Sparen mit der Rheinpfalz RHEINPFALZ Plus Artikel Einfache Tricks, dickes Sparpotenzial

Sieben Grad Innentemperatur im Kühlschrank und minus 18 Grad im Eisfach reichten voll aus, sagen Verbraucherschützer.
Sieben Grad Innentemperatur im Kühlschrank und minus 18 Grad im Eisfach reichten voll aus, sagen Verbraucherschützer.

Kein Stand-by-Modus, Heizung runterregeln, kürzer duschen, Waschmaschine voll beladen: Jeder kann sich einen Ruck geben und daheim den Energieverbrauch drosseln. Manchmal bringt auch die Summe kleiner Maßnahmen viel.

Sollte ich mein Wohnverhalten ändern?
Immer mehr Unternehmen legen wegen massiv steigender Energiekosten gerade eiserne Sparprogramme für den Winter auf. Kommunen drosseln strikt ihren Energieverbrauch, wo immer es geht. Und was tun Privathaushalte, um die Kosten für Gas, Strom, Wasser, Heizöl einigermaßen im Griff zu behalten? „ Immer mehr Bürger sind alarmiert und bereit, ihr Wohnverhalten zu ändern, es geht jetzt um nicht weniger als das eigene Portemonnaie“, betont Joshua Jahn, Energieexperte der Verbraucherzentrale Brandenburg. In Millionen Haushalten in Deutschland stecke enormes Einsparpotenzial. Von der Küche bis in den Keller: Selbst kleine Veränderungen können den Geldbeutel entlasten: beim Abspülen, Wäsche waschen, Online arbeiten. Stiftung Warentest hält für Familien eine Ersparnis von bis zu Tausend Euro im Jahr für machbar, ohne größere Investitionen.

Was kann ich bei der Zimmerwärme tun?
Etwa 70 Prozent des Energieverbrauchs entfallen auf die Raumwärme. Hier könnten selbst kleinste Tricks schon viel Ersparnis bringen, erläutert Markus Jugan, Vorsitzender des Bundesfachausschusses Immobilienverwalter beim Immobilienverband Deutschland (IVD). Es muss ja nicht gleich ein hydraulischer Abgleich der Heizung sein, für den bis zu 1000 Euro hingeblättert werden müssen. Oft hilft es schon, wenn die Heizungsregelung mit ein paar Handgriffen so optimiert wird, dass bei den Heizzeiten und der Vorlauftemperatur gespart werden kann. Jedes Grad weniger an Raumtemperatur spart 6 Prozent an Heizkosten, betont auch Jahn. „Es muss nicht 24 Grad warm sein im Raum, 22 oder 23 Grad tun es meist auch, ohne dass jemand frieren muss im Winter.“ Jeder kann gluckernde Heizkörper selbst entlüften, die vor allem nicht durch Möbel oder schwere Vorhänge verdeckt sein sollten. Das kostet keinen Cent, bringt aber viel Wärme in die Wohnräume.

Wie kann ich die Kosten im Bad drücken?
Rund 14 Prozent der Energiekosten eines Haushalts gehen für warmes Wasser drauf. Die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen rechnet es vor: Im Schnitt gibt jeder Warmduscher für eine achtminütige Dusche mit 38 Grad warmem Wasser etwa 1,38 Euro aus – und aufs Jahr gerechnet stolze 503 Euro, wenn er tatsächlich täglich duscht. Wer nur ein wenig kürzer oder etwas seltener unter dem Wasserstrahl steht und die Temperatur ein bisschen reduziert, kann sein Konto wie auch die Umwelt schonen, gibt Jahn zu bedenken. Was Sparsamkeit beim Duschen bringt, kann jeder online selbst berechnen unter www.verbraucherzentrale.nrw/duschrechner.

Was bringen Sparduschkopf und Perlatoren?
Für etwa 20 Euro kann ein Sparduschkopf angeschafft werden, der Luft untermischt. Das reduziert die Wassermenge um bis zu 50 Prozent. Auch der Durchfluss am Wasserhahn lässt sich kostengünstig mithilfe von Spar-Perlatoren begrenzen. „Beide Vorrichtungen sind leicht auszutauschen, das kann jeder selbst machen“, betont Jahn. Vollbäder kommen im Vergleich zum Duschen besonders teuer zu stehen. Auch wer die Hände mit kaltem Wasser wäscht, spart Energie und Geld.

Geschirr besser in die Spülmaschine oder von Hand spülen?
Wer beim Kochen viele Töpfe und Pfannen benutzt hat, sollte sie nicht in die Spülmaschine stecken, sondern per Hand abspülen. Wer häufig das Spülwasser wechselt, sollte die Spülmaschine vorziehen, rät Jahn. Und stets das Ökoprogramm statt des Kurzprogramms wählen. Das spart Wasser und Energie, auch wenn die Maschine deutlich länger läuft. Das Gerät sollte möglichst voll beladen sein.

Wie nutze ich den Kühlschrank sparsam?
Wer auf optimale Temperaturen in seinem Kühlschrank achtet, kann ebenfalls sparen. Sieben Grad Innentemperatur und minus 18 Grad im Eisfach reichten voll aus, betont Jahn. Schon ein Grad weniger steigert den Stromverbrauch jeweils um 6 Prozent. Ist das Gefrierfach vereist, steigt der Stromverbrauch um bis zu 15 Prozent. Regelmäßig abtauen bringt viel. Die Kühlschranktür minutenlang offenstehen zu lassen oder warme Speisereste hineinzustellen, das geht ins Geld, mahnt Jahn. Außerdem gilt: Je kühler die Umgebung rund um den Kühlschrank, desto weniger muss der Kompressor laufen. Eine um zehn Grad niedrigere Umgebungstemperatur senkt den Verbrauch um ein Viertel. Je älter ein Gerät ist, desto mehr lässt sich so sparen. Alte Kühl-Gefrier-Kombis können im Haushalt jährlich Stromkosten von 130 Euro verursachen. Moderne Spargeräte begnügen sich mit 65 Euro.

Wie kann ich bei der Kleiderwäsche sparen?
Ein Stromfresser ist der Wäschetrockner. Bei älteren Geräten, die schon 15 Jahre und mehr auf dem Buckel haben, kostet jeder Trockengang etwa 1,50 Euro, bei jüngeren Geräten weniger als 1 Euro. „Wer auf flauschige Handtücher verzichten kann, sollte die gute alte Wäscheleine wählen, an der Luft trocknen kostet 0 Cent“, betont Jahn. Für Waschmaschinen gilt: Die Geräte sollten nicht eingeschaltet werden, wenn sie nur halbvoll sind, sondern nur dann, wenn sie möglichst voll beladen sind. Niedrige Temperaturen sowie Ökoprogramme wählen, spart obendrein. Auch bei 30 und 40 Grad wird die Wäsche sauber. Die meiste Energie geht