Wirtschaft Kommentar: Eine Sache des Vertrauens

Wenn die BASF jetzt ihre Strukturen verändert, dann sollte sie auch darauf achten, das das vertrauensbildend wirkt.
Ein Unternehmen darf seine Organisation ständig daraufhin überprüfen, ob sie noch kunden- und marktgerecht wirkt. Und daraus Konsequenzen ziehen. Das ist nicht nur legitim, es ist sogar betriebswirtschaftlich geboten. Das gilt natürlich auch für die BASF. Wenn der Chemiekonzern nun Strukturen in größerem Umfang verändern oder straffen will, um sich stärker auf Kunden und Märkte auszurichten, dann sollte er gerade jetzt nicht den Eindruck erwecken, das gehe auf Kosten der Sicherheit. Das Unternehmen unterhält ja enge und vitale Beziehungen nicht alleine zu seinen Kunden und zu Marktteilnehmern. Die Strukturen einer BASF wirken zuerst auf die eigenen Mitarbeiter und stark auch auf deren Angehörige und die Nachbarn. Und Nachbarn sind nicht nur die unmittelbaren Anwohner des Stammwerkes. Es sind auch die Bewohner der umliegenden Großstädte Ludwigshafen und Mannheim und weiterer Städte und Gemeinden der Region. Nicht nur unter BASF-Kunden haben das Explosionsunglück im Oktober und die gehäuften Betriebsstörungen und Vorfälle für Verunsicherung, ja Angst gesorgt, sondern auch unter Mitarbeitern, deren Angehörigen und den Nachbarn des Stammwerks. Beruhigend wirkt dabei auch nicht, dass die BASF ihre milliardenteure TDI-Großanlage, in der es zu einem Vorfall mit dem hochgefährlichen Phosgen kam, erst jetzt, nach mehr als 19 Monaten Verspätung, langsam zum Laufen bringt. Die BASF hat durch all das Vertrauen verloren. Sie sollte ihre Strukturveränderungen auch daraufhin prüfen, ob sie vertrauensbildend wirken.