Wirtschaft Stürme verhageln Allianz die Bilanz

Der Versicherungsriese Allianz ist auf seinem Heimatmarkt Deutschland auch in der Sachversicherung zurück auf Wachstumskurs. Aber die von Unwettern und Stürmen angerichteten Schäden drücken den Gewinn.
Sommer-Unwetter und Stürme haben der Deutschland-Tochter der Allianz das Ergebnis verhagelt. Der operative Gewinn schrumpfte im vergangenen Jahr um 11 Prozent auf 2,33 Milliarden Euro, wie die Allianz Deutschland AG gestern in München mitteilte. Die Belastung durch Elementarschäden habe mit 541 (2016: 337) Millionen Euro über den Erwartungen gelegen. Und auch im neuen Jahr schlug das Sturmtief „Friederike“ ins Kontor: Die Allianz zahlte in Deutschland 182 Millionen Euro für 100.000 gemeldete Schäden aus. Bei der Sachversicherung wächst der Allianz-Konzern wieder. „Wir haben erstmals seit nahezu zwei Jahrzehnten wieder an Policen in der Sachversicherung zugelegt“, freut sich der neue Chef der Allianz Deutschland, Peter Röhler, der sein Amt Anfang des Jahres übernommen hat. Die Trendwende betrifft auch Kfz-Versicherungen, wo die Allianz binnen eines Jahres netto 150.000 Policen dazugewonnen hat und nun auf 8,5 Millionen Verträge kommt. Damit bleiben die Münchner zwar weiter hinter Marktführer Huk Coburg mit über elf Millionen Kfz-Policen, aber der Abstand dürfte voriges Jahr erstmals nicht mehr gewachsen sein. „Wir hatten die beste Abwerberunde seit mindestens 16 Jahren“, betont Röhler und meint damit das traditionelle Wechselgeschäft zum Ende eines jeden Jahres. Als Schlüssel sieht er kundenfreundliche Vereinfachung von Policen und digitale Ansprache in sozialen Medien oder per Online-Beratungsgespräch. So schnell wie bei der Allianz könnten Verbraucher aktuell nirgendwo Anträge für Kfz-Policen ausfüllen, sagen die Münchner. Nach elf Fragen und eineinhalb Minuten erhalte man ein Angebot. Dieses Prinzip will Röhler nun auch auf andere Sachversicherungen übertragen und damit für weitere Wachstumsschübe sorgen. Das dürfte Oliver Bäte freuen. Der Chef des Mutterkonzerns hatte vor wenigen Wochen „dramatisch produktivere Prozesse“ gefordert und damit vor allem die Sachversicherung in Deutschland gemeint. Über Online-Kanäle wurden voriges Jahr bei der Allianz Deutschland 354.000 Versicherungsanträge gestellt. Das sind 13 Prozent mehr als 2016. Stellen kostet die Digitalisierung bislang nur in überschaubarem Ausmaß. Ende 2017 hat die Allianz Deutschland knapp 29.100 Mitarbeiter beschäftigt und damit gut 200 Leute mehr als ein Jahr zuvor. Die Anzahl selbstständiger Vertreter ist bei gut 8300 Vertriebsexperten stabil geblieben. In den Geschäftsstellen wurden sogar gut 100 Kundenbetreuer neu eingestellt, ihre Anzahl stieg dadurch auf nun gut 3900. Bis Ende 2020 wird die Anzahl der Beschäftigten in Deutschland aber wegen einer schon vereinbarten Abbaurunde um 700 Stellen sinken. Darüber hinaus gebe es aktuell keine Abbaupläne, sagte ein Konzernsprecher. Eine Klasse für sich ist die Allianz hierzulande in der Lebensversicherung. Hier konnte die in Stuttgart angesiedelte Allianz-Sparte ihre Beitragseinnahmen in einem allgemein stagnierenden Markt um 12 Prozent auf über 21 Milliarden Euro steigern. Das geht vor allem auf eine neue Generation von Lebenspolicen zurück, deren Zinsgarantien gegenüber traditionellen Policen stark reduziert sind. Auf solche Verträge entfällt mittlerweile über 90 Prozent des Neugeschäfts. „Unsere neuen Vorsorgekonzepte haben die traditionelle Lebensversicherung endgültig abgelöst“, betont Röhler. An einen Verkauf von Altbeständen, die teils mit hohen Garantien versehen sind, denkt die Allianz aber im Gegensatz zu Konkurrenten nicht. Alles in allem sind die Umsätze der Allianz Deutschland 2017 um knapp 8 Prozent auf fast 35 Milliarden Euro gewachsen. Über 500 Millionen Euro Kosten in Folge von Stürmen und anderer Naturkatastrophen haben aber den Jahresüberschuss der wichtigsten Tochter des Gesamtkonzerns um ein Viertel auf 1,5 Milliarden Euro einbrechen lassen. Aktienchart