Wirtschaft
Trotz höherer Preise: Positive Stimmung in der Tourismusbranche
Zum Start der Tourismusmesse ITB Berlin vom 3. bis 5. März herrscht in der Reisebranche gute Stimmung. Trotz flauer Konjunktur, Jobängsten und höherer Preise lassen sich die meisten Bundesbürger ihre Urlaubslust nicht vermiesen. 76 Prozent und damit mehr als drei Viertel der Deutschen wollen auch dieses Jahr sicher verreisen. Bei 43 Prozent steht das Ziel bereits fest, bei weiteren 33 Prozent ist es noch offen. Das sind ähnlich positive Werte wie vor einem Jahr und mehr als vor der Corona-Pandemie.
Die Daten stammen aus der neuen repräsentativen Reiseanalyse der Forschungsgemeinschaft Urlaub und Reisen e. V. in Kiel, die seit über 50 Jahren das Reiseverhalten untersucht und dazu jährlich mehr als 12.000 Personen befragt. Bestätigt sich die Vorhersage, können die mehr als 2000 Veranstalter und rund 8000 Reisebüros in Deutschland mit einem weiteren Rekordjahr zumindest beim Umsatz rechnen.
Schleswig-Holstein beliebt
Der Deutsche Reiseverband erwartet, dass die Bundesbürger dieses Jahr rund 86 Milliarden Euro für Urlaubs- und Freizeitreisen mit mindestens einer Übernachtung ausgeben. Das wäre ein Umsatzplus von 3 Prozent. Diese Prognose legte die wichtigste Branchenvertretung bereits im Januar zur wichtigsten Publikumsmesse CMT in Stuttgart vor.
Die neue Reiseanalyse zeigt, dass viele Deutsche zwar skeptisch auf die gesamtwirtschaftliche Entwicklung blicken, die Erwartungen zur eigenen finanziellen Lage jedoch deutlich positiver sind. 58 Prozent rechnen für dieses Jahr mit einer unveränderten persönlichen Situation, 18 Prozent hoffen auf Verbesserungen. Das schafft nach Einschätzung der Forscher „gute Voraussetzungen für ein erfolgreiches Tourismusjahr“. Der Studie zählte 2025 mehr als 57 Millionen Urlaubsreisen mit mindestens fünf Tagen Dauer, so viele wie nie zuvor. Auch die Gesamtausgaben erreichten mit fast 92 Milliarden Euro einen neuen Rekordwert. Die Branchenanalysen nutzen unterschiedliche Basiswerte und Abgrenzungen. Daher unterscheiden sich teilweise die Ergebnisse im Detail, zeigen aber überwiegend eine wieder sehr positive Entwicklung des Urlaubsgeschäfts, das die tiefen Einbrüche in der Pandemie rasch überwunden hat.
Beim Blick auf die Urlaubsziele bestätigt die Reiseanalyse die starke Rolle des Auslands: 78 Prozent aller Urlaubsreisen 2025 führten über die Grenze, nur 22 Prozent blieben im Inland. Deutschland bleibt damit wichtigstes Einzelreiseziel. Beliebtestes Reiseland im Inland war Schleswig-Holstein vor Bayern und Mecklenburg-Vorpommern. Jenseits der Grenzen führt Spanien klar vor der Türkei, Italien, Griechenland und Österreich. Trotz der Nachhaltigkeitsdebatten gab es noch mehr Flugreisen. Autoreisen nahmen leicht ab, etwas mehr Urlauber nutzten die Bahn.
Klassische Sehnsüchte
Bei den Reisemotiven dominieren weiterhin klassische Sehnsüchte nach Sonne und Wärme, nach Abstand vom Alltag, nach Spaß und Freude. Man will frische Kraft tanken, unterwegs sein, etwas erleben, für sich selbst tun und sich verwöhnen lassen. Im Vergleich zur Zeit vor Corona seien die Motive mit Selbstbezug und Hedonismus stärker ausgeprägt, analysieren die Forscher. Häufiger als zuvor gehe es auch um das „Unterwegs sein an sich“.
Beim Buchen setzt sich der Trend hin zum Onlinegeschäft fort. 2025 wurden bei fast 58 Prozent aller Urlaubsreisen mit Vorabbuchung zumindest einige Leistungen über digitale Kanäle reserviert, während der persönliche Kontakt im Reisebüro oder per Telefon weiter an Bedeutung verliert. Auch Veranstalter und Portale berichten, dass viele Kunden ihre Wunschhotels deutlich früher und meist online sichern, konsequent Angebote vergleichen und verstärkt auf Kinderfestpreise oder Rabatte achten.
Die Reisepreise haben seit Corona teils stark angezogen. In diesem Jahr bleibe die Entwicklung „vergleichsweise moderat“, heißt es im neuen Reisereport 2026 von Holiday Check. Demnach bleiben die Zuschläge überwiegend im einstelligen Prozentbereich. So waren bis Anfang Januar gebuchte einwöchige Pauschalreisen nach Hurghada in Ägypten im Schnitt 9 Prozent teurer als zuvor, Mallorca kostete 8 Prozent mehr und Kreta 6 Prozent. Die türkische Riviera dagegen blieb preisstabil, hatte sich aber nach Corona stark verteuert um bis zu 27 Prozent pro Jahr. Im Schnitt kostet nach den Auswertungen von Holiday Check vom Januar der einwöchige Pauschalurlaub für eine vierköpfige Familie in diesem Sommer im Schnitt mindestens 3370 Euro bei der Wahl des günstigsten Ziels Hurghada. Bulgariens Norden (3410 Euro), Mallorca (3980 Euro), die türkische Riviera (4080 Euro) und die türkische Ägäis (4150 Euro) folgen in der Liste. Rhodos (4500 Euro) sowie Kreta (4860 Euro) sind kostspieliger.
Ausweichen auf Randsaison
Der starke Andrang in den Sommerferien vielerorts führt dazu, dass die Rand- und Nebensaison beliebter wird. Paare buchen verstärkt für Mai, Juni und September und meiden bewusst Juli und August, während Familien zunehmend den Oktober und die Herbstferien als Alternative zur klassischen Sommerreise entdecken.
Ein Schlüsselthema der ITB 2026 ist Künstliche Intelligenz, die auch im Reisegeschäft eine rasant wachsende Bedeutung hat. Laut der Reiseanalyse wurden 2025 schon bei 20 Prozent aller Urlaubsreisen KI-Anwendungen bei Information und Buchung genutzt. So kamen Chatbots, Sprachassistenten oder intelligente Empfehlungssysteme zum Einsatz. Für 2026 und die Folgejahre sei ein starkes Wachstum absehbar.
Die Reisemesse ITB feiert in diesem Jahr ihr 60-jähriges Bestehen und sieht sich als globale Leitplattform der Branche. 2025 präsentierten in Berlin rund 5800 Aussteller aus mehr als 170 Ländern und Regionen ihre Produkte und Dienstleistungen knapp 100.000 Fachbesuchern. Daran will die Messe Berlin anknüpfen. Während der Corona-Jahre fiel die Veranstaltung aus.
Die ITB ist inzwischen zur dreitägigen Fachmesse geschrumpft, zuvor gab es auch Publikumstage und zu Spitzenzeiten nahmen mehr als 11.000 Aussteller teil.