Bahnverkehr In die Elektrifizierung kommt ein neuer Zug

Weit gediehen sind die Elektrifizierungsarbeiten im Allgäu – hier bei Weißensberg (Kreis Lindau)
Weit gediehen sind die Elektrifizierungsarbeiten im Allgäu – hier bei Weißensberg (Kreis Lindau)
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Vor allem bei baden-württembergischen Bahn-Projekten geht es voran – Zwei Strecken nach Lindau in Arbeit

In Rheinland-Pfalz kommt derzeit – mit einer Ausnahme – keines der diversen Bahn-Elektrifizierungsprojekte erkennbar voran. Anders sieht es im Nachbarland Baden-Württemberg aus. Dort geht es nun Schlag auf Schlag.

Rheinland-Pfalz liegt beim Elektrifizierungsanteil des Schienennetzes im Ranking der Bundesländer mit 46 Prozent auf dem drittletzten Platz. Dahinter folgen nur noch Thüringen und Schleswig-Holstein. Im Bundesdurchschnitt sind nach Angaben der Bundesregierung, die sich offensichtlich auf das Netz der Deutschen Bahn (DB) beziehen, 61 Prozent des Netzes elektrifiziert. Laut Daten der Organisation „Allianz pro Schiene“ lag der Elektrifizierungsgrad im Jahr 2005 bei 57 Prozent. In knapp 15 Jahren ist er also um nur 4 Prozentpunkte gestiegen.

Ende 2020 München–Lindau unter Draht

In ihrem Koalitionsvertrag hat die aktuelle Bundesregierung vereinbart, diesen Wert auf 70 Prozent zu steigern. Wie dieses Ziel erreicht werden soll, ist allerdings nach wie vor nicht recht erkennbar. Den größten Fortschritt gibt es in diesem Jahr auf der Strecke von München nach Lindau, die teils in Bayern, teils in Baden-Württemberg liegt. Im Dezember soll der elektrische Betrieb von Geltendorf (bis dort ist die Strecke bereits wegen der Münchner S-Bahn elektrifiziert) über Memmingen nach Lindau aufgenommen werden. Die Entfernung von Geltendorf nach Lindau beträgt 155 Kilometer.

Mit der Elektrifizierung, an der sich die Schweiz finanziell beteiligt, werden deutlich kürzere Fahrzeiten möglich. Allerdings entsteht wegen Komplikationen mit dem Leit- und Sicherheitssystem bei den Schweizer „Astoro“-Triebzügen eine Zwischenphase, in der die Fahrzeit zwischen München und Zürich noch nicht so stark verkürzt werden kann wie zunächst geplant. Immerhin wird es ab 13. Dezember deutlich mehr Direktzüge zwischen Zürich und München geben als bisher.

Strecke bleibt größtenteils eingleisig

Nichts ändern wird sich allerdings daran, dass 107 der 155 neu elektrifizierten Streckenkilometer nur eingleisig sind.

Die Strecke von Lindau über Kempten nach München, die durchgehend zweigleisig ist, aber den Nachteil längerer Fahrzeiten hat, bleibt zwischen Hergatz und Buchloe ohne Fahrdraht. Deshalb lösen Ende 2020 nur bei einem Teil der Züge, die Lindau aus Richtung Osten erreichen, Elektrotriebwagen die bisherigen Diesel-Fahrzeuge ab. Schon ein Jahr später soll der Fahrdraht Lindau auch aus Richtung Westen erreichen. Für Ende 2021 ist die Aufnahme des elektrischen Betriebs auf der Strecke von Ulm über Friedrichshafen nach Lindau geplant, die rund 127 Kilometer lang ist.

Konkrete Perspektiven für Hochrhein-Projekt

In Baden-Württemberg gibt es derzeit bei der Streckenelektrifizierung deutliche Fortschritte. Der Löwenanteil entfällt auf die Breisgau-S-Bahn, für die rund um Freiburg etwa 130 Streckenkilometer elektrifiziert wurden oder noch werden. Der längste Abschnitt ist die Strecke zwischen Neustadt und Donaueschingen, der oft hintere Höllentalbahn genannt wird. Die eigentliche Höllentalbahn von Freiburg über Hinterzarten und Titisee nach Neustadt ist schon seit langer Zeit elektrifiziert. Bei einem weiteren Elektrifizierungs-Großprojekt werden die Perspektiven immer konkreter. Für die Hochrheinstrecke von Basel nach Singen, bei der ein Teilabschnitt auf Schweizer Territorium schon elektrifiziert ist, wird nun eine durchgehende elektrische Betriebsaufnahme im Dezember 2027 angepeilt. Hierfür sind noch 72 Kilometer zu elektrifizieren.

In Rheinland-Pfalz gibt es eine gesicherte Elektrifizierungsperspektive derzeit nur für den kurzen pfälzischen Abschnitt der künftigen S-Bahn-Strecke von Homburg nach Zweibrücken. Sie hat für die Südwestpfalzgroße Bedeutung, liegt allerdings größtenteils auf saarländischem Territorium.

Kommentar: Rheinland-Pfalz weit hinten