Winzer RHEINPFALZ Plus Artikel Weingut Peter Stolleis: Übers Holzfass zurück zu den Wurzeln

Nach über vier Jahrzehnten hat Peter Stolleis die Führung des Gutes in Gimmeldingen in die Hände seines Sohnes Hans-Christoph ge
Nach über vier Jahrzehnten hat Peter Stolleis die Führung des Gutes in Gimmeldingen in die Hände seines Sohnes Hans-Christoph gelegt.

Weine aus pfälzischen Spitzenlagen, mal filigran und geradlinig, mitunter auch komplex und voller Aromen: Sie sind das Markenzeichen des Weingutes Peter Stolleis, das Tradition und Moderne miteinander verbindet. Jetzt wurde der Generationswechsel vollzogen: Hans-Christoph Stolleis ist jüngst an die Spitze des Gimmeldinger Guts gerückt.

Weder grüne, noch marmeladige Weine passen in die Welt von Hans-Christoph Stolleis. Dicht, nicht allzu schwer sollen sie sein. Gerne darf bei den Weißen die Kräutrigkeit der Frucht Paroli bieten. Deshalb werden bestimmte Rebsorten auch zu einem möglichst frühen Zeitpunkt von Hand gelesen. Der 28-jährige Gutsbesitzer möchte Kontinuität wahren, dem, was die Eltern geschaffen haben, mit Respekt begegnen, gleichwohl behutsam die eigene Wein-Stilistik weiterentwickeln.

Er weiß, welche Bedeutung dabei den Böden zukommt. Begrünung der Rebzeilen, Aufbau von Humus, um die Qualität der Wasserspeicher zu erhöhen, all das hilft, die seit 2019 laufende Umstellung auf den biozertifizierten Anbau voranzubringen. 60 Prozent der gesamten Rebfläche von rund 20 Hektar ist mit Riesling bestockt, 20 Prozent mit Spätburgunder. Die Beeren gedeihen in Spitzenlagen wie Gimmeldinger Biengarten, Mandelgarten oder Meerspinne, reifen auf dem Königsbacher Ölberg ebenso wie in der Mussbacher Eselshaut. Vor allem der Gimmeldinger Buntsandstein bringt filigrane Rieslinge hervor.

Weinanbau seit 1668

In der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts hatte sich die Familie in der Kurpfalz niedergelassen. Verdienten sie sich anfangs noch als Steinbruchbesitzer ihr Brot, erwarben sie bereits 1668 ihre ersten Weinberge. Es wurde ein Gemischtbetrieb daraus, wie es viele zu dieser Zeit gab. Dabei blieb es der Familie Stolleis vorbehalten, die Zehntweine für den Mannheimer Kurfürsten zu liefern. 1863 wurde dann der Vollerwerbsbetrieb gegründet, den der Senior des Gutes, Peter Stolleis, 1979 von seinem Vater übernahm und gemeinsam mit seiner Frau Claudia bis vor Kurzem führte. Es waren die Jahre, in denen viel Land gekauft, auch der Sortenspiegel grundlegend verändert wurde. Jetzt stehen die beiden ihrem Sohn mit Rat und Tat zur Seite, sind zur Stelle, wann immer sie gebraucht werden. Oft für die Kundenbetreuung, meist auch für die Weinproben.

Erfolg mit „Unikaten“

Nach seinem Studium der Betriebswirtschaft in Göttingen und dem Besuch der Hochschule Geisenheim, Praktika in anderen Weingütern und in Neuseeland, kehrte Hans-Christoph im vergangenen Jahr zurück in den elterlichen Betrieb. Mit einer Auswahl seiner Kollektion 2020, die er gemeinsam mit seinem Kellermeister Florian Haas ausbaute, schaffte er es beim Wettbewerb „Junge Pfalz“ auf Anhieb in die Riege der besten 20 pfälzischen Jungwinzer. Und weil die beiden auch gerne neue Wege in der Traubenverarbeitung gehen, nennen sie jene Weine „Unikate“. Sie schaffen es meist nur für ein Jahr auf die Angebotsliste und stehen für eine besondere Stilistik.

Kompromisslos selektiert Hans-Christoph Stolleis die Trauben, die in der Regel in drei Durchgängen gelesen werden. Ein vielköpfiges Ernteteam, über Wochen im Einsatz, macht das möglich. Die großen Rieslinge, denen das Gut seinen guten Namen verdankt, werden immer öfter im traditionellen Holzfass ausgebaut. „Wir kehren gerne zu den Wurzeln zurück“, sagt der junge Gutsmanager. Mit seinem Vater eint ihn die Erkenntnis, dass die Qualität eines Weines draußen im Weinberg entsteht, die schlanken, klaren Weine deshalb nur noch einer behutsamen Begleitung im Keller bedürfen.

„Geben unseren Weinen Zeit“

Die Lagen-Rieslinge werden bei Stolleis in der Regel spontan vergoren. Und dann? „Wir geben unseren Weinen die Zeit, die sie für ihre Reife brauchen.“ Rieslinge und die „Unikate“ liegen besonderes lange auf der Hefe, das macht sie charakterstark. Noch mehr Zeit bekommen die Rotweine, die in der Regel in Barriquefässern zwischen zwölf und 36 Monaten reifen. Seinen Hektarertrag beziffert Stolleis mit rund 7000 Litern. 70 Prozent der Jahresproduktion geht an Privatkunden, etwa 20 Prozent in die Gastronomie in der gesamten Republik. Die verbleibenden 10 Prozent teilen sich Export und Fachhandel. Die Familie erwirtschaftet gemeinsam mit ihren sechs Mitarbeitern einen Jahresumsatz von rund 900.000 Euro.

Richtet Hans-Christoph Stolleis seinen Blick nach vorn, könnte er sich durchaus vorstellen, seine Betriebsfläche noch um einige Hektar wachsen zu lassen, gleichzeitig aber die Strukturen der Vermarktung zu verändern. „Wir müssen mehr auf Export und Fachhandel setzen“, hat sich der junge Wein-Unternehmer vorgenommen. Daneben will er alles daransetzen, seine Wein-Stilistik weiter zu verfeinern und sich dabei mehr und mehr auf Riesling und Spätburgunder zu konzentrieren. „Das ist nun mal unsere Visitenkarte.“

Preisbeispiel

2020 Gimmeldinger Riesling, Ortswein, 8,90 Euro.

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