Athen RHEINPFALZ Plus Artikel Griechenland: Raus aus den Schulden

Auch für Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (links) hat dessen griechischer Amtskollege Kyriakos Pierrakakis (rechts) gute Nach
Auch für Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (links) hat dessen griechischer Amtskollege Kyriakos Pierrakakis (rechts) gute Nachrichten.

Griechenland beschleunigt den Abbau seines gewaltigen Schuldenbergs. Davon profitiert auch Deutschland.

Im Juni will Griechenland Hilfskredite in Höhe von sieben Milliarden Euro vor Fälligkeit an seine Gläubiger überweisen. Das kündigte der Chef der Schuldenagentur PDMA, Dimitris Tsakonas, in dieser Woche bei einer Veranstaltung in Paris an. Ursprünglich hatte die Behörde geplant, erst gegen Jahresende 5,29 Milliarden Euro vorzeitig zu tilgen. Nun zahlt das Land mehr — und früher.

Damit will Finanzminister Kyriakos Pierrakakis die Zinslast senken und zugleich ein Signal an die Finanzmärkte senden: Griechenland kommt bei der wirtschaftlichen Erholung und der Sanierung der Staatsfinanzen voran. Davon verspricht sich der Finanzminister eine bessere Bonität und günstigere Finanzierungsbedingungen für sein Land.

Höchste Schuldenlast bleibt

Bereits jetzt kann sich Griechenland an den Finanzmärkten günstiger refinanzieren als Italien und Frankreich. Pierrakakis stellt fest: „Die Renditen griechischer Staatsanleihen sind auf ein Niveau zurückgekehrt, das vor wenigen Jahren noch undenkbar gewesen wäre – ein klares Zeichen für das Vertrauen der Märkte.“

Kein anderer EU-Staat hat seine Schuldenquote – also die Staatsverschuldung im Verhältnis zur Wirtschaftsleistung – in den vergangenen fünf Jahren so schnell gesenkt wie Griechenland – um 63 Prozentpunkte. Aber trotz deutlicher Fortschritte trägt das Land weiterhin die höchste Schuldenlast in der EU. Ende 2025 lag die Schuldenquote bei 145,9 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Im EU-Durchschnitt betrug sie 82,8 Prozent.

Der enorme Schuldenstand ist auch eine Folge der milliardenschweren Hilfsprogramme, mit denen das Land in den Krisenjahren vor der Staatspleite bewahrt wurde. Zwischen Frühjahr 2010 und Sommer 2018 erhielt Griechenland im Rahmen von drei Rettungspaketen Kreditzusagen über insgesamt 289 Milliarden Euro, von denen 256,6 Milliarden tatsächlich ausgezahlt wurden.

Die nun vorzeitig zur Rückzahlung vorgesehenen Gelder stammen aus dem ersten Hilfspaket vom Mai 2010, der sogenannten Greek Loan Facility (GLF). Damals stellten 14 Euro-Staaten Griechenland bilaterale Kredite in Höhe von 52,9 Milliarden Euro zur Verfügung; der Internationale Währungsfonds steuerte weitere 20,1 Milliarden bei. Deutschland war mit 15,2 Milliarden Euro der größte Geldgeber unter den Euro-Ländern.

Planmäßig sollten diese Kredite bis 2041 zurückgezahlt werden. Die Regierung in Athen begann jedoch schon vor einigen Jahren mit vorzeitigen Tilgungen. Die Darlehen des Internationalen Währungsfonds wurden bereits 2022 vollständig beglichen — vier Jahre früher als vorgesehen. Seit Ende 2023 hat Griechenland zudem Kredite der Euro-Partner im Umfang von rund 26,6 Milliarden Euro vorzeitig zurückgezahlt. Ziel ist es, die GLF-Schulden bis Ende 2031 und damit ein Jahrzehnt früher als geplant zu tilgen.

Die im Juni vorgesehenen Zahlungen betreffen Kreditraten, die regulär erst in den Jahren 2029 bis 2035 fällig wären. Finanziert wird die Rückzahlung aus Rücklagen und liquiden Barreserven. Mit den vorgezogenen Tilgungen spart der Staat 90 bis 100 Millionen Euro an Zinsen. Zugleich sinkt die Schuldenquote durch die Rückzahlungen schneller als bisher angesetzt. Sie soll von 145,9 Prozent des BIP Ende 2025 bis zum Ende dieses Jahres auf 138,2 Prozent fallen.

Zwei Milliarden für Berlin

Manche Ökonomen erwarten angesichts des Anstiegs der Inflation infolge des Iran-Krieges sogar einen Rückgang auf 135 Prozent. Setzt sich der Trend fort, könnte Griechenland schon bald die Rolle des am höchsten verschuldeten EU-Staates an Italien abgeben. Bis das südosteuropäische Land jedoch die Vorgabe des EU-Stabilitätspakts erfüllt, der eine Schuldenobergrenze von 60 Prozent des BIP vorsieht, wird noch viel Zeit vergehen. Der griechische Zentralbankchef Yannis Stournaras rechnet damit erst in rund 40 Jahren.

Der frühere Defizitsünder hat sich damit zu einem finanzpolitischen Musterschüler entwickelt. In den vergangenen beiden Jahren gehörte Griechenland zu der kleinen Gruppe von lediglich sechs EU-Staaten, die Haushaltsüberschüsse erzielten — eine Voraussetzung für die vorzeitigen Rückzahlungen.

Auch in anderen europäischen Hauptstädten dürfte die Rückzahlung positiv aufgenommen werden. Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) kann mit knapp zwei Milliarden Euro rechnen. Ebenso willkommen sind die angekündigten Überweisungen aus Athen für Länder mit hohen Haushaltsdefiziten wie Frankreich, Italien und Österreich.

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