Wirtschaft Kommentar: Stadlers Abgang ist überfällig

Placeholder-Image

Bewiesen ist noch nichts. Doch

Stadler kann nicht glaubwürdig

Audi führen und sich gleichzeitig

gegen Staatsanwälte wehren.

Es war seit Monaten absehbar. Erst hatte ein Audi-Motorentwickler gegenüber Staatsanwälten geplaudert. Dann wurde in München der ehemalige Chef dieser Abteilung in U-Haft genommen. Eine Audi-Razzia jagte die nächste – und Ende Mai ist dann das offenbar entscheidende Beweisstück aufgetaucht. Seitdem wird nun auch gegen Audi-Chef Rupert Stadler wegen des Dieselabgas-Skandals ermittelt. Zuvor wurde um ihn herum fast der komplette Audi-Vorstand ausgetauscht, und auch beim Mutterkonzern VW in Wolfsburg sind viele Köpfe gerollt. Aber an Stadler sind alle Vorwürfe abgeperlt wie Wasser an Teflon. Das hat nun ein Ende. Bewiesen ist freilich noch nichts. Aber ein Fehler war es von Anfang an, in Nibelungentreue an Stadler festzuhalten. Kann ein Vorstandschef glaubwürdig kriminelle Machenschaften aufdecken, die unter seinen Augen geschehen sind? Natürlich nicht. Die Versuchung, eigene Verantwortung unter den Teppich zu kehren, ist groß. Als Siemens seinerzeit den eigenen Bestechungsskandal aufgearbeitet hat, wurde mit Peter Löscher ein unbelasteter Konzernchef von außen geholt. Das hat funktioniert. Siemens hat seine Glaubwürdigkeit wiedererlangt. Mächtige US-Behörden wurden milde gestimmt. Bei VW dagegen musste zwar Martin Winterkorn gehen. Aber weitergemacht hat man mit Altpersonal aus den eigenen Reihen, bis schließlich auch Nachfolger Matthias Müller nicht mehr tragbar war. Vor allem auch personell war die Aufklärungsstrategie von VW und Audi ein zum Scheitern verurteiltes Unterfangen, das den ohnehin schwer in Mitleidenschaft geratenen Ruf nur noch weiter ramponiert hat. Stadler kann Audi nicht in die neue Zukunft führen und sich gleichzeitig mit Anwälten gegen die Anschuldigungen von Staatsanwälten verteidigen. Sein Abgang ist überfällig.

x