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Personalkarussell im BASF-Vorstand
Mit Ablauf der Hauptversammlung der BASF am 30. April wird es im Vorstand des Ludwigshafener Chemiekonzerns zu interessanten Veränderungen kommen. Ein Ausnahmevorstand wird das Spitzenmanagement verlassen und in den Ruhestand gehen. Der BASF-Vorstand wird wieder zwei Frauen in seinen Reihen zählen. Und das Führungsgremium wird vorübergehend auf sieben Mitglieder anwachsen, dem dann zwei gebürtige Inder angehören. An der Spitze des Aufsichtsrates bleibt erstmal alles beim Alten. Ein erwarteter Rückkehrer wird aller Voraussicht noch länger auf sich warten lassen.
BASF-Vorstandsmitglied Michael Heinz hat einmal gesagt, er sei „Aniliner durch und durch“. Für ihn gilt das in der Tat ganz besonders. Er ist gleich in doppelter Hinsicht ein Ausnahmevorstand des Ludwigshafener Chemiekonzerns: Kein aktuelles Vorstandsmitglied war auch nur annähernd so lange bei der BASF tätig. Und keines hat auch nur annähernd so viele Dienstjahre als Vorstand auf dem Buckel wie Heinz. Der gebürtige Mannheimer trat 1984 in die BASF ein und ist damit 42 Jahre im Unternehmen. Im Vorstand des Konzerns ist er seit 15 Jahren.
Auf seine lange Erfahrung setzte der Aufsichtsrat noch einmal, als er ab April 2024 seinen Vertrag um zwei Jahre verlängerte. Heinz diente damals als Anker in einem sechsköpfigen Vorstand, der neben dem erfahrenen neuen Vorstandschef Markus Kamieth nur noch aus Mitgliedern bestand, die lediglich wenige Monate bis knapp über ein Jahr Vorstandserfahrung vorweisen konnten.
Heinz, geboren 1964 in Mannheim, besuchte ab der fünften Klasse bis zum Abitur das Carl-Bosch-Gymnasium in Ludwigshafen. Eine Ausbildung zum Industriekaufmann und Wirtschaftsassistenten absolvierte er von 1984 bis 1987 an der Fachhochschule Ludwigshafen. Heinz ist ein BASF-Eigengewächs mit einer typischen Karriere, die auf vielen Funktions- und Ortswechseln im Konzern aufbaut. Er war schon früh als Produktmanager für die BASF in den USA tätig, in die er im Laufe seiner Karriere immer wieder zurückkehrte. Weitere Auslandstätigkeiten führten ihn nach Ecuador und Mexiko. Unter seiner Leitung wurden die 2008 und 2010 von der BASF übernommenen Spezialchemiefirmen Ciba und Cognis schnell und erfolgreich in den Ludwigshafener Chemiekonzern integriert. Daraufhin wurde Heinz 2011 in den Vorstand befördert. Dort war er unter anderem von 2017 bis 2021 Arbeitsdirektor für das Ludwigshafener Stammwerk. In den vergangenen Jahren war Heinz erneut in den USA und leitete von dort das Nord- und Südamerikageschäft der BASF und mehrere Unternehmensbereiche.
„Die Komfortzone verlassen“
Von Anfang seines Berufslebens an habe er ins Ausland gehen wollen, die Welt sehen wollen, erzählte Heinz vor wenigen Jahren. „Ich bin immer bereit, die Komfortzone zu verlassen. Dadurch öffnen sich viele Türen überhaupt erst.“ Das sagte der begeisterte Wasserballer und konsequente Frühaufsteher, der Vater dreier erwachsener Töchter ist. Wasserball gilt als eine der härtesten Mannschaftssportarten. Und Heinz ist der Meinung, dass er beim Wasserball viele Dinge gelernt hat, die nützlich sind für das Arbeitsleben und die Tätigkeit als BASF-Vorstand: Disziplin etwa, der Wille zum Erfolg oder die Einsicht, „dass man weitergehen kann, auch wenn man glaubt, es geht nicht mehr weiter“. Heinz hat sich einmal als ein eher rastloser Mensch beschrieben, der aber durch seine Rastlosigkeit zur Ruhe komme. Er ist aktuell auch Erster Vorsitzender des Schwimmclubs und Wasserball-Zweitligisten SC Neustadt. Seine Identifikation als Aniliner ist ausgeprägt. So hat er alle seine Betriebsausweise bei der BASF seit 1984 in einer Mappe gesammelt und auch alle unterschiedlichen Visitenkarten seiner Laufbahn.
