife zu Kostensteigerungen“, begründete der Sprecher die neuen Preise.

Kündigen noch möglich

Der Tarif „Call Start“ verteuert sich damit von 21,95 auf 23,95 Euro im Monat. Etwas günstiger ist der ältere Tarif ,,Call Start (4)/Standard (m)“, der künftig 20,95 statt 18,95 Euro kosten wird. Nach Einschätzung des Verbraucherportals Teltarif.de trifft das vor allem Rentner-Haushalte, „die jetzt schon mit steigenden Energie- und Lebensmittelkosten zu kämpfen haben“. Jüngere verfügen meist über einen kombinierten Sprach- und Internettarif.

Eine Kündigung ist möglich: Die Telekom hat alle Betroffenen nach eigenen Angaben im August per Brief über die Preiserhöhung informiert. Es bestehe ein Sonderkündigungsrecht innerhalb von drei Monaten nach Erhalt des Schreibens. Das heißt, eine außerordentliche Kündigung samt Anbieter- oder Tarifwechsel ist noch bis mindestens Anfang November möglich. Darüber hinaus können die Kunden jederzeit ordentlich kündigen, sobald die vertragliche Erstlaufzeit von 24 Monaten vorbei ist. Diese Bedingung haben gerade ältere Menschen, die immer bei der Telekom waren, längst erfüllt.

Alternative 1: In Betracht gezogen werden kann der Wechsel zu einem anderen Tarif der Telekom. Der günstigste Sprach- und Internettarif „Magenta Zuhause Start“ kostet mit 24,95 Euro nur wenig mehr als die reinen Sprachtarife. Er beinhaltet 100 GB Datenvolumen bei einer Geschwindigkeit von bis zu 16 Mbit pro Sekunde.

Wer weiterhin kein Internet nutzen will, benötigt dieses Datenvolumen zwar nicht. Einen Vorteil aber hat der „Magenta“-Tarif: Er schließt eine Flatrate für Gespräche ins deutsche Festnetz ein. Das bedeutet, dass sämtliche Anrufe mit dem monatlichen Grundpreis bereits bezahlt sind. Für Haushalte, die derzeit mit einem „Start“-Tarif viel telefonieren und eine entsprechend hohe Anzahl an Gesprächsminuten haben, kann sich der Wechsel folglich lohnen. „Die geringen Mehrkosten amortisieren sich durch die enthaltene Flatrate für Gespräche ins Festnetz schnell wieder“, meint Thorsten Neuhetzki vom Fachportal „Inside Digital“.

Aber Achtung: Um mit dem Magenta-Tarif telefonieren zu können, benötigen die Kunden einen IP-fähigen Router, den sie entweder kaufen oder mieten müssen. Das hebt den Preisvorteil beim Telefonieren teils auf. Unsicher ist zudem, ob der im Haushalt vorhandene Telefonapparat an einen Router angeschlossen werden kann. Wer beispielsweise noch ein Uralt-Gerät mit Wählscheibe hat, wird um einen Neukauf kaum herumkommen.

Alternative 2: Überlegt werden kann auch, zu einem anderen Anbieter mit niedrigerem Grundpreis zu wechseln. Dabei gilt es aber zu bedenken, dass nur bei der Telekom Anrufe mit den sogenannten Billig-Vorwahlen möglich sind (Call-by-Call-System). Damit lassen sich die Kosten für Fern-, Mobilfunk- und Auslandsgespräche oft deutlich drücken.

So können Telekom-Kunden etwa mit der Billig-Vorwahlnummer 01052 für 1,75 Cent je Minute ins Mobilnetz telefonieren – statt für 19 Cent nach dem regulären Telekom-Tarif. Bei den Telekom-Konkurrenten gibt es diese Sparmöglichkeit nicht. Das Problem der Billig-Vorwahlen ist, dass sich deren Preis mitunter rasch ändert. Deshalb sollte unbedingt auf die Preisansage nach dem Anwählen geachtet werden.

Alternative 3: Wer in einem Mehrfamilienhaus mit anderen Personen – etwa Familienmitgliedern – unter einem Dach wohnt, kann überlegen, den eigenen Anschluss zu kündigen und sein Telefon an einen im Haus vorhandenen Router anzuhängen. Moderne Router lassen sich so einrichten, dass nur das jeweils angerufene Telefon klingelt und Anrufe unter der eigenen Nummer abgehen. Bei der Telekom muss dazu die Aufschaltung einer zusätzlichen Rufnummer für den Router beantragt werden.

„Das hilft unterm Strich deutlich zu sparen, erfordert aber technische Kenntnisse“, sagt Teltarif-Experte Henning Gajek. Benötigt werde entweder eine neue Telefonleitung im Haus zum Router, die nicht mit dem Telekom-Netz verbunden sein dürfe, oder ein neues DECT-fähiges Schnurlostelefon. Diese Geräte gebe es auch mit seniorengerecht großen Tasten. „Sollte die DECT-Signal-Reichweite zu gering sein, kann ein DECT-Repeater weiterhelfen. Auch hier ist fachkundiger Rat notwendig“, sagt Gajek.

Auch Sozialtarife im Angebot

Eine wenig bekannte Sparmöglichkeit ist der sogenannte Sozialtarif. In Anspruch nehmen können ihn Telekom-Kunden mit geringem Einkommen oder einer Behinderung. Der Tarif beinhaltet ein unentgeltliches Gesprächsguthaben, das für Anrufe ins Festnetz eingesetzt werden kann.

Es gibt dabei zwei Varianten. Der Sozialtarif 1 mit einem Guthaben von 6,94 Euro pro Monat ist für Kunden, die vom Rundfunkbeitrag befreit sind oder eine Ermäßigung erhalten, wie etwa Bezieher von Grundsicherung im Alter oder Hilfe zur Pflege. Der Sozialtarif 2 mit einem Guthaben von 8,92 Euro ist für blinde, gehörlose oder sprachbehinderte Menschen mit einem Grad der Behinderung von mindestens 90.

Der Sozialtarif ist laut Telekom eine „Zubuchoption“ für bestimmte Tarife wie den Sprachtarif Call Start oder den DSL-Tarif Magenta Zuhause XS. Ein nicht verbrauchtes Anruf-Guthaben kann nicht auf den nächsten Monat übertragen werden. Eine Verrechnung mit dem monatlichen Grundpreis erfolgt ebenfalls nicht.

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