Bahnverkehr RHEINPFALZ Plus Artikel Evelyn Palla: Chefin im Führerstand

Als äußerst clevere Idee hat sich erwiesen, dass Evelyn Palla als DB-Regio-Chefin eine Ausbildung zur Lokführerin absolvierte. D
Als äußerst clevere Idee hat sich erwiesen, dass Evelyn Palla als DB-Regio-Chefin eine Ausbildung zur Lokführerin absolvierte. Das kam bei Mitarbeitern und Medien sehr gut an.

Evelyn Palla wird die erste Frau auf dem Chefsessel der Deutschen Bahn. Sie ist fachlich dafür deutlich besser qualifiziert als die meisten ihrer Vorgänger.

Der Pfälzer Eisenbahnersohn Richard Lutz war 2017 der erste Chef der Deutschen Bahn (DB), der aus dem Unternehmen selbst kam. Alle seine Vorgänger von Heinz Dürr über Johannes Ludewig und Hartmut Mehdorn bis zu Rüdiger Grube hatten vor ihrer Berufung auf den DB-Chefsessel nie etwas mit dem Unternehmen oder auch nur der Branche zu tun gehabt.

Ungewöhnlich gute Presse

Als der Stuhl von Richard Lutz im Frühjahr immer deutlicher wackelte, tauchte unter den Namen, die für die Nachfolge gehandelt wurden, schon früh der von DB-Regio-Chefin Evelyn Palla auf. Auffallend war dabei vor allem, dass sie eine für eine DB-Managerin ganz ungewöhnlich gute Presse hatte. Während in vielen Artikeln über die DB jeder verspätete ICE Lutz persönlich angelastet und als Beweis für seine Unfähigkeit gewertet wurde, war bei Palla so gut wie nur von dem die Rede, was sie in positivem Licht erscheinen ließ, obwohl auch bei DB Regio nach wie vor einiges im Argen liegt. Das wurde aber meist großzügig ausgeblendet, stattdessen war viel die Rede davon, dass sie DB Regio nach der Corona-Pandemie zurück in die schwarzen Zahlen geführt hat, die Pünktlichkeit in ihrem Verantwortungsbereich viel besser ist als im ICE-Verkehr und sie als einziges DB-Vorstandsmitglied eine Ausbildung zur Lokführerin vorzuweisen hat. All das ist völlig richtig. Allerdings war die Pünktlichkeit im Regionalverkehr schon immer besser als im wegen der langen Zugläufe viel verspätungsanfälligeren Fernverkehr – auch in den Jahrzehnten als für den Regionalverkehr noch nicht Evelyn Palla verantwortlich war.

Wertschätzung für Mitarbeiter

Als ein geradezu genialer Coup erscheint nun ihre Idee, sich neben ihrer eigentlichen Tätigkeit zur Lokführerin ausbilden zu lassen. Auch wenn manche vor allem aus dem Milieu der Lokführergewerkschaft GDL das als PR-Gag abtun, ist diese Aktion bei der Mehrheit der Eisenbahner wohl so angekommen, wie sie sicher auch gemeint war: als Anerkennung und Wertschätzung für deren Arbeit.

Nach einem aufwendigen Auswahlverfahren unter Einschaltung einer Personalberatung verkündete Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder am Montag die Erkenntnis, dass niemand so gut für die Lutz-Nachfolge qualifiziert sei wie Palla. Die Vita der 51-Jährigen wirkt in der Tat beeindruckend. Die dreifache Mutter, die aus Südtirol stammt, hat berufliche Stationen bei Infineon und Eon vorzuweisen – vor allem aber eine leitende Tätigkeit bei den Österreichischen Bundesbahnen, die wesentlich besser dastehen als die DB, zu der Palla 2019 wechselte. Dort war sie zuerst Finanzchefin beim DB-Fernverkehr, seit 2022 Chefin von DB Regio.

Viele Positiv-Reaktionen

Bei der BASF ist es selbstverständlich, dass der Vorstandsvorsitzende aus dem Unternehmen kommt, bei der DB ist Evelyn Palla erst der – nach Richard Lutz – zweite Fall. Seit die (zu diesem Zeitpunkt dann doch überraschende) Nachricht am Samstagabend durchsickerte, gibt es fast nur Positiv-Reaktionen zu der Personalie Palla – sogar teilweise von Leuten, die normalerweise kein gutes Haar an der DB lassen.

Wie vermint das Gelände ist, auf das sich Palla nun begibt, wurde aber noch vor ihrer offiziellen Bestellung deutlich. Ihr drohen Gegenstimmen im Aufsichtsrat von der größten Eisenbahnergewerkschaft EVG, obwohl die eigentlich nichts gegen Palla selbst hat – wohl aber gegen den gleichzeitig präsentierten Kandidaten für den Chefposten bei DB InfraGo.

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