Tourismus RHEINPFALZ Plus Artikel Griechenland – lieb und teuer

Badespaß auf der Insel Santorin: Die Deutschen sind die größte Touristengruppe in Griechenland.
Badespaß auf der Insel Santorin: Die Deutschen sind die größte Touristengruppe in Griechenland.

Die griechische Tourismusbranche hatte für 2026 mit einem neuen Rekord gerechnet. Doch der Irankrieg und steigende Preise könnten einen Strich durch die Rechnung machen.

2025 hat Griechenland bereits den dritten Besucherrekord in Folge erzielt. Fast 38 Millionen ausländische Urlauber reisten in das Mittelmeerland — 5,6 Prozent mehr als im Vorjahr. Besonders beliebt ist Griechenland bei Deutschen. Ihre Anzahl stieg gegenüber 2024 überdurchschnittlich um 10,2 Prozent. Damit stellten die Deutschen die größte Touristengruppe.

Noch vor wenigen Wochen deutete alles auf ein weiteres Rekordjahr hin. Reiseveranstalter und Hoteliers meldeten steigende Buchungen, Fluggesellschaften bauten ihre Kapazitäten aus. Inzwischen hat sich die Stimmung eingetrübt. Das Ostergeschäft — die Orthodoxe Kirche feiert dieses Jahr eine Woche später als Katholiken und Protestanten — dürfte schwächer ausfallen als erwartet.

Zwar ist Griechenland bislang, anders als etwa Zypern oder die Türkei, nicht Ziel iranischer Raketen- oder Drohnenangriffe geworden. In der Wahrnehmung der meisten europäischen Urlauber gilt Griechenland daher als sicheres Reiseziel. Doch die Entwicklung der Sommerbuchungen hängt stark davon ab, wie lange der Konflikt andauert, ob er sich weiter ausweitet und wie sich Ölpreis und Inflation entwickeln.

Höherer Ölpreis verteuert Flugreisen

Sorgen bereitet der Branche, dass Reisende aus den USA und Kanada das östliche Mittelmeer wegen der unsicheren Lage meiden könnten. Auch Touristen aus wichtigen Wachstumsmärkten in Asien – etwa Indien und China – könnten möglicherweise ausbleiben. Gerade diese sind besonders begehrt, da sie im Schnitt deutlich mehr Geld ausgeben als europäische Urlauber.

Hinzu kommt der Anstieg des Ölpreises, der Flugreisen verteuert. Für Griechenland ist das ein ernstes Problem, denn das Land gehört ohnehin zu den teuersten Urlaubszielen im Mittelmeerraum. Das bestätigt eine Studie der deutschen Stiftung für Zukunftsfragen, die kürzlich auf der Internationalen Tourismusmesse ITB in Berlin vorgestellt wurde. Demnach gaben deutsche Reisende im vergangenen Jahr durchschnittlich 1872 Euro für einen Griechenlandurlaub aus. Der Mittelwert für 17 untersuchte europäische Ziele lag mit 1596 Euro deutlich niedriger. Noch günstiger sind Reisen innerhalb Deutschlands mit durchschnittlich 1170 Euro. Ein Urlaub in Spanien kostete Deutsche im Schnitt 1760 Euro, in Frankreich 1732 Euro und in Italien 1672 Euro.

Selbst die Türkei, lange als preiswertes Reiseziel bekannt, liegt mit 1766 Euro inzwischen auf einem ähnlichen Niveau wie Spanien. Die Angaben beruhen auf einer Repräsentativbefragung von 3000 Personen im Alter von über 18 Jahren im Dezember 2025 und Januar 2026.

Hohe Nachfrage treibt Preise

Griechische Hoteliers begründen die hohen Preise mit ihren hohen Belastungen: Steuern und Abgaben machen 29,8 Prozent des Endpreises eines Hotelzimmers in Griechenland aus. Zum Vergleich: In der Türkei sind es nur zwölf Prozent. Marktbeobachter führen die hohen Preise in Griechenland aber vor allem auf die seit drei Jahren stark steigende Nachfrage zurück. Sie ermöglichte den Hoteliers Preiserhöhungen, die deutlich über gestiegene Kosten und höhere Steuern hinausgehen. Branchenkreisen zufolge planen viele Betriebe in den kommenden zwei Jahren weitere Aufschläge von fünf bis acht Prozent. Reiseveranstalter halten diese Forderungen, die weit über der Inflation liegen, für überzogen.

Die griechischen Hoteliers glauben offenbar, dass der Markt es hergibt. Sie verweisen gern auf die hohe Kundenzufriedenheit. Eine Studie des Tourismus-Forschungsinstituts Insete zeigt, dass 87 Prozent der Urlauber im vergangenen Jahr mit ihrem Hotelaufenthalt in Griechenland zufrieden waren. Das war, zusammen mit Zypern, die beste Bewertung aller Mittelmeerländer. Besonders gute Noten bekamen die griechischen Hotels bei der Sauberkeit mit 91 Prozent, dem Service (90 Prozent), der Lage (89 Prozent) und dem Preis-Leistungs-Verhältnis (85 Prozent).

Sollte der Griechenland-Boom nachlassen, könnten die hohen Preise zum Wettbewerbsnachteil werden, warnen Marktbeobachter. Urlauber weichen dann möglicherweise auf günstigere Alternativen aus – etwa auf Kroatien, wo eine Reise im Durchschnitt rund 1303 Euro kostet. Auch Albanien entwickelt sich zunehmend zum Konkurrenten und lockt mit Preisen, die bis zu 40 Prozent unter griechischem Niveau liegen.

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