Leitartikel RHEINPFALZ Plus Artikel Logischer Schritt: BASF eröffnet 8,7 Milliarden Euro teures Werk in China

Der neue Verbundstandort der BASF in Zhanjiang.
Der neue Verbundstandort der BASF in Zhanjiang.

Der Chemieriese BASF schafft sich mit der immensen Investition in China einen besseren Marktzugang dort.

Die Wirtschaft in Deutschland kommt nicht wirklich in die Gänge. In vielen Bereichen herrscht weiter Stagnation. Der Irankrieg und mit ihm teurere Energie und Lieferengpässe – das alles kommt erschwerend hinzu. Um Arbeitsplätze in Deutschland zu sichern, müssen viele Hebel in Bewegung gesetzt werden. Gerade international aufgestellte Unternehmen wie die BASF, als Konzerne aus der Pfalz außerdem etwa in größerem Stil der Frankenthaler Maschinenbauer KSB oder die Hornbach-Baumarktgruppe, erzielen einen erheblichen Teil ihrer Umsätze und Gewinne durch ihr Engagement im Ausland. Die breite Ausrichtung sichert sie gegen die maue Nachfrage in oft gesättigten Märkten in Deutschland ab.

Chancen und Risiken in erheblichem Umfang

Die BASF hat ihr 8,7 Milliarden Euro teures Werk in Zhanjiang im Süden Chinas nun offiziell eröffnet – eine Feier in den (Sub-)Tropen bei 27 Grad mit ein paar Hundert geladenen Gästen aus aller Welt. Die größte Einzelinvestition in der Geschichte des Ludwigshafener Chemiekonzerns birgt wie alles Chancen und Risiken, beides in diesem Fall aber in erheblichem Umfang.

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Was der BASF das Milliarden-Werk in China bringt

Für BASF-Chef Markus Kamieth überwiegen die Chancen deutlich. In der Tat: China mit seinen 1,4 Milliarden Einwohnern links liegen zu lassen, ist für Weltkonzerne keine Option. 50 Prozent des globalen Umsatzes der Chemieindustrie, als Zulieferer nahezu aller Branchen die „Industrie der Industrien“ genannt, entfallen aktuell auf China. Für die BASF waren es 2025 nur rund 14 Prozent ihres Weltumsatzes, weniger als in den USA und in Europa sowieso. China zu ignorieren bedeute, 50 Prozent des Weltchemiemarktes zu ignorieren, sagt Kamieth. Daher verteidigt er die Milliardeninvestition in Chinas Wachstumsregion Guangdong vehement.

Einen so großen Markt zu vernachlässigen, das würde auch dem Heimatstandort Ludwigshafen mehr schaden als nutzen.

Im Osten Chinas hat die BASF in Nanjing bereits einen der für sie so wichtigen, weil effizienten Verbundstandorte. Nun kommt der zweite in China hinzu, der drittgrößte weltweit nach Ludwigshafen und Antwerpen. Politische Risiken und ethische Einwände bestehen bei Investitionen in China. Die BASF nimmt sie in Kauf, investiert trotz des aktuell schwächeren Marktes mit niedrigeren Gewinnmargen als erwartet. Und doch wächst Chinas Wirtschaft im Gegensatz zur deutschen weiter deutlich, 2025 um rund 5 Prozent. Die BASF beliefert von Zhanjiang aus den asiatischen, vor allem den chinesischen Markt, der vom Stammwerk Ludwigshafen allein wegen der ob der Krisen in der Welt gestiegenen Transportkosten nicht rentabel zu versorgen ist. So gut wie alle anderen Weltkonzerne sind in China präsent und im Alltag in der Millionenstadt Zhanjiang sichtbar: Auf den Straßen sind neben chinesischen und japanischen Autos viele Mercedes, Volkswagen und Audi unterwegs. Auffällig viele Chinesen tragen Adidas. Es wird Pfälzer Wein verkauft, etwa aus Großkarlbach.

Die Kriege rund um den Iran, Gaza und Ukraine mit all ihren Auswirkungen haben die Welt radikal verändert. Da ist es klug – bei aller erlaubten moralischen Kritik – für einen Konzern, dem es schon besserging, der aber gut funktioniert, sich mit einem gestärkten Standbein in China global breiter aufzustellen. Einen so großen Markt zu vernachlässigen, das würde auch dem Heimatstandort Ludwigshafen mehr schaden als nutzen. Eine stärkere BASF hilft am Ende auch der Basisstation.

An dieser Stelle finden Sie Statistiken von 23degrees.

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