SPAREN MIT DER RHEINPFALZ RHEINPFALZ Plus Artikel Schnell weg vom teuren Dispokredit

Wenn ein Kredit aufgenommen werden soll, empfiehlt sich eine individuelle Beratung.
Wenn ein Kredit aufgenommen werden soll, empfiehlt sich eine individuelle Beratung.

Verbraucher-Tipp: Die Zinsen steigen – und mit ihnen die Dispozinsen. Das trifft besonders Leute, die angesichts der hohen Inflation ohnehin knapp bei Kasse sind. Doch auch bei Krediten lässt sich sparen – mit zwei günstigen Alternativen zum Dispokredit.

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat ihren Leitzins erneut kräftig angehoben – und wie immer werden die Banken folgen. Besonders schnell reagieren sie beim Dispozins. Manche Institute verlangen bereits jetzt mehr als 13 oder gar 14 Prozent für den Dispo, wie der Biallo-Finanzdienst in einem bundesweiten Vergleich ermittelte. Im Schnitt liegt der Dispozins demnach bei 10,07 Prozent. Wer den von der Bank eingeräumten Disporahmen sprengt, zahlt den Angaben zufolge den noch höheren Überziehungszins von 12,39 Prozent durchschnittlich.

Zum Vergleich: Bei den günstigsten überregionalen Anbietern kostet der Dispo laut Biallo zwischen rund 7 und 9,5 Prozent. Ob Kunden deswegen allerdings wechseln, ist ungewiss. Das wäre auch nur lohnend, wenn die neue Bank auch sonst gute Konditionen bietet, etwa in Sachen Kontoführungsgebühr und Geldautomatennetz.

Dispo darf nicht zur Dauerlösung werden

Wichtiger als ein Wechsel ist, den Dispo nicht als Dauerlösung zu betrachten. Wegen der hohen Sollzinsen sollte er immer nur zur Überwindung kurzfristiger Liquiditätsengpässe eingesetzt werden, raten die Verbraucherzentralen. Wer in der jetzigen Situation aber damit rechnet, längerfristig Geld aufnehmen zu müssen oder etwa eine größere Anschaffung finanzieren muss, kann Alternativen zum Dispo nutzen: einen günstigen Ratenkredit oder einen sogenannten Rahmenkredit.

Alternative Ratenkredit

Im Unterschied zum Dispokredit muss ein Ratenkredit in festen Raten abgestottert werden. Die Laufzeiten variieren zwischen etwa einem und zehn Jahren. Dabei gilt: Je kürzer die Laufzeit, desto günstiger ist der Kredit. Einen guten Überblick über die aktuellen Konditionen gibt die Stiftung Warentest. Das Sparpotenzial ist den Testern zufolge „riesig“.

Ein Beispiel: Bei einer Kreditsumme von 5000 Euro für 24 Monate belaufen sich die Zinsen auf 2,86 bis 6,45 Prozent für bonitätsunabhängige Darlehen – womit der Kunde deutlich weniger als beim Dispo zahlt. Auch für bonitätsabhängige Kredite liegt der sogenannte Zwei-Drittel-Zins mit rund 3 bis 9 Prozent unter dem durchschnittlichen Dispozins.

Zur Erläuterung: Bei den bonitätsabhängigen Angeboten legt die Bank den Zins individuell fest: Je besser die Bonität, desto günstiger der Zins. Der sogenannte Zwei-Drittel-Zins ist der Zins, den die Bank mindestens zwei Dritteln der Kunden einräumt. Die Institute sind gesetzlich verpflichtet, ihn in ihrer Werbung anzugeben.

Alternative Rahmenkredit

Diese Kreditvariante ist recht unbekannt. Ihr Vorteil liegt in der größeren Flexibilität verglichen mit Ratenkrediten. Der Kunde vereinbart mit der Bank, welche Kreditsumme er bei Bedarf aufnehmen darf, zum Beispiel zwischen 2500 und 25.000 Euro. Er muss diesen Rahmen aber weder gleich noch überhaupt einmal ausschöpfen. Der Kreditvertrag ist auch nicht unbedingt daran gebunden, dass der Kunde sein Girokonto bei derselben Bank hat.

Eine aktuelle Übersicht über die Konditionen ist bei der FMH-Finanzberatung in Frankfurt kostenlos abrufbar (www.fmh.de). Die günstigsten Rahmenkredite gibt es demnach zu Effektivzinsen ab rund 3 Prozent. Zu den überregionalen Anbietern gehören laut FMH etwa die Volkswagen Bank (2,99 Prozent), Oyak Anker Bank (3,33 Prozent), Ikano und SWK Bank (jeweils 4,99 Prozent) und ING (5,99 Prozent).

Rahmenkredit kann sich für Freiberufler eignen

Das aufgenommene Geld muss in festgelegten Raten zurückgezahlt werden. Die Zinsen fallen aber nur für den genutzten Teil des Kreditrahmens an. „Geht beispielsweise die Waschmaschine kaputt, kann man den Rahmenkredit anstelle des teuren Dispos in Anspruch nehmen“, erläutert FMH-Experte Max Herbst. Die Bonitätsprüfung ist nach seiner Einschätzung „nicht strenger als beim Ratenkredit“. Außerdem könne der Rahmen genutzt werden, „ohne jedes Mal die Bonitätsprüfung zu durchlaufen“.

Nach Einschätzung der Verbraucherzentralen können vor allem Bankkunden mit guter Bonität, aber unregelmäßigen Einkommen von der Vereinbarung eines Rahmenkredits profitieren. „Das könnte eine gute Lösung zum Beispiel für Freiberufler und andere Selbstständige sein“, sagen die Verbraucherschützer.

Nicht überschulden

Eine Gefahr geht von allen Krediten aus: Sie sind ein süßes Gift. Wer Geld aufnimmt, sollte sich daher der damit verbundenen Verpflichtungen bewusst sein. Können die monatlichen Raten aus den laufenden Einnahmen nicht aufgebracht werden, rutschen die betroffenen Personen doch wieder in den Dispo, warnen die Verbraucherzentralen. Natürlich prüfen auch die Banken, ob ein Kunde kreditwürdig ist. Werden Raten- oder Rahmenkredite abgelehnt, sollte das ein Warnzeichen sein. Der Rat der Verbraucherschützer: Statt den Dispo dann immer länger in Anspruch zu nehmen, sollte lieber schnell eine Schuldnerberatung aufgesucht werden.

Mehr zum Thema
x