Geldanlage RHEINPFALZ Plus Artikel Frauen und Finanzen: Ein Mann ist keine Anlage

Weil Frauen unter anderem viel öfter in Teilzeit arbeiten als Männer, fällt ihre Rente deutlich geringer aus.
Weil Frauen unter anderem viel öfter in Teilzeit arbeiten als Männer, fällt ihre Rente deutlich geringer aus.

Frauen trauen sich in Sachen Geld viel zu wenig – und müssen die Konsequenzen selbst ausbaden. Finanzexpertinnen erklären, wie Frauen finanzielle Unabhängigkeit erlangen.

Den Satz „Das macht mein Mann“ hört die Hamburger Journalistin und Finanzberaterin Dani Parthum oft, wenn es um das Thema Geld geht. Viel zu oft. Auf ihrem Blog „Geldfrau“ schreibt die 52-Jährige über Finanzen. Vor allem Frauen möchte sie ermutigen, ihre Geldanlage und Altersvorsorge selbst in die Hand zu nehmen. Parthum unterstützt ihre Kundinnen gegen ein Honorar beim Umgang mit Geld, leitet Workshops und Kurse.

Es existieren unzählige Studien, die untersucht haben, wer sich in Partnerschaft und Familie um die Finanzen kümmert. Das Ergebnis ist immer gleich: Frauen treffen in der Mehrheit die alltäglichen und kurzfristigen Entscheidungen, der Mann befasst sich mit der Geldanlage und Altersvorsorge. „Erst 1977 durften Frauen in der Bundesrepublik erstmals allein entscheiden, ob und wie sie erwerbstätig sein wollten. Vorher benötigten sie dafür die Erlaubnis ihres Ehemanns, so sah es das Bürgerliche Gesetzbuch vor“, sagt Parthum. Die Frau kümmerte sich um Heim und Kinder, der Mann brachte das Geld nach Hause. Ein Bild, das laut Parthum immer noch in den Köpfen der Menschen ist. Langsam ändere sich zwar etwas, aber es sei noch viel zu tun.

Auch Natascha Wegelin, besser bekannt als Madame Moneypenny, appelliert an Frauen, selbst fürs Alter vorzusorgen. Sie hat das Buch „Wie Frauen ihre Finanzen selbst in die Hand nehmen können“ geschrieben und gibt auf ihrem Blog „madamemoneypenny.de“ Tipps rund um das Thema Finanzen. „75 Prozent der heute 30- bis 55-jährigen Frauen droht eine Rente unter Hartz IV-Niveau, das sind unter 400 Euro im Monat“, schreibt sie auf ihrem Blog.

Frauen arbeiten häufiger Teilzeit

Ein Grund dafür ist, dass Frauen öfter in Teilzeit arbeiten und deswegen per se weniger Rente bekommen als Männer. Knapp die Hälfte aller sozialversicherungspflichtig beschäftigten Frauen in Deutschland arbeitete im Juni 2021 in Teilzeit. Bei den Männern sind es nur zwölf Prozent.

Frauen verdienen im Durchschnitt bei vergleichbarer Tätigkeit und Qualifikation pro Stunde 6 Prozent weniger als Männer – laut Bundesministerium für Familien, Senioren, Frauen und Jugend ist dies „ein klarer Hinweis auf versteckte Benachteiligung von Frauen am Arbeitsmarkt“. Die unbereinigte Lohnlücke fällt mit rund 18 Prozent deutlich höher aus.

Das finanzielle Ungleichgewicht zwischen Frauen und Männern beginnt bei der Berufswahl – Frauen wählen oft soziale Berufe oder Aufgaben, die sich vermeintlich mit der Familie vereinbaren lassen. Und die sind in der Regel schlecht bezahlt. Reduzieren Frauen dann noch ihre Arbeitszeit, wenn die Kinder auf der Welt sind, sieht es im Alter düster aus. Die Einkommensschere zwischen den Partnern wird immer größer – und diese Lücke lässt sich nur schwer schließen. Kann oder will sich der Mann nicht mehr um die Vorsorge der Frau kümmern – sei es durch Tod oder Scheidung – haben die Frauen ein Problem. Ein Mann ist eben keine nachhaltige Altersvorsorge.

