Mobilfunk-Tipp RHEINPFALZ Plus Artikel Endlos surfen endlich billiger

Tarife mit unbegrenztem Datenvolumen sind mittlerweile bei vielen Anbietern preiswert.
Tarife mit unbegrenztem Datenvolumen sind mittlerweile bei vielen Anbietern preiswert.

Mobilfunktarife fürs unbegrenzte Surfen sind richtig teuer – bislang jedenfalls. Nun aber haben Discounter sogenannte Unlimited-Tarife für unter 20 Euro im Monat im Programm.

Generell zu beachten ist, dass ,,Unlimited“ nur etwas für Leute ist, die den Mobilfunk wirklich intensiv nutzen. Viele andere kommen mit einer eng begrenzten Datenmenge von vielleicht drei, fünf oder zehn Gigabyte im Monat aus, die bei den günstigsten Anbietern schon für unter 5 Euro zu haben sind. Außerdem ist ein Großteil der gebuchten Tarife – gemessen am Bedarf der Nutzer – jetzt schon weit überdimensioniert, wie eine Studie im vergangenen Jahr ergab. Da wird also, angestachelt vom Marketing der Provider, unnötig Geld ausgegeben.

Gleichwohl haben „Unlimited“-Angebote ihre Berechtigung, nämlich für Kunden, die tatsächlich einen sehr hohen Bedarf haben – oder die sich einfach keine Gedanken um ihren Datenverbrauch machen wollen, und sei es nur ausnahmsweise zu Spitzenzeiten im Urlaub. „Wird das ganze digitale Leben über das Handy abgewickelt, kann das Datenvolumen schneller alle sein, als einem lieb ist“, sagt Henning Gajek vom Fachportal Teltarif.de. Er spricht von einem „Preisrutsch“ bei Unlimited-Tarifen.

Was kosten die neuen Angebote?
Die aktuell günstigsten Tarife gibt es für jeweils 17,99 Euro im Monat bei den Providern Handyhelden, Unlimited-Mobile und Sim4me. Bei HappySIM ist der günstigste Unlimited-Tarif für 19,99 Euro zu haben. Neben einer unbegrenzten Datenmenge fürs mobile Internet erhalten die Kunden jeweils eine Flatrate für Telefonate und SMS in die deutschen Netze (inklusive EU-Roaming) dazu. Die Preise gelten bei 24-monatiger Vertragslaufzeit.

Geht es noch billiger?
Ja, aber nur bei weniger Komfort. So verlangen Aldi, Lidl und Netto knapp 10 Euro für ihre Unlimited-Angebote. Der entscheidende Unterschied liegt darin, dass die Nutzer zunächst nur eine beschränkte Datenmenge zur Verfügung haben – und weiteres Volumen immer wieder extra in Mini-Schritten nachbuchen müssen.

Dies kostet zwar nichts, ist aber nervig und hält auf, wenn es etwa mitten im laufenden Song oder beim Betrachten eines Videos nötig wird. Mit dieser Nachbuchpflicht, die in Fachkreisen als ,,Schikane“ bezeichnet wird, machen die neuen Discounter-Tarife für knapp 20 Euro Schluss.

Wie viel kann ich sparen?
Besonders groß sind die Unterschiede zu den Tarifen der großen Netzbetreiber. Bei der Telekom zahlen Nutzer knapp 85 Euro und bei Vodafone fast 80 Euro (Prepaid) oder fast 60 Euro (24-Monats-Vertrag) für „Unlimited“. Am ehesten Konkurrenz macht den beiden Platzhirschen am Markt bislang der dritte Netzbetreiber Telefónica/02, der im Rahmen einer Preisaktion derzeit zwischen knapp 25 und 40 Euro für „Unlimited“ verlangt. Auch der Betreiber des vierten, noch im Aufbau befindlichen Mobilfunknetzes 1&1 stellt rund 40 Euro in Rechnung.

Wo liegen die Haken?
Eine gewisse Unsicherheit bringt das Mobilfunknetz mit sich. Alle Unlimited-Tarife für um 20 Euro werden im Netz von Telefónica/O2 realisiert, das in neutralen Tests zwar immer besser abschneidet und mit den Netzen von Telekom und Vodafone oft auch schon mithält, aber in der einen oder anderen Region – vor allem auf dem flachen Land – doch noch Lücken aufweisen kann. „Was nützt der ultracoole Tarif, wenn man an vielen Orten kein Netz hat“, warnt Teltarif.de-Experte Gajek.

Für alle, die Telefónica/O2 noch nicht kennen, empfiehlt es sich daher, selbst einen Test des Netzes vorzunehmen. Dazu können die Tarife – gegen einen kleinen Aufpreis – mit einmonatiger Laufzeit gebucht werden. So kostet der Monatstarif von HappySim gerade einmal 1 Euro mehr als der 24-Monate-Tarif. Verläuft der Test gut, kann kurzfristig auf einen längeren Tarif umgestellt werden. Der Provider O2 bietet zudem eine sogenannte „Testkarte“ an, mit der man das Netz 30 Tage lang sogar kostenlos und unverbindlich (mit unbegrenzter Datenmenge) ausprobieren kann.

Bin ich schnell genug?
Ein weiterer möglicher Schwachpunkt ist die Datengeschwindigkeit. Die Tarife für unter 20 Euro bieten nur bis zu 15 Megabit/Sekunde (Mbit/s). Für die häufigsten Nutzungen, wie Surfen im Internet, E-Mail, Messenger, Musik und Filme in Standardqualität, ist dies in der Regel zwar ausreichend, nicht aber für höhere Ansprüche wie Streams in 4K/UHD, große Downloads, etwa von Spielen, oder parallele Anwendungen. Da kann es zum Ruckeln und zu Aussetzern kommen.

Zu bedenken ist dabei auch, dass 15 Mbit/s nur das maximale Tempo ist, das unter schlechten Empfangsbedingungen nicht unbedingt erreicht wird. Für Kunden, denen das zu langsam und unsicher ist, bieten die Discounter Unlimited-Alternativen an, die noch vergleichsweise günstig sind. So gibt es bei Handyhelden bis zu 50 Mbit/s für rund 25 Euro und bei Unlimited-Mobile 300 Mbit/s für knapp 30 Euro im Monat.

x