Wirtschaft Kommentar: Konzeptmängel im Hochpreisland

In keinem Land in Europa kostet Strom mehr als in Deutschland. Nur in Dänemark ist der Anteil an
Steuern und Abgaben noch höher.
Rund 16,5 Cent: So hoch ist der Anteil Steuern und Abgaben an jeder Kilowattstunde (kWh) Strom, die in Deutschland verbraucht wird. 54 Prozent des aktuellen Preises von durchschnittlich 30,5 Cent pro kWh kassiert der Staat. Nur Dänemark, das beim Endpreis mit Deutschland gleichauf liegt, belegt mit 67 Prozent die Verbraucher mit noch höheren Abgaben. Wohlmeinende könnten anführen, dass die hohe Belastung von Privathaushalten, kleinen und mittleren Unternehmen und – im internationalen Vergleich nicht von der Hand zu weisen – der Industrie angemessen, weil der Energiewende geschuldet ist. Das Argument greift aber zu kurz – leider. Denn einerseits fließen bei Weitem nicht alle Abgaben auf Strom in Maßnahmen, mit denen die Energiewende umgesetzt wird. Und zum anderen wurden in der Vergangenheit inzwischen teils korrigierte fachliche Fehler gemacht, die die Stromkosten verteuern: die jahrelang überhohe Förderung von Strom aus erneuerbaren Energien etwa, oder der Mangel an Leitungskapazität, der dem Zubau von Windkraftanlagen derart hinterherhinkt, dass die Kosten für Ausgleichszahlungen zeitweilig abgeschalteter Windmühlen exorbitant in die Höhe geschnellt sind. Die Energiefachleute des Wirtschaftsberatungsunternehmens McKinsey belegen mit ihrem internationalen Energiewende-Index, dass die Umgestaltung des Energiesystems in Deutschland trotz der hierzulande hohen Preise für Strom lahmt. Sie lesen den politisch Verantwortlichen zu Recht drastisch die Leviten: Indem sie „klar formulierte, langfristig angelegte Ziele und konkrete wie konsequente Maßnahmen zu ihrer Umsetzung“ einfordern, machen sie überdeutlich, dass diese in der Vergangenheit gefehlt haben.