Partner können Ausgleichszahlungen vereinbaren

Auch aus diesem Grund hält Parthum Eheverträge für wichtig. „Das ist nicht unromantisch, im Gegenteil. Im Moment der größten Liebe kümmern wir uns darum, dass es beiden gut geht, wenn die Liebe gegangen ist“, sagt sie. Und: Ein Ehevertrag könne auch noch nachträglich geschlossen werden, dann kämen allerdings oft höhere Gebühren auf das Paar zu, weil das Vermögen bereits gewachsen sei. Der Ehevertrag sollte laut Parthum positiv genutzt werden, damit die Frau nach einer Trennung finanziell nicht schlechter gestellt sei als in der Ehe. Was genau in dem Ehevertrag stünde, sei sehr individuell und hänge von der Situation jedes einzelnen Paares ab.

Sie rät Paaren, zu reden und gemeinsam Kompromisse zu schließen. Es gehe darum, eine gleichberechtigte Lösung zu finden. Verdient ein Partner mehr als der andere, könne man zum Beispiel eine Ausgleichszahlung vereinbaren. Wie hoch dieser Betrag ist, müssen Paare selbst entscheiden. Ein Anhaltspunkt können die Entgeltpunkte sein, die man als Mann oder Frau erhält, wenn man sich überwiegend um die Kindererziehung kümmert. Bei Geburten ab dem Jahr 1992 erhält ein Elternteil bis zu drei Jahre lang Entgeltpunkte für die Rente angerechnet. Nimmt ein Elternteil durch die Kindererziehung Einbußen für die Rente in Kauf, kann der andere Partner die Differenz oder einen Teil davon ausgleichen.

Verheiratete Paare können sich auch am Ehegattensplitting orientieren. Arbeitet die Frau oder auch der Mann nach der Geburt des Kindes gar nicht mehr oder in Teilzeit, ändern sich die Steuerklassen – der Hauptverdiener hat nun mehr Netto vom Brutto auf dem Gehaltszettel. Das Plus könnte auf Dauer dem schlechter Verdienenden zugutekommen.

Frauen müssen besser verhandeln

Für das Berufsleben gilt: „Wir Frauen müssen mehr verhandeln. In allen Bereichen, in denen es um Geld, Finanzen und Lebenschancen geht. Wir müssen lernen, den Kopf nach oben zu strecken. So wie es die Männer machen“, sagt Parthum. Männer würden mit einem großen Selbstbewusstsein in Gehaltsverhandlungen gehen. Ihr Ansatz: „Ich arbeite viel, also steht mir das Geld zu.“ Frauen könnten von diesem Verhalten viel lernen. Dazu gehöre, Gehälter zu vergleichen, seinen Marktwert zu kennen und nach diesem zu verhandeln. Netzwerke zu bilden, andere Frauen mit nach oben in Führungsebenen zu ziehen und so dafür zu sorgen, dass sie für ihre Arbeit und Kompetenzen angemessen bezahlt werden.

Hat frau dann erfolgreich verhandelt und jeden Monat Geld übrig, sollte sie es sinnvoll anlegen. „Frauen sollen selbst ein Vermögen aufbauen, sich nicht auf den Bankberater, Papa, Mann oder das erhoffte Erbe verlassen. Sie müssen selbst aktiv werden, die Dinge verstehen wollen und sich nicht auf die gesetzliche Rente verlassen“, sagt Parthum.

Die gesetzliche Rente sei ein guter Grundstock, aber nicht ausreichend. In einer Ehe oder Beziehung sollte jeder seine eigene private Altersvorsorge aufbauen. Auch bei der größten Liebe gilt: Die Altersvorsorge gehört in die eigenen Hände. Das Thema sei am Anfang vielleicht ein bisschen Arbeit, aber einmal die Finanzen gelernt, hat man das Wissen immer parat.

Auch mit über 60 kann man noch vorsorgen

Finanzplanung sollte man als einen Teil seiner Lebensplanung betrachten. Grundsätzlich gibt es verschiedene Investitionsmöglichkeiten: etwa Immobilien (daran denken: Lage, Lage, Lage), Aktien oder ETFs, also börsengehandelte Fonds, mit denen man auch mit kleinen Beträgen in eine Vielzahl von Aktien investieren kann und so das Risiko breiter streut. Es empfiehlt sich dabei, zwischen größeren einmaligen Beiträgen und kleineren regelmäßigen Beiträgen zu unterscheiden. Auch 25 oder 50 Euro monatlich könnten in ETFs investiert werden.

Und: Auch eine Frau mit über 60 kann sich noch um das Thema Finanzen und Anlage kümmern. „Bei 70-Jährigen wird es eng mit dem Thema Altersvorsorge, in dem Alter betreibt man eher Vermögenssicherung. Aber eine Bestandsaufnahme ist immer sinnvoll“, sagt Parthum. Und der wichtigste Tipp zum Schluss: Geld immer strategisch anlegen, mit einem Ziel vor Augen – dann macht eine Anlage Sinn.

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