Strafzölle gegen EU
Trumps neue Zölle auf Autos: So hart trifft das unsere Wirtschaft
Auf seiner Plattform Truth Social warf Trump Europa vor, sich nicht an das vereinbarte Handelsabkommen zu halten. Die EU-Kommission hatte gehofft, der Zollstreit mit den USA hätte sich erledigt. Zumindest vorerst hält man sich mit scharfen Reaktionen zurück. Zu häufig hat Trump zwar Drohungen jeglicher Art auch gegen enge Partner und Verbündete ausgestoßen, aber wieder einen Rückzieher gemacht.
Aus Brüssel heißt es, sollte der US-Präsident die angekündigten Maßnahmen ergreifen, die im Widerspruch zum gemeinsamen Handelsabkommen stünden, behalte man sich jedoch „alle Optionen vor, um die Interessen der EU zu schützen“.
Auf bis zu 15 Prozent geeinigt
Mitte August 2025 hatten sich Trump und EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen in einem Rahmenabkommen auf eine Zollobergrenze von 15 Prozent auf die meisten EU-Warenimporte in die USA geeinigt. Auch für europäische Autos und Autoteile sollte der Satz gelten. Im Gegenzug verpflichtete sich die EU, Zölle auf US-Industriegüter zu streichen und den Marktzugang für US-Agrarprodukte wie Schweinefleisch und Milchprodukte zu erleichtern.
Bernd Lange, Vorsitzender des Handelsausschusses im Europaparlament, wird wesentlich deutlicher als die Sprecherin der EU-Kommission. „Das Verhalten von Präsident Trump ist schlichtweg inakzeptabel. Um Druck auf uns auszuüben, holt er erneut den Zollhammer raus“, sagte er. Was den SPD-Politiker besonders ärgert, ist, dass Trump die demokratischen Prozesse nicht akzeptiere.
Trump verzögert Abkommen
So weist Lange den Vorwurf aus Washington weit von sich, dass die EU die bereits getroffenen Abmachungen nicht erfülle. Es sei die Schuld des US-Präsidenten, dass etwa das EU-Parlament das in Schottland ausgehandelte Abkommen noch nicht beschlossen habe. Trump habe mit seinen Drohungen gegenüber Grönland das Verfahren wesentlich verzögert.
Zudem erinnert Lange daran, dass „die illegalen rechtlichen Grundlagen für die Zölle vom obersten Gerichtshof in den USA aufgehoben worden sind“. Angesichts dieser Erfahrungen gab das Europäische Parlament im März bekannt, die weitere Umsetzung des Abkommens mit den USA an strenge Bedingungen zu knüpfen. Kritik an der EU kommt allerdings von Hildegard Müller, Präsidentin des Verbandes der Automobilindustrie.
Heftige wirtschaftliche Folgen
Sie fordert, dass das Handelsabkommen von beiden Seiten eingehalten werden müsse und dass „die EU ihren Teil der bereits im letzten Sommer getroffenen Abmachungen nun endlich umsetzen muss“. Müller betont, dass die zusätzlichen Zölle für „die deutsche sowie die europäische Wirtschaft in ohnehin sehr herausfordernden Zeiten enorm“ wären.
Müller erinnert auch daran, dass die Zölle „aber wahrscheinlich auch Auswirkungen auf die Verbraucherinnen und Verbraucher in den USA“ hätten. Mit dieser Bemerkung zielt sie auf ein Versprechen von Donald Trump, der immer wieder erklärt, durch die erhöhten Zölle würden die US-Bürger entlastet.
Das Kite-Institut in Kiel, das auf die Simulation von handelspolitischen Veränderungen spezialisiert ist, hat in ersten Berechnungen die Auswirkungen der erhöhten Zölle auf den Automobilsektor verdeutlicht.
Ein Milliardenschaden
„Kurzfristig werden Produktionsausfälle auf fast 15 Milliarden Euro geschätzt, die langfristig auf rund 30 Milliarden Euro ansteigen“, heißt es in einer Mitteilung. „Auch andere europäische Volkswirtschaften mit einem starken Automobilsektor – darunter Italien, die Slowakei und Schweden – würden deutliche Rückgänge verzeichnen.“ Die gesamtwirtschaftlichen Auswirkungen wären laut Kite zwar weniger ausgeprägt als die branchenspezifischen, aber dennoch wirtschaftlich bedeutend.
Europaparlamentarier Lange vermutet, dass es bei den neuerlichen Zoll-Androhungen um mehr als nur Wirtschaftspolitik geht. Die seien „sicherlich auch im Kontext der Beschimpfungen von Donald Trump gegenüber der EU und einzelnen Mitgliedstaaten zu sehen“. Das Verhältnis zwischen den USA und europäischen Ländern war zuletzt angespannt. In den vergangenen Tagen war Trump etwa Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) mehrfach verbal angegangen, weil dieser sich kritisch über die US-Offensive gegen den Iran geäußert hatte.
Die Verantwortlichen in Brüssel wollen sich durch eine Kurznachricht auf einem Social-Media-Kanal nicht einschüchtern lassen und zuerst aufklären, was die Drohungen am Ende tatsächlich bedeuten. „Wir stehen in engem Kontakt mit unseren Partnern, auch um Klarheit über die Verpflichtungen der USA zu erlangen“, betonte eine Sprecherin der EU-Kommission.