Tourismus
Iran-Krieg: Auf Zypern bleiben die Strände leer
Flugzeuge schweben im Landeanflug auf Larnaka über Hunderte leere Sonnenliegen hinweg. Mackenzie Beach an der Südküste von Zypern ist bei Urlaubern normalerweise beliebt wegen seiner Nähe zum Flughafen, seinem kilometerlangen Sandstrand und der vielen Restaurants und Bars. Doch kurz vor Ostern ist der Strand fast menschenleer.
Das Meer bei Larnaka ist ruhig und schon warm genug zum Schwimmen – ideal für einen Badeurlaub für Europäer, die Kälte und Regen entfliehen wollen. Doch die beiden Kinder, die am Mackenzie Beach eine Sandburg bauen oder mit ihrem Vater Fußball spielen, verlieren sich am Strand mit den Hunderten leeren Liegen. Die meisten Bars sind leer, einige sind geschlossen.
Der Iran-Krieg hat bisher 13 Länder im Nahen Osten erfasst, doch auch das EU-Land Zypern, das nur 250 Kilometer vom Libanon entfernt liegt, bekommt die Auswirkungen zu spüren. Seit am zweiten Kriegstag, dem 1. März, eine Drohne der pro-iranischen Hisbollah-Miliz aus dem Libanon rund 65 Kilometer westlich von Larnaka auf dem britischen Luftwaffenstützpunkt Akrotiri bei Limassol einschlug, hagelt es Stornierungen in zyprischen Hotels. Die Buchungen für April sind um bis zu 50 Prozent zurückgegangen.
Zypern sei sicher, beteuern die Einheimischen
Mehrere europäische Länder haben Kriegsschiffe und Kampfflugzeuge nach Zypern entsandt, um das EU-Mitglied am Rande des Nahen Ostens zu schützen; im türkischen Nordsektor der geteilten Insel hat die Türkei zusätzliche Kampfjets stationiert. Die zyprische Regierung, die derzeit die EU-Ratspräsidentschaft führt, musste mehrere EU-Treffen absagen – nicht gerade eine Atmosphäre für einen friedlichen Familienurlaub.
Dabei sei Zypern doch sicher, sagt Panayotis, Mitbesitzer und Manager eines Restaurants mit Bar und Tanzclub am Mackenzie Beach. „Das war doch nur eine kleine Drohne in Limassol, ein Spielzeug, mehr nicht“, sagt er. „Nein, Zypern hat keine Probleme, nie gehabt.“ Das ändere aber nichts daran, dass die Urlauber ausbleiben. „Das ist psychologisch, denke ich. Die Leute haben Angst, auch wenn wir hier eigentlich sicher sind. Wir bezahlen für einen Krieg, den wir nicht angezettelt haben.“
Am Strandabschnitt vor der Bar von Panayotis sind ganz vorne am Wasser zwei Liegen besetzt – von einer deutschen Familie aus der Nähe von Stuttgart. Bemerkenswert leer sei es in diesem Jahr, sagt die Mutter. „Deutlich ruhiger als sonst.“
Das bestätigt ein britischer Besucher, der vor einem Café am Strand auf seine Frau wartet. Extrem ruhig sei es, sagt der Mann aus der Nähe von London, der mit seiner Frau schon häufiger hier war: „Ich habe den Strand noch nie so leer gesehen.“
Die zyprische Regierung hat finanzielle Hilfen angekündigt, um der Branche über das Frühjahr zu helfen, denn der Tourismus trägt rund 14 Prozent der zyprischen Volkswirtschaft. So will der Staat übergangsweise 30 Prozent der Löhne im Tourismussektor übernehmen, damit Hotels trotz der Flaute im Ostergeschäft geöffnet bleiben können und ihre Angestellten nicht vor die Tür setzen.
Weniger Wachstum und mehr Inflation erwartet
Zypern war mit großen Hoffnungen in die Saison 2026 gestartet. Rund 4,5 Millionen Urlauber zählte die zur EU gehörende Republik im vergangenen Jahr, das war ein neuer Rekord und ein Plus von zwölf Prozent im Vergleich zu 2024.
Neben Strandurlaubern zog Zypern auch mehr Kreuzfahrt-Reisende an und wollte in diesem Jahr zusätzlich den Konferenz-Tourismus stärken. Israel, Großbritannien, Polen und Deutschland stellen die größten Besuchergruppen auf Zypern. Zudem bemüht sich die Regierung in Nikosia seit Jahren, mehr arabische Urlauber nach Zypern zu locken. Der Krieg stellt diese Erfolge und Pläne nun in Frage.
Zyperns Zentralbank hat ihre Wachstumserwartung von knapp vier Prozent auf unter drei Prozent gesenkt und rechnet mit einer Inflationsrate von 2,7 Prozent, mehr als dreimal so hoch wie 2025. Präsident Nikos Christodoulides setzt auf die Widerstandsfähigkeit der zyprischen Wirtschaft. Das Land habe schon häufiger bewiesen, dass es sich auf schwierige Situationen einstellen könne, sagte er dem griechischen Tourismus-Portal Money-Tourism. Als nach dem Ausbruch des Ukraine-Krieges 2022 die russischen Touristen ausgeblieben seien, habe Zypern als Ausgleich mehr Besucher aus Polen, Israel und anderen Ländern angezogen.
Christodoulides und die Regierung sehen den Rückgang der Buchungen nach dem Drohneneinschlag vor allem als Folge einer „verzerrten Wahrnehmung“, wie die Zeitung „Cyprus Mail“ berichtete. Nikosia betont deshalb eine einzige Botschaft: Zypern ist sicher.
Das Gerede vom Krieg verderbe das Geschäft, sagt auch der Oberkellner einer Strandbar an Mackenzie Beach. „Klar sind wir besorgt, das ist schließlich ein Krieg ganz in unserer Nähe“, sagt er. „Aber die Medien übertreiben in ihrer Berichterstattung die Gefahr auf Zypern. Ich bin Grieche, und mich rufen meine Bekannten aus Griechenland an und fragen, wie schlimm der Krieg auf Zypern sei. Nein, hier ist alles in Ordnung!“