Anlage-Tipp RHEINPFALZ Plus Artikel Verzinst – aber nicht vermehrt: Wenn der Zinseszinseffekt ausbleibt

Ob sich Zinsen wirklich lohnen, hängt nicht nur vom Zinssatz ab, sondern auch davon, wann und wie die Bank die Gutschrift vornim
Ob sich Zinsen wirklich lohnen, hängt nicht nur vom Zinssatz ab, sondern auch davon, wann und wie die Bank die Gutschrift vornimmt.

Sparer hoffen beim Festgeld auf den Zinseszinseffekt. Doch der greift längst nicht überall. Eine Auswertung zeigt: Wer nicht aufpasst, verzichtet auf Tausende Euro.

Das Wort Zinseszinseffekt lässt Sparer-Augen leuchten: Zinsen bringen wieder Zinsen und vermehren das Geld. Ganz so einfach ist es aber häufig nicht. Denn die Banken zahlen die Zinsen bei mehrjährigen Sparanlagen auf ganz unterschiedliche Weise aus. Im schlimmsten Fall gibt es keine Zinseszinsen, wie eine aktuelle Auswertung des Biallo-Verbraucherportals zeigt.

Die Fachleute haben verschiedene Regelungen zur Zinsausschüttung für zehnjährige Festgelder und Sparbriefe untersucht. Bei einer so langen Laufzeit kann sich der Zinseszinseffekt besonders stark bemerkbar machen – jedenfalls im Prinzip. Außerdem gibt es für eine Anlagedauer von zehn Jahren derzeit noch recht passable Zinsen, während der Trend bei jederzeit verfügbarem Tagesgeld klar nach unten zeigt.

Das Ergebnis der Studie: Der Ertrag einer Anlage hängt nicht allein vom Zinssatz ab, sondern auch von der Art der Auszahlung. Bei mehreren Banken entfällt demnach der Zinseszinseffekt komplett. Wer kein Geld verlieren will, sollte auf die Vor- und mögliche Nachteile der folgenden Auszahlvarianten achten.

Zinsen ganz zum Schluss
Bei dieser Variante werden alle Zinsen zum Schluss der gesamten Laufzeit auf einen Schlag ausgezahlt. Zinseszinsen fallen dabei nur an, wenn die rechnerisch pro Jahr anfallenden Zinsen in der Folgezeit mitverzinst werden. Das machen nicht alle Banken so. Laut Biallo zahlen mehrere Institute die Zinsen ohne Zinseszins am Laufzeitende aus. Als Beispiele nennt das Portal zwei Festgeldangebote der Banca Sistema aus Italien und der BTG Pactual aus Luxemburg, die mit nominal hohen 3,4 beziehungsweise 2,87 Prozent Zinsen locken.

Zweiter Nachteil dieser Variante, der auch zu bedenken ist, wenn die Bank Zinseszinsen gewährt: Da die Sparer alle angesammelten Zinsen erst im letzten Anlagejahr ausgezahlt bekommen, können sie den Sparerfreibetrag nur ein einziges Mal steuerlich nutzen. Bei Verteilung der Zinszahlungen auf sämtliche Jahre steht der Freibetrag hingegen mehrfach zur Verfügung. Der Freibetrag beläuft sich auf jährlich 1000 Euro für Ledige. Je nach Auszahlung bleiben bei einer zehnjährigen Anlage also entweder 10.000 Euro Zinsen oder nur 1000 Euro Zinsen steuerfrei.

Jährliche Auszahlung
Die meisten Banken zahlen die Zinsen am Ende jedes Anlagejahres aus. Aber auch dabei gilt es zu unterscheiden. Je nach Vertrag fließen die Zinsen entweder aufs Referenzkonto des Kunden, zum Beispiel sein Girokonto, oder sie verbleiben auf dem Festgeldkonto und erhöhen das Anlagekapital (sogenannte Thesaurierung).

Im ersten Fall entfällt der Zinseszinseffekt beim Festgeld, im zweiten wirkt er sich aus, wenn die Zinsen in den restlichen Jahren bis zum Laufzeitende mitverzinst werden. Auch bei jährlicher Ausschüttung der Zinsen aufs Referenzkonto haben die Kunden zwar die Möglichkeit, dieses Geld neu anzulegen. Bei sinkenden Zinsen am Markt, schneiden sie dann jedoch schlechter ab als mit dem laufenden Festgeld. Vorteilhaft ist die jährliche Ausschüttung mithin vor allem für Sparer, die in ihren Anlageentscheidungen flexibel bleiben wollen oder die mit den Zinsen ihre regelmäßigen Einkünfte aufbessern, um sich das Leben zu verschönern.

Unterjährige Zinszahlung:
Am besten in Sachen Zinseszins sind Angebote, bei denen die Zinsen monatlich oder vierteljährlich gutgeschrieben und in der Folgezeit zum vereinbarten Zins mitverzinst werden. Hier tritt der positive Effekt noch früher als bei Zinsen im Jahresrhythmus auf. Als Beispiele nennt das Biallo-Portal Festgeldkonten der DKB (Zinsgutschrift in jedem Quartal) und der Credit-Europe-Bank (monatliche Zinsgutschrift).

Wie groß ist der Effekt?
Ein Zahlenbeispiel macht deutlich, auf wie viel Zinseszinsen Sparer bei ungünstiger Auszahlvariante verzichten. Legt jemand 50.000 Euro für 10 Jahre zu 3 Prozent an, gibt es 1500 Euro Zinsen pro Jahr oder insgesamt 15.000 Euro, wenn keine Mitverzinsung während der Laufzeit erfolgt. Werden die Zinsen hingegen zu 3 Prozent bis zum Ende mitverzinst, summieren sich die Zinszahlungen laut Biallo-Portal auf rund 16.960 Euro, fast 2000 Euro mehr.

Noch größer ist der Unterschied bei Berücksichtigung der Steuer. Wer die kompletten Zinsen zum Laufzeitende auf einen Schlag versteuern muss, hat von 15.000 Euro Zinsertrag dem Portal zufolge nur noch rund 11.050 Euro übrig. Bei jährlicher Gutschrift der Zinsen mit Zinseszinsen und mehrfacher Nutzung des Sparerfreibetrags blieben dem Anleger hingegen rund 15.120 Euro, das sind über 4000 Euro mehr.

Dabei nimmt das Portal an, dass der Sparerfreibetrag von 1000 Euro vollständig für die Festgeldanlage eingesetzt wird und die darüber liegenden Zinsen zum Abgeltungssteuersatz von 25 Prozent plus Soli zu versteuern sind.

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