Verbrauchertipp RHEINPFALZ Plus Artikel Energiepreis-Hammer: Was Verbraucher tun können

Jede energetische Sanierung lohnt sich – von der Dämmung bis zum Austausch einer alten Öl-Heizung.
Jede energetische Sanierung lohnt sich – von der Dämmung bis zum Austausch einer alten Öl-Heizung.

Jetzt aber flott nachtanken, eisern sparen und energetisch sanieren: Abseits von staatlicher Unterstützung haben es Verbraucher selbst in der Hand beim Energieverbrauch zu sparen.

Ob Gas, Heizöl, Strom, Sprit: Die Kosten für Energie sprengen mittlerweile fast jede Haushaltskasse. Der staatliche Versuch, den Bürgern mit 9-Euro-Tickets, Tankrabatt oder 300-Euro-Zuschüssen unter die Arme zu greifen, gleicht meist nur dem Tropfen auf den heißen Stein. Zumal kein Ende der Preisspirale in Sicht ist, ein Embargo für russisches Erdöl immer wahrscheinlicher und die Suche nach einem bezahlbaren Gasversorger immer schwieriger wird.

Heizöl- und Gaskunden müssten jetzt selbst aktiv werden, um Ausgaben bestmöglich im Griff zu behalten, rät Hans Weinreuter, Energieexperte der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz. Selbst die kleinste Sparchance gilt es zu ergreifen. Wer mit Öl heizt, sollte etwa bald nachtanken. Mieter, die einen Nachzahlungsschock 2023 vermeiden wollen, sollten vorsorgen. Und wer finanziell kann, sollte die energetische Sanierung seines Hauses nicht mehr auf die lange Bank schieben. Das ist jetzt zu tun:

Volltanken statt trödeln

Dass Deutschland schon bald kein russisches Erdöl mehr importiert, dieses Szenario nimmt immer mehr Gestalt an. Für Verbraucher, die mit Öl heizen, bedeutet das: Das Angebot wird knapper, die Preise könnten schon bald wieder mächtig zulegen. Aktuell ist Öl etwa doppelt so teuer wie noch im vergangenen Jahr. Ein Liter Heizöl kostet zwischen 1,20 und 1,40 Euro, je nach Region. Wer nach dem Winter einen leeren Tank im Keller hat, sollte deshalb in absehbarer Zeit nachtanken, empfiehlt Oliver Klapschus, Geschäftsführer des Online-Portals Heizöl24.

Der Markt habe sich gerade wieder etwas beruhigt. „Wer eine kurzfristige Delle mit Preisen um die 1,10 Euro erwischt, macht ein Schnäppchen“, so Klapschus. In der Ruhephase ordern kann viel Geld wert sein. Und möglichst 2000 bis 3000 Liter tanken, keine Kleinmenge. „Ein voller Tank schafft erstmal Sicherheit.“ Zusätzliches Sparpotenzial ist drin, wenn sich Heizölkäufer mit Nachbarn zu privaten Einkaufsgemeinschaften zusammentun.

Gaskunden – vom Regen in die Traufe

Millionen Verbraucher hatten die Hiobsbotschaft schon im Briefkasten: Viele Versorger haben den Gaspreis teils massiv erhöht, oft um fast 100 Prozent. Nach Einschätzung des Verbraucherportals Finanztip müssen Gaskunden derzeit im Schnitt rund 13 Cent mehr für die Kilowattstunde bezahlen. Kostete es 2020 noch 600 Euro, um 80 Quadratmeter zu heizen, und 2021 etwa 700 Euro, dürften 2022 etwa 1300 Euro zusammenkommen. Weitere Verteuerungswellen sind zu erwarten.

