Stuttgart RHEINPFALZ Plus Artikel Retro-Classics mit dem Auto des Bergdoktors

Begehrt, weil nur 100.000 Exemplare gebaut wurden: das Coupé der W123-Baureihe.
Begehrt, weil nur 100.000 Exemplare gebaut wurden: das Coupé der W123-Baureihe.

Das meist gebaute Mercedes-Modell ist der W123. Als Oldtimer ist er einer von vier Ikonen, denen bei der Retro Classics-Messe in Stuttgart Sonderausstellungen gewidmet sind.

Kein anderes Mercedes-Modell prägte das Bild der gehobenen Mittelklasse so sehr wie der W123. Zwischen 1975 und 1985 liefen 2,7 Millionen Fahrzeuge vom Band – vom Vorläufer der heutigen E-Klasse. Bis heute fährt er im Fernsehen: Der „Bergdoktor“ steuert in der 19. ZDF-Staffel weiterhin seinen W123.

Als Taxi fuhr der W123 fast auf dem gesamten Erdball, in einigen Fällen sogar mit Laufleistungen von mehreren Millionen Kilometern. Ein Auto, das den Mythos „Made in Germany“ prägte, obwohl die Baureihe nicht nur in Sindelfingen und Bremen, sondern auch im indischen Pune produziert wurde.

An Preisnachlässe beim Händler war damals nicht zu denken. Die Nachfrage nach der Präsentation im südfranzösischen Bandol war anfangs so groß, dass wegen der langen Lieferfristen von teilweise bis zu 36 Monaten Jahreswagen über dem Neupreis verkauft werden konnten. Ein grandioses Geschäft für Mercedes-Mitarbeiter, die ihren „Stern“ mit 21,5 Prozent Nachlass kauften und nach einem Jahr sozusagen meistbietend „versteigerten“. Der Neupreis für einen 230er mit Grundausstattung lag bei rund 19.000 Mark. Dabei war die 123-Baureihe kein Technik-Revoluzzer oder Design-Meilenstein, sondern einfach grundsolide.

T wie Transporter

Für Feinkost stand schon eher die zweitürige Coupé-Version, die 1977 auf dem Genfer Autosalon präsentiert wurde – ohne B-Säule und mit voll versenkbaren Seitenscheiben sogar in Höhe der Rückbank. Und als Kombi, in der Mercedes-Sprache T-Modell genannt, wurde der W123 ab 1978 sogar zum Trendsetter. Davor hatten vor allem Premiumhersteller dieses Segment gemieden, aus der Furcht heraus, ein „Transporter“ schade dem Image.

Auch wenn die Karosserie der ersten Baujahre als rostanfällig galt, stand der W123 für den eigenen Werbeslogan „Qualität ist kein Zufall“. Ingenieure hatten damals noch mehr zu sagen als Controller.

Paul Bracqs Cockpit

Das galt auch für den E23 von BMW, den ersten Sechser aus München, dessen Haifisch-Nase zur Legende wurde. Auch er feiert 50. Geburtstag als Vorbote der späteren BMW-Formensprache und ist auf der Stuttgarter Messe mit zahlreichen restaurieren Exemplaren zu bewundern. Designer Paul Bracq hatte vor allem das fahrerbezogene Cockpit, für das damalige Jahrzehnt eine BMW-Besonderheit, perfektioniert.

Ein Omega im Tarnkleid

Dass Opel auch mal in der Oberklasse zu Hause war, zeigt die Sonderausstellung des Omega A, der 40. Geburtstag feiert und 840.000 Mal gebaut wurde. Als Lotus Omega war er für 125.000 Mark der teuerste Opel aller Zeiten. Der Turbo im Tarnkleid aus England kam auf 377 Pferdestärken.

Opels erster Millionär

Den 60. Geburtstag feiert in Stuttgart einer seiner Vorgänger bei Opel: der Rekord C. 1966 brachten die US-amerikanischen Inhaber von General Motors ein Auto auf den deutschen Markt, dessen Design von Konzern-Schwester Chevrolet inspiriert war. Er wurde der erste Opel, der mit 1,27 Millionen Einheiten die Millionengrenze durchbrach.

Die Retro Classics vom 19. bis 22. Februar ist mit 1600 Ausstellern auf 80.000 Quadratmetern eine der weltweit größten Messen für klassische Automobile. Bei der 25. Auflage wird wieder mit über 90.000 Besuchern an den vier Tagen gerechnet. Jahr für Jahr wächst auch das Angebot für den Einsteigermarkt mit Klassikern bis 10.000 Euro. Das Tagesticket kostet 25 Euro.

Ein Auto mit einer Front wie ein Haifisch: das Sechser BMW-Coupé von 1975.
Ein Auto mit einer Front wie ein Haifisch: das Sechser BMW-Coupé von 1975.
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