Meinung Elektrifizierung von Schienenstrecken: Rheinland-Pfalz weit hinten

Zu den Strecken, auf denen bald die Dieselloks abgelöst werden, gehört die schwäbische Südbahn von Ulm nach Friedrichshafen.
Zu den Strecken, auf denen bald die Dieselloks abgelöst werden, gehört die schwäbische Südbahn von Ulm nach Friedrichshafen.

Bei der Elektrifizierung von Schienenstrecken zeichnen sich Fortschritte vor allem in Süddeutschland ab. Rheinland-Pfalz droht den Anschluss zu verpassen.

Wenn ein Bundesland in einem Ranking auf dem drittletzten Platz liegt, ist das sicher kein Ruhmesblatt. Die Fairness gebietet allerdings klarzustellen, dass diese Auflistung auch ihre Tücken hat. So erklärt sich der auf den ersten Blick sehr gute Wert des Saarlands auf Platz vier nicht zuletzt dadurch, dass der größte Teil der nicht elektrifizierten Zweigstrecken dort stillgelegt worden ist. Die Reaktivierung beispielsweise der Bahnstrecke von Winden nach Weißenburg, über die ab Ende 2024 im Stundentakt Züge von Neustadt nach Straßburg fahren sollen, war 1997 ein großer Erfolg, auch wenn dadurch die Elektrifizierungsquote des Pfälzer Bahnnetzes leicht gesunken ist.

Diese Relativierung ändert allerdings nichts daran, dass Rheinland-Pfalz in puncto Elektrifizierung einen großen Nachholbedarf hat. In der Pfalz gilt das vor allem für die Strecke von Neustadt nach Wörth.

Inzwischen ist etwas klarer, wie sich die Bundesregierung die Finanzierung künftiger Elektrifizierungen vorstellt. Mittel aus der Kapitalerhöhung für die Deutsche Bahn (DB), die im Klimaschutzpaket von September 2019 enthalten ist, sollen offenbar teilweise in ein Elektrifizierungsprogramm für Strecken mit Bedeutung vor allem für den Güterverkehr fließen.

Für Projekte, die in erster Linie dem regionalen Personenverkehr dienen, ist der Topf vorgesehen, der im Fachjargon mit der Abkürzung GVFG für Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz bezeichnet wird. Hier ist noch einiges unklar, aber immerhin steht in diesem Topf mittelfristig sehr viel mehr Geld zur Verfügung als bisher. Allerdings gibt es auch deutlich mehr Projekte, die dafür in Frage kommen. Es zeichnet sich deshalb ab, dass es auch um die erhöhten Mittel erhebliche Verteilungskämpfe geben wird. In Baden-Württemberg ist das große Hochrhein-Projekt schon weit gediehen, Bayern finanziert für das Oberlandbahn-Netz sogar schon selbst Planungsarbeiten. Im Vergleich dazu wirkt die Bezeichnung schlafmützig für das Verhalten von Rheinland-Pfalz eher noch wohlwollend.