Industriedienstleister
Krisenregion Nahost: Bilfinger beruhigt Familien und wächst weiter
Bilfinger musste schnell reagieren am Samstag. Als die ersten Meldungen über die Attacken der USA und Israels auf den Iran und dessen Gegenangriffe in der Region aufblinkten, griff das Sicherheitskonzept des Industriedienstleisters. Man habe schnell dafür gesorgt, dass die 3000 bis 4000 Mitarbeiter, die der Mannheimer Konzern in sieben Ländern des Nahen Ostens beschäftigt, samt ihrer Familien in Sicherheit sind. Im Iran, auch das betonte Bilfinger-Boss Thomas Schulz am Mittwoch, habe Bilfinger keine Mitarbeiter.
Das international breit aufgestellte Unternehmen sieht im Nahen Osten trotz des momentan herrschenden Iran-Krieges eine wichtige Wachstumsregion für sich, gerade mit Blick auf Firmenzukäufe.
Deutlich höhere Dividende
Bilfinger ist auch weltweit ungebrochen auf Wachstumskurs. Der Umsatz stieg den Angaben bei der Bilanzvorlage am Mittwoch zufolge ohne drei Zukäufe aus 2025 um 4 Prozent, mit den Firmenkäufen um 8 Prozent auf 5,4 Milliarden Euro. Der Betriebsgewinn (EBITDA) legte gegenüber dem Vorjahr um 10 Prozent auf 422 Millionen Euro zu. Seinen Aktionären hat Bilfinger eine deutlich höhere Dividende avisiert – 2,80 Euro je Aktie statt zuvor 2,40 Euro.
Positiv fällt auch die Zwischenbilanz aus, die der Instandhalter, Reparateur und Modernisierer technischer Anlagen für seine vor zweieinhalb Jahren gegründete Bilfinger Education GmbH mit Sitz Heinsberg in Nordrhein-Westfalen zieht. Als eigene Gesellschaft verantwortet sie die Aus- und Weiterbildung bei Bilfinger in Deutschland.
Dezentrale Ausbildung neu organisiert
Ziel ist es, sagt Alexander Quis, Geschäftsführer bei der Education GmbH, „klare Qualitätsstandards zu schaffen, die Ausbildungsqualität zu erhöhen und Bilfinger als Top-Ausbildungsbetrieb zu positionieren“. Die Education GmbH habe das Ausbildungsmanagement professionalisiert. Aus einer im Konzern zuvor dezentral organisierten Ausbildung sei ein einheitliches und qualitätsgesichertes System entstanden.
„Wir stellen sicher, dass Auszubildende eine einheitliche Grundausstattung bekommen“, sagt Quis, „von Arbeitskleidung über Lernmaterialien bis hin zu digitalen Endgeräten.“
Programme für externe Partner
Man organisiere Aus- und Weiterbildung „effizient, modern und nachhaltig“. Zudem biete Bilfinger Education seine Programme für externe Partner an. Der Konzern ist vorwiegend dezentral organisiert, weil Bilfinger-Beschäftigte viel direkt beim Kunden vor Ort arbeiten – und dort auch die innerbetriebliche Ausbildung absolvieren. Das ist etwa bei Ömer Baysak (18) aus Ludwigshafen und Endi Huruglica (19) aus Lampertheim der Fall. Beide sind Azubis zum Elektroniker für Betriebstechnik. Das ist neben Industriemechaniker der am stärksten besetzte Ausbildungsberuf bei Bilfinger. Beim dualen Studium, das der Konzern auch anbietet, ist Mechatronik am beliebtesten.
Baysak und Huruglica werden am Bilfinger-Standort Ludwigshafen ausgebildet – „direkt beim Kunden BASF im Bereich Engineering und Maintenance“, betont Bilfinger. Engineering und Maintenance widmet sich der Instandhaltungstechnik, der Reparatur und der Optimierung von Industrieanlagen und Maschinen.
„Handwerklich arbeiten“ mit „viel Abwechslung“
„Ich wollte unbedingt handwerklich arbeiten und eine Tätigkeit mit viel Abwechslung ausüben“, sagt Ömer Baysak der RHEINPFALZ. Bilfinger habe er gewählt, „weil der Standort nah an meinem Wohnort Ludwigshafen liegt und das Unternehmen attraktive Benefits bietet“.
Als Beispiel für solche Zusatzleistungen nennt Bilfinger eine vergünstigte Mitgliedschaft beim Fitnessprogramm Wellpass mit deutschlandweiten Sporteinrichtungen.
Ömer Baysak ist durch Berufsmessen auf Bilfinger als Arbeitgeber aufmerksam geworden, vor allem „Jobs for Future“ in Mannheim.
„Die Vielseitigkeit des Handwerks und die Entwicklungsmöglichkeiten bei Bilfinger“ reizen Baysaks Mit-Auszubildenden Huruglica, den eine Berufsberatung der Bundesagentur für Arbeit zum Job geführt hat. Ihre innerbetriebliche Ausbildung findet vollständig am Bilfinger-Standort Ludwigshafen innerhalb der BASF statt. Der Blockunterricht an der Berufsschule ist für beide an der Werner-von-Siemens-Schule in Mannheim – im Rhythmus von einer Woche Schule und zwei Wochen Betrieb. In den Praxiswochen im Betrieb beginnt der Arbeitstag für Ömer und Endi um 7 Uhr. Zum Arbeitseinsatz geht es mit den Gesellen.
Leitungen erneuern, Anlagen klug prüfen
Der Praxisjob besteht für sie etwa darin, in Begleitung Leitungen von Industrieanlagen zu erneuern, Sicherungen auszutauschen oder Anlagen auf mögliche Fehler zu prüfen und diese zu lokalisieren. Dann gehe es darum, sagt Baysak, Fehlerursachen sorgfältig zu analysieren und danach Lösungen zu finden.
Ihre Mittagspause, erzählen Ömer Baysak und Endi Huruglica, verbringen sie gemeinsam im Team in der Bilfinger-Werkstatt. Nach weiteren Einsätzen dauere ein Arbeitstag dann bis 15.30 Uhr. Beide befinden sich aktuell im dritten Lehrjahr ihrer dreieinhalbjährigen Ausbildung.
200 Tablets für die Bilfinger-Azubis
Bilfinger setzt schon in der Ausbildung stark auf Digitalisierung, was viele junge Leute wie Baysak und Huruglica interessiert. Anfang des Jahres etwa hat das Unternehmen 200 Tablets an seine Lehrlinge übergeben. Die Geräte, die die Azubis am Ende der Ausbildung vergünstigt kaufen oder zurückgeben können, sollen den Berufsschulalltag erleichtern, digitales Lernen fördern und die Zusammenarbeit mit Ausbildern und Fachbereichen verbessern. Die Tablets sollen schnellen Zugang zu Lernmaterialien und digitalen Tools gewähren.
Bilfinger sucht 100 Azubis pro Jahr
Bilfinger bildet bundesweit rund 300 Azubis an gut 30 Standorten in 26 Berufen aus – vor allem im handwerklichen und technischen Bereich. Jährlich, sagt Quis, suche man mehr als 100 neue Auszubildende.
Weltweit hat Bilfinger 31.429 Mitarbeiter, davon 5986 in Deutschland. In der Metropolregion Rhein-Neckar beschäftigt der Industriedienstleister an den Standorten Ludwigshafen, Mannheim, Neustadt, Maxdorf und Schwetzingen 773 Mitarbeiter.