Als Heinz 2021 noch einmal beruflich in die USA wechselte, fiel ihm die Rückkehr in die Staaten zwar nicht schwer, der Abschied auf Zeit von seiner pfälzischen Heimat aber auch nicht leicht. Verzichten musste der BASF-Vorstand auf etwas, was als die hohe Dosis Anilin umschrieben werden kann, die ihm das Stammwerk geboten hat. Er drückte es damals anders aus: „So viel BASF wie in Ludwigshafen gibt es nirgendwo sonst“, an keinem anderen Standort des Konzerns in der Welt. Er werde den „Anilin-Spirit“ in Ludwigshafen vermissen. Mit der Hauptversammlung der BASF-Aktionäre am 30. April wird Heinz planmäßig die BASF verlassen.
Vorerst sieben Mitglieder
Ab 1. Mai kommen dann gleich zwei neue Mitglieder in den BASF-Vorstand, der damit von bislang üblichen sechs auf – allerdings zeitlich begrenzt – sieben anwächst. Neu in das Führungsgremium berufen wird zum einen die gebürtige Inderin Mary Kurian, die die Verantwortung für die Segmente Chemicals und Nutrition & Care übernimmt. Ebenfalls neu in den Vorstand rückt der gebürtige Italiener Livio Tedeschi, der das neue Vorstandsressort für das Segment Agricultural Solutions übernimmt. Tedeschis Eintritt in das Vorstandsgremium ist Teil der Vorbereitung auf den geplanten Teilbörsengang von Agricultural Solutions.
Mary Kurian wird damit das zweite Vorstandsmitglied indischer Herkunft neben Anup Kothari, der 1968 in Indien geboren wurde und 2024 in den BASF-Vorstand rückte. Kurian hatte nach der Promotion 2004 in Materialwissenschaften an der University of Delaware verschiedene Führungspositionen bei dem US-Industriegasehersteller Air Products & Chemicals in den USA inne und wechselte 2020 zur BASF in den USA. Seit 2023 leitet sie den BASF-Unternehmensbereich Care Chemicals mit Sitz in Ludwigshafen.
Mit Kurian zählt das BASF-Führungsgremium seit mehr als drei Jahren wieder zwei Frauen. Das war bis Februar 2023 schon einmal der Fall, als Saori Dubourg überraschend und sehr kurzfristig den Vorstand verließ. Auf Dubourg folgte Stephan Kothrade. Als nun einzige Frau blieb weiterhin Melanie Maas-Brunner in dem Führungsgremium. Sie verließ die BASF aber kaum ein Jahr später Ende Januar 2024 nach gerade einmal drei Jahren im Vorstand des Konzerns. Für Maas-Brunner rückte Katja Scharpwinkel nach. Nun also kommt ab 1. Mai mit Kurian wieder eine zweite Frau in den Vorstand.
Börsengang ab 2027
Tedeschi leitet bereits seit 2022 den Unternehmensbereich Agricultural Solutions mit Sitz in Limburgerhof. Er trat nach der Promotion in Organischer Chemie 2003 in die BASF ein und hatte verschiedene Führungsfunktionen besonders im Bereich Pflanzenschutz inne. Agricultural Solutions (Agrarchemie) erreichte zuletzt einen Jahresumsatz von 9,8 Milliarden Euro und verfügt über einen großen Standort in Limburgerhof mit 1500 Beschäftigten. Derzeit schafft die BASF bis 2027 die Voraussetzungen, um das Segment mit einem Minderheitsanteil an die Börse bringen zu können. Tedeschi wird Agricultural Solutions durch ein eigenes Vorstandsressort vertreten und das Geschäft weiterhin leiten.
Auch an der Spitze des Aufsichtsrates hätte es mit der Hauptversammlung Ende April einen Wechsel geben können. Martin Brudermüller, der von 2018 bis 2024 Vorstandsvorsitzender der BASF war, könnte nach der gesetzlich vorgeschriebenen „Abkühlungsphase“ von mindestens zwei Jahren in den Aufsichtsrat rücken und dort Vorsitzender werden. Der Wechsel vom Posten den Konzernchefs auf den Sessel des obersten Aufsehers hat eine lange Tradition bei der BASF. Doch Brudermüller wird diesen Schritt aller Voraussicht nach erst 2028 gehen.
Bis dahin wird Kurt Bock dem Aufsichtsrat weiterhin vorstehen. Bock rückte 2020 in diese Position, zwei Jahre nachdem er seine Arbeit als BASF-Vorstandsvorsitzender beendet hatte. Bock war 2024 von der Hauptversammlung wiedergewählt worden und ist bis Ende der Hauptversammlung 2028 bestellt. Das müsste ihn allerdings nicht daran hindern, den Posten früher an Brudermüller abzugeben. Aber dazu passt, dass Brudermüller seit 2024 einen Posten als Aufsichtsratsvorsitzer bekleidet – und zwar bei der Stuttgarter Mercedes-Benz Group AG. Gewählt ist Brudermüller bis 2028.