Konjunktur
Miese Stimmung in der pfälzischen Wirtschaft
Der von der Industrie- und Handelskammer für die Pfalz (IHK) ermittelte Konjunkturklimaindex ist entsprechend drastisch gesunken – von 89 Punkten zu Jahresbeginn auf jetzt 79 Zähler. So niedrig war der Index zuletzt vor 15 Monaten. Die leichte Stimmungsaufhellung im Laufe des vorigen Jahres hat sich der IHK-Auswertung zufolge damit wieder verflüchtigt. Ein gewichtiger Grund sind die Auswirkungen des Ende Februar ausgebrochenen Iran-Krieges.
„Die Pfälzer Unternehmen rechnen aktuell nicht damit, dass sich ihre Geschäfte bald besser entwickeln“, schreibt die IHK in ihrem Konjunkturbericht für Frühsommer 2026. „Fast 40 Prozent der Betriebe gehen von einem Rückgang aus.“ Der Krieg im Nahen Osten wirke sich unter anderem auf die Preise und die Lieferketten aus. „Damit sich die Stimmung in der Wirtschaft dreht, sind die versprochenen Reformen der Bundesregierung dringend notwendig“, sagt Albrecht Hornbach, Präsident der IHK Pfalz. Er fordert nach ersten Reformschritten „dringend“ eine Steuersenkung für Unternehmen, beschleunigte Verfahren und weniger Bürokratie.
Eine Pfälzer Stadt leidet sehr
Beim von der IHK Pfalz erhobenen Konjunkturklimaindex für Industrie, Handel, Dienstleistungssektor und Gastronomie sei der Rückgang in der Industrie mit 12 Punkten von 93 auf 81 Zähler am deutlichsten, sagt IHK-Konjunkturexpertin Ruth Scherer.
Hiobsbotschaften für die Pfalz gab es jüngst gerade in Speyer mit der Ankündigung der Werksschließung des Filterproduzenten Mann + Hummel und mit den drohenden drastischen Kürzungen beim Elektronikhersteller TE Connectivity – zusammen sind dort rund 1200 Jobs akut gefährdet.
Der Index für den Handel ist seit eineinhalb Jahren vergleichsweise weit von der 100-Punkte-„Befriedigend-Grenze“ entfernt. Aktuell liegt dieser Wert für Pfälzer Händler nur noch bei 65 Punkten.
Mehr als 80 Prozent der pfälzischen Unternehmen insgesamt sagen, die Entwicklung der Energie- und Rohstoffpreise stelle für sie das größte Geschäftsrisiko dar. Mit weitem Abstand, aber noch bei 60 Prozent der Antworten genannt, folgen die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen sowie die Arbeitskosten. „Handelskonflikte, gestiegene Kosten, die strukturellen Nachteile am Standort Deutschland“, sagt IHK-Konjunkturexpertin Scherer, „das alles summiert sich und führt zur aktuellen Einschätzung der Unternehmen.“
Zukunftsängste der Betriebe besorgen die IHK
Was ihr vor allem Sorge bereite, sagt Scherer im RHEINPFALZ-Gespräch, sind „die Zukunftsängste, die Zukunftssorgen“ der Unternehmen. So erwarten 40 Prozent der befragten Industriebetriebe in näherer Zukunft weniger Exporte als bisher. Von mehr Exporten für ihr Unternehmen gehen nur noch 7 Prozent der befragten Entscheider aus. Besonders schwerwiegend dabei: Deutschland und speziell die Pfalz mit einer Exportquote von 65,2 Prozent im Jahr 2025 leben zu einem guten Stück von Ausfuhren.
Der IHK-Konjunkturbericht beruht auf der regelmäßigen Befragung von rund 1200 Unternehmen, überwiegend Handelsregister-Firmen aus den genannten Sektoren. Sie repräsentieren laut IHK rund 65 Prozent der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in der Pfalz. Für den Frühsommer-Bericht wurden von 10. April bis 30. April Entscheider befragt.
„Noch immer im Tal“ – aber zarter Hoffnungsschimmer
„Wir sind immer noch im Tal und haben noch nicht richtig angefangen, den Berg hochzuklettern“, sagt Jürgen Vogel, Hauptgeschäftsführer der IHK Pfalz, im Gespräch mit der RHEINPFALZ. „Wir haben nun seit vier Jahren stagnative bis rezessive Tendenzen in der Wirtschaft. Und das hat Gründe.“ Vogel sieht zum einen Einflüsse von außen wie seit 24. Februar 2022 den Ukraine-Krieg, der vor allem in seinem ersten Jahr für einen Energiepreisschock gesorgt hat, die verunsichernde Zollpolitik von US-Präsident Donald Trump und jetzt den Iran-Krieg, der mit der Blockade der Straße von Hormus hohe Treibstoffkosten mit sich bringt. „Und das hat natürlich Auswirkungen, weil die Pfalz viel Industrie hat, die auf hohe Energiepreise empfindlich reagiert, und zudem exportorientiert ist“, sagt Vogel.
Zum anderen verweist der IHK-Hauptgeschäftsführer auf den sich hierzulande nur langsam auflösenden Reformstau. Hohe Lohnnebenkosten und zu viel Bürokratie – das sind aus Vogels Perspektive wie für die meisten Experten weiter die Hauptprobleme. Und doch „liegen wir nicht regungslos am Boden“, sagt der IHK-Hauptgeschäftsführer. Vogel sieht Hoffnungsschimmer wie zuletzt mehr Auftragseingänge und Anzeichen für eine Exportbelebung.
Beim aktuellen Konjunkturindex der IHK Pfalz am besten, wenn auch beileibe nicht spitze, schneiden der Dienstleistungssektor (87 Punkte) und die Gastronomie ab (82 Zähler).