Frankfurter Börsen-Info RHEINPFALZ Plus Artikel Warum die Märkte der Politik enteilen

Politischer Sprengstoff bleibt: Die Straße von Hormus ist längst noch nicht offen.
Politischer Sprengstoff bleibt: Die Straße von Hormus ist längst noch nicht offen.

Der Iran-Konflikt ist noch längst nicht beigelegt, doch an den Börsen dominiert der Blick in die Zukunft.

Dass politische Börsen kurze Beine haben, ist eigentlich eine Binse, die aber selbst von Börsenprofis immer wieder in den Mund genommen wird. Gemeint ist: Politische Krisen oder militärische Konflikte wirken sich selten dauerhaft auf die Aktienmärkte aus. Die Höchststände US-amerikanischer Indizes in der Vorwoche sprechen für die These.

Allerdings lassen sich Politik und Weltwirtschaft nicht voneinander trennen. Die ökonomischen Auswirkungen des Iran-Kriegs sind gravierend und nachhaltig. Bis am Persischen Golf die Energieinfrastruktur wieder hergestellt ist und die früheren Produktionsmengen erreicht sind, wird es noch längere Zeit dauern. Wie das also mit Börsenweisheiten so ist: Differenzierung ist elementar. Die großen Volkswirtschaften zeigen sich unterschiedlich resilient gegenüber den Kriegsfolgen. Auch bei den Aktienmärkten muss genau hingeschaut werden. Vor allem angetrieben von den großen Technologiewerten haben der Nasdaq und der S&P 500 neue Allzeitrekorde erzielt.

Breiter Kursanstieg möglich

Auch mit dem Dax geht es nach oben – drei Wochen hintereinander lag der Leitindex im Plus. Zumindest in den USA und Europa hat sich die Zuversicht der Anleger, dass die Krisenfolgen bewältigbar sind, gegen die Unsicherheit durchgesetzt. Jetzt wird die Situation auf der Grundlage von Fakten bewertet, der Spekulationsanteil ist raus. Zudem wird an der Börse nun mal die Zukunft gehandelt. Weil auch der Rohölpreis sinkt, steht einem breiten Kursanstieg offenbar wenig im Wege – wenn Donald Trump nicht wäre. Die Straße von Hormus ist noch längst nicht offen; der politische Sprengstoff bleibt also erhalten.

x