Bahnverkehr
Rhein-Neckar-Region: Kunden bleiben dem Deutschlandticket treu
Laut aktuellen Daten des Branchenverbands VDV lag die Anzahl der Deutschlandticket-Nutzer Ende 2025 zwischen 14,4 und 14,5 Millionen. Der Zuwachs gegenüber der für das erste Halbjahr genannten Anzahl von rund 13,5 Millionen geht laut VDV etwa je zur Hälfte auf Job-Tickets und Semestertickets zurück. Es gebe nun etwa 2 Millionen Job-Tickets und 1,5 Millionen Semestertickets in der Deutschlandticket-Version.
Anfang 2025 stieg der monatliche Preis des Deutschlandtickets von 49 auf 58 Euro. Zum Jahreswechsel kündigten damals rund 8 Prozent der Kunden ihr Deutschlandticket. Das war laut VDV nicht auffallend mehr als von anderen Jahreswechseln ohne so starke Preiserhöhung gewohnt. Belastbare Daten über die Entwicklung beim jüngsten Jahreswechsel liegen dem VDV derzeit noch nicht vor.
Die Rhein-Neckar-Verkehr GmbH (RNV), die einen großen Teil der Deutschlandticket-Kunden im Bereich des Verkehrsverbunds Rhein-Neckar (VRN) betreut, sieht einen ähnlichen Trend wie im Vorjahr. „Auf den ersten Blick lässt sich bei uns kein signifikanter Rückgang der abgeschlossenen Deutschlandticket-Abos erkennen, die Quote hält sich tendenziell stabil“, teilte eine RNV-Sprecherin auf Anfrage mit.
Gordon Schnieder fordert Deutschlandticket für Schüler
In Rheinland-Pfalz gibt es aktuell einen landesspezifischen Sonderaspekt. CDU-Spitzenkandidat Gordon Schnieder, der laut den jüngsten Umfragen gute Chancen hat, nach der Landtagswahl Ministerpräsident zu werden, fordert ein vom Land finanziertes Deutschlandticket für alle Schüler. Gordon Schnieder hat das im Herbst bei einer CDU-Veranstaltung im südpfälzischen Rülzheim noch einmal ausdrücklich bekräftigt, als er von einer Oberstufenschülerin auf das Thema angesprochen wurde. Im Sommer hatte der CDU-Spitzenkandidat, der 2014 bis 2019 Ortsbürgermeister von Birresborn bei Gerolstein war, das folgendermaßen begründet: „Wenn ich gerade junge Menschen an die Nutzung des Nahverkehrs gewöhnen will, dann muss ich auch alle Kinder mitnehmen, auch die, die innerhalb des Vier-Kilometer-Radius zur Schule leben. Ich sehe das bei meinem Sohn: Wenn er Freunde in Gerolstein besuchen möchte, dann kann er mit seinem Ticket dort hinfahren – er könnte auch nach Trier, Koblenz oder Mainz reisen, denn er besitzt das Deutschlandticket als Schülerticket. Schülerinnen und Schüler, die nahe an der Schule wohnen, können das nicht, weil ihnen eben kein Deutschlandticket zusteht. Das ist sozial ungerecht – das will ich ändern. Alle Schulkinder sollten daher das Deutschlandticket bekommen. Wir sehen das Land in der Verantwortung, die Kosten für ein Deutschlandticket für alle Schüler zu übernehmen.“ Zur Finanzierung seines Vorstoßes äußerte er sich allerdings nicht. Gordon Schnieders Bruder, Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU), sagte auf die Frage, was er von der Forderung seines Bruders halte, die Ermäßigung oder auch die Ausweitung sei Sache der Länder und der Kommunen, aber nicht des Bundes.
Ähnliche Forderung von Grünen-Landtagsfraktion
Eine ähnliche Forderung wie Gordon Schnieder erhebt in Rheinland-Pfalz auch die Landtagsfraktion der Grünen: „Unser Ziel ist, dass alle Schülerinnen und Schüler unabhängig von der Entfernung zur Schule das Deutschlandticket erhalten.“ Gordon Schnieder hatte die rheinland-pfälzische Mobilitätsministerin Katrin Eder (Grüne) aufgefordert, sich für ein Deutschlandticket für alle rheinland-pfälzischen Schüler einzusetzen, um so neue Nutzerschichten für das Ticket und den Umstieg auf den öffentlichen Nahverkehr zu etablieren.
Auf die Frage nach den Kosten eines solchen Tickets antwortete das von Katrin Eder geleitete Ministerium: „Ein kostenfreies Schülerticket für alle Schüler in Rheinland-Pfalz würde zu Kosten von bis zu 189 Millionen Euro im Jahr führen, wobei die Kosten durch steigende Schülerzahlen und steigende Ticketpreise bis zum Jahr 2030 auf rund 200 Millionen Euro steigen würden.“
Wie diese Zahlen zustande kommen, erläuterte das Ministerium folgendermaßen: „Laut Angaben des Bildungsministeriums aus dem Jahr 2023 gab es seinerzeit gut 250.000 Schüler im Land, denen kein durch den Schulträger finanziertes Ticket zustand. Seither haben sich die Schülerzahlen nicht in einer Größenordnung verändert, die neue Rechnungen nötig machen würde. Ein Ticketpreis von monatlich 63 Euro (jährlich 756 Euro) mal 250.000 Schüler würde zu einer Gesamtsumme von jährlich 189 Millionen Euro allein für diesen Kostenblock führen.“
Lesen Sie auch: Deutschlandticket verlagert Verkehr auf die Bahn

