Werkzeug und Gartengeräte Welches große Problem viele Baumärkte haben

Schleppende Entwicklung: Die Kaufzurückhaltung vieler Kunden in Deutschland trifft auch die Baumarktbranche.
Schleppende Entwicklung: Die Kaufzurückhaltung vieler Kunden in Deutschland trifft auch die Baumarktbranche.

Die Baumärkte haben ein Problem: Die Menschen in Deutschland kaufen zwar weiter Werkzeug, Gartengeräte und Haushaltswaren – nur seltener bei ihnen. Aber wo sonst?

In wichtigen Teilsortimenten gingen die Umsätze der Branche 2025 im Vergleich zum Vorjahr deutlich zurück. Das zeigt eine Auswertung des Handelsverbands Heimwerken, Bauen und Garten (BHB). In fast allen Warengruppen schrumpften die Erlöse der Baumarktbranche der Auswertung zufolge im vergangenen Jahr.

Viele Verbraucher weichen bei Produkten für Haus und Garten zunehmend auf preisgünstige Alternativen aus. Sie kaufen der Erhebung zufolge bei Ketten wie Action, Jysk, auf dem Online-Marktplatz Temu oder bei Aldi und Lidl. Bei den Lebensmitteldiscountern können Kunden beim Wocheneinkauf auch Werkzeug, Blumenkübel, Gartenstühle oder Solarleuchten mitnehmen und sich den Weg zum Baumarkt sparen.

„Die Kunden interessieren sich nach wie vor für die Sortimente, kaufen aber immer öfter woanders ein. Viele wollen im Baumarkt kein Geld ausgeben oder können es sich nicht leisten“, sagt Branchenexperte Klaus Peter Teipel. Die Discounter seien nicht nur oft günstiger, sondern häufig auch näher. Für Gelegenheitsnutzer reiche die Qualität meist aus.

Essen und Urlaub stehen ganz oben

Für die Baumarktbranche war 2025 kein einfaches Jahr. Der erhoffte Aufschwung blieb erneut aus. Die Baumärkte und Gartencenter mit mindestens 1000 Quadratmetern setzten 20,58 Milliarden Euro um und damit preisbereinigt 1,4 Prozent weniger als im Vorjahr. Es ist bereits das dritte Minus in Folge für die Branche.

Pfälzer Konzern Hornbach besser als der Schnitt

Besser als der Durchschnitt indes haben sich zuletzt die Geschäfte des Pfälzer Baumarktkonzerns Hornbach entwickelt, der seinen Sitz in Bornheim im Kreis Südliche Weinstraße hat. Von März bis November – in den ersten neun Monaten seines Geschäftsjahres – hat Hornbach, die deutsche Nummer drei hinter Bauhaus und Obi, seinen Umsatz leicht gesteigert; der Betriebsgewinn blieb mit minus 0,2 Prozent (bereinigtes Ebit) gegenüber dem Vorjahr nahezu konstant. „Die Budgets der Kundinnen und Kunden flossen verstärkt in Bereiche wie Urlaub, Freizeitaktivitäten und Gastronomie“, sagt BHB-Vorstandssprecher Peter Abraham. Anschaffungen fürs Eigenheim würden häufig verschoben. Laut Verband ging die Kundenfrequenz zuletzt zurück.

Die Baumärkte hatten während der Pandemie wie die Möbelbranche starke Zuwächse verzeichnet. „Während der Corona-Jahre investierten viele Haushalte in größere Projekte rund um Haus und Garten, da Reisen lange nicht möglich waren“, sagt YouGov-Marktforscher Christian Koch. Anschließend konnten viele Baumärkte nicht an die hohen Umsätze der Jahre 2020 bis 2022 anknüpfen.

Trendwende in Sicht?

Für das laufende Jahr ist der Branchenverband vorsichtig optimistisch. Aktuell helle sich die Stimmung überraschend deutlich auf, heißt es. Mut macht die Entwicklung in den vergangenen Monaten. Nach einem Sommer mit teils langen Regenphasen und schwachen Umsätzen im Herbst zog das Geschäft im Dezember spürbar an. Die Erlöse lagen den Angaben zufolge fast 5 Prozent über dem Vorjahresmonat. In vielen Baumärkten hat das Winterwetter zu hohen Umsätzen geführt. So seien, sagt eine Sprecherin der Baumarktkette Obi, die ersten Wochen des Jahres vielversprechend verlaufen. Vor allem Pellets, Streusalz und Frostschutzmittel hätten sich gut verkauft.

Der Frühling ist für Hornbach und Co. wichtig

Besonders wichtig für Baumärkte ist der Frühling, wenn viele Menschen ihre Gärten auf Vordermann bringen. Potenzial sieht der BHB besonders bei Kunden, die sich handwerkliche Arbeiten bislang nicht zutrauen. Hier könnten sich die Händler mit ihrer Beratung als verlässliche Partner positionieren.

Noch etwas stimmt die Baumarktbranche positiv: Die Anzahl der Baugenehmigungen ist zuletzt wieder gestiegen. Laut einer Prognose des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) dürfte das Bauvolumen in Deutschland 2026 nach fünf Jahren erstmals wieder preisbereinigt wachsen. Neue Wohneinheiten müssen eingerichtet werden – davon könnten die Baumärkte spürbar profitieren.

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