Wirtschaft Millionen für Marikana-Opfer
Pretoria. Die südafrikanische Regierung bietet den Hinterbliebenen und Opfern des Marikana-Massakers 1,171 Milliarden Rand (84 Mio Euro) Entschädigung an. Am 12. August 2012 hatte die Polizei in Südafrika 34 streikende Minenarbeiter des Lonmin-Konzerns erschossen, der ein bedeutender Lieferant von Platin für die BASF-Katalysatorenproduktion ist. Auch von der BASF war eine Entschädigung gefordert worden.
Der südafrikanische Polizei-Minister Nkosinathi Nhleko hat in dieser Woche den Polizei-Ausschuss des südafrikanischen Parlaments über das Angebot informiert. Das haben Medien des Landes berichtet. Wegen des folgenschwersten Polizeieinsatzes in Südafrika seit Ende der Apartheid 1994 sind 652 Klagen gegen die Regierung anhängig. Den Medienangaben zufolge fordern 325 Familienangehörige der getöteten Minenarbeiter 179 Millionen Rand Entschädigung. 36 Arbeiter, die bei dem Polizeieinsatz verletzt wurden, verlangen 101 Millionen Rand. 291 Personen, die dabei angegriffen, verhaftet oder mutwillig bestraft wurden, fordern 891 Millionen Rand. Nach Angaben eines hochrangigen Beamten des Polizeiministeriums sollen die Opfer und Hinterbliebenen die Angebote zur Beilegung der Fälle grundsätzlich angenommen haben. Polizeiminister Nhleko sagte, die rund 1,2 Milliarden Rand basierten auf den Forderungen der Hinterbliebenen und Opfer. Die BASF begrüße die Ankündigung der südafrikanischen Regierung, die Opfer zu entschädigen, sagte gestern eine Konzernsprecherin auf Anfrage. Das Unternehmen habe die Ereignisse weder verursacht, noch habe es dazu beigetragen. Der anglikanische Bischof Johannes Seoka aus der südafrikanischen Hauptstadt Pretoria und zwei Witwen von Opfern des Massakers waren zur BASF-Hauptversammlung Ende April 2016 gekommen. Dort hatten sie die BASF aufgefordert, ihre Verantwortung in der Lieferkette zu übernehmen und 8 Millionen Euro in einen Entschädigungsfonds für Opfer und Hinterbliebene einzuzahlen. BASF-Chef Kurt Bock bekannte sich daraufhin zur Verantwortung der BASF für die Lieferkette, lehnte aber eine Zahlung ab. Er verstehe den Wunsch nach finanzieller Unterstützung, hatte Bock gesagt: Aber die BASF könne „nicht alle Probleme, die Sie in Südafrika haben, lösen“. Das Thema wird die BASF wohl weiter beschäftigen. Er werde das Massaker von Marikana auf der kommenden Hauptversammlung der BASF am 12. Mai erneut zum Thema machen, sagte gestern der Geschäftsführer des Dachverbands der kritischen Aktionäre, Markus Dufner. Er unterstützt seit mehreren Jahren die Forderungen von Bischof Seoka. Auch der britische Lonmin-Konzern, der die Platinmine in Marikana in der Nähe von Pretoria betreibt, habe bisher keine Entschädigung gezahlt, sagte Dufner.