„Wer jetzt sparen will, muss bei der Online-Suche nach einem günstigeren Anbieter allerdings auf der Hut sein“, sagt Weinreuter. Bislang war beim Umstieg ordentlich Ersparnis drin. Das hat sich geändert. „Mit dem Wechsel wird es ganz oft nur noch teurer, speziell für Kunden mit Sondervertrag“, gibt der Experte zu bedenken. Viele Grundversorger hätten zwar die günstigsten Preise. Aber nicht für Neukunden. „Schnell mal vergleichen, wechseln und sparen wie früher üblich, ist momentan einfach nicht möglich“, berichtet Weinreuter. Vielen Verbrauchern bleibe nichts anderes übrig als die Preiserhöhung zu schlucken und dabeizubleiben, wenn sie nicht draufzahlen wollen.

Hohe Vorauszahlung oder hohe Kante

Mieter mit Zentralheizung im Haus kriegen die Verteuerung ihrer Heizenergie erst im nächsten Jahr zu spüren, wenn die Nebenkostenabrechnung für 2022 ins Haus flattert. Viele werde der enorme Preisanstieg bei Öl und Gas mit voller Wucht treffen, befürchtet Dietmar Wall vom Deutschen Mieterbund in Berlin. Wohnungsunternehmen rechnen mit Nachzahlungen von bis zu zwei Monatskaltmieten.

Um eine finanzielle Schieflage in 2023 zu vermeiden, stehen Betroffenen zwei Optionen offen: Die monatliche Vorauszahlung an den Vermieter schon jetzt zu erhöhen. Oder selbst Monat für Monat genug Geld zurückzulegen, um den Nachzahlungshammer abzuwenden. Auch wenn es schwer fällt: Es wäre für Mieter „sehr sinnvoll“, rechtzeitig vorzubeugen und mit dem Eigentümer zu sprechen, betont Wall. Hat der Vermieter bereits die Nebenkosten für 2021 abgerechnet und anschließend darauf gedrungen, die Vorauszahlung im laufenden Jahr zu erhöhen, kann sich der Mieter nicht verschließen. Aber Vorsicht: Wer es sich gar nicht leisten kann, regelmäßig mehr Geld für die laufenden Vorauszahlungen locker zu machen, riskiert die fristlose Kündigung. Der Vermieter darf sie aussprechen, sobald sich der rückständige Betrag auf mehr als eine Monatsmiete summiert.

Endlich sanieren

Hausbesitzer, die sich unabhängiger vom konventionellen Energiemarkt machen und langfristig sparen wollen, sollten Pläne jetzt in die Tat umsetzen, empfiehlt Weinreuter. „Jede energetische Modernisierung der Immobilie, von Dämmung über Fensteraustausch, aber vor allem der Umstieg auf eine andere Heiztechnik als Öl und Gas kann sich lohnen.“ Insbesondere dann, wenn die Ölheizung zu den bundesweit rund drei Millionen Kesseln gehört, die schon seit 20 Jahren oder länger in Betrieb sind.

Günstiger und klimafreundlicher lässt sich oft mit einer Wärmepumpe oder Holzpellets heizen, sind auch die Experten von Finanztip überzeugt. Sie berechneten: Während man für 1500 Liter Heizöl momentan rund 2000 Euro zahlt, muss man für drei Tonnen Pellets mit demselben Energiegehalt nur rund 1150 Euro ausgeben, also 850 Euro weniger. Die Menge reicht, um eine Wohnung mit 115 Quadratmetern ein Jahr lang zu beheizen.

Ein neuer Gaskessel sei keine Alternative, so Finanztip. Selbst wenn er auch mit Wasserstoff funktionieren sollte. Bis das Erdgasnetz umgerüstet und ausreichend grüner Wasserstoff lieferbar ist, dürften noch Jahre vergehen. Die Installation einer solarthermischen Anlage reduziert den Heizölverbrauch überdies um etwa 15 Prozent. Was die wenigsten Bürger im Blick haben: Das Finanzamt hilft bei der Sanierung mit. Kosten von bis zu 40.000 Euro können aktuell steuerlich geltend gemacht werden. Obendrein macht die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) auf Antrag jede Menge Fördermittel locker, entweder direkt als Zuschuss, über zinsvergünstigte Kredite oder Darlehen mit Tilgungszuschuss, die nicht vollständig zurückgezahlt werden müssen. Wer Beratung braucht, kann sich an Verbraucherzentrale vor Ort werden.

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