Erdgas-Abkommen RHEINPFALZ Plus Artikel Trotz Gaza-Krieg: Der Handel arabischer Staaten mit Israel floriert

Viele arabische Staaten beziehen Erdgas aus Israel.
Viele arabische Staaten beziehen Erdgas aus Israel.

Arabische und andere islamische Staaten verdammen Israel wegen des Gaza-Krieges, treiben aber weiter Handel mit dem „Terrorstaat“.

Zuletzt schloss Ägypten ein Erdgas-Abkommen mit Israel in Höhe von 30 Milliarden Euro ab.

Für ein Energie-Abkommen mit einem Nachbarstaat muss sich eine Regierung bei ihren Bürgern normalerweise nicht entschuldigen. Doch als die ägyptische Führung jetzt den Abschluss eines Vertrages über den Import von Erdgas aus Israel bekanntgab, klang das sehr defensiv: Die Vereinbarung mit einem Volumen von 30 Milliarden Euro sei rein privatwirtschaftlich und habe nichts mit Politik zu tun, erklärte das Informationsamt in Kairo. Präsident Abdel Fattah el-Sisi weiß, dass Milliardendeals mit Israel bei der ägyptischen Bevölkerung nicht gut ankommen, denn der jüdische Staat gilt wegen des Gaza-Krieges in der arabischen Welt als Aggressor.

Forderung nach einem Wirtschaftsboykott

Ägypten gehört wie Jordanien, die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE), Bahrain, Marokko und die Türkei zu den Ländern der Region, die Friedensverträge mit Israel haben und für die der Handel mit Israel vor Ausbruch des Gaza-Krieges vor zwei Jahren normal war. Doch wegen des Gaza-Krieges kam die Forderung nach einem Wirtschaftsboykott gegen Israel auf. Die Arabische Liga verlangte von ihren 22 Mitgliedsländern noch im März dieses Jahres, sie sollten ihre militärische und wirtschaftliche Zusammenarbeit mit Israel einstellen. Auch die Hamas forderte, arabische und andere islamische Staaten sollten keinen Handel mehr mit Israel treiben.

Vergebliche Appelle

Die Appelle werden ignoriert. Zum einen liegt das daran, dass arabische Staaten vermeiden wollen, mit einem Israel-Boykott die USA gegen sich aufzubringen. Amerika ist für Länder wie Ägypten und Jordanien als Geldgeber und Waffenlieferant unverzichtbar. Zum anderen entspricht der Israel-Handel den Prioritäten arabischer Herrscher: Wirtschaftliche Interessen und Realpolitik wiegen auch im Nahen Osten schwerer als die Solidarität mit den Palästinensern.

Ägypten bezieht israelisches Erdgas für die Energiegewinnung und zur Umwandlung in Flüssiggas für den Export nach Europa. Auch Jordanien erhält Gas aus Israel. Der Handelsaustausch zwischen Israel und Bahrain wuchs laut israelischen Angaben nach Ausbruch des Gaza-Krieges um 740 Prozent – Edelsteine, medizinische Geräte und Aluminium waren dabei wichtige Güter. Marokko steigerte seine Exporte nach Israel um mehr als 15 Prozent. Der Handel zwischen den VAE und Israel erreichte trotz des Gaza-Krieges im vergangenen Jahr ein neues Rekordvolumen von 2,8 Milliarden Euro.

Davor schreckt auch die Türkei zurück

Sogar die Türkei, die sich als besonders kompromisslose Gegnerin Israels versteht, schreckt vor einem kompletten Boykott zurück. Präsident Recep Tayyip Erdogan nennt Israel einen „Terrorstaat“ und stoppte nach Protesten seiner islamistischen Wählerbasis im Mai 2024 offiziell alle Handelsbeziehungen. Doch nach Angaben der türkischen Opposition toleriert Erdogan die Lieferung von Öl seines engen Partners Aserbaidschan über türkisches Gebiet an Israel und lässt auch andere Handelsbeziehungen zu.

„Verrat an Palästinensern“

In arabischen Ländern gibt es keine Opposition, die das Verhalten der Regierung anprangern könnte. Kritik am Handel mit Israel wird trotzdem lauter. Das islamistische Magazin „Crescent“ kommentierte, kein einziger arabischer oder islamischer Staat habe seine Beziehungen mit Israel wegen des Gaza-Krieges abgebrochen. Trotz des Konflikts mit Israel weiter Handel zu treiben, sei „schamlos“ und „Verrat an den Palästinensern“. Die UN-Berichterstatterin für Palästina, Francesca Albanese, warf Ägypten vor, mit dem neuen Vertrag für Gasimporte aus Israel das Völkerrecht zu brechen. „Länder müssen damit aufhören, den Profit über die Menschlichkeit zu stellen“, schrieb sie auf der Plattform X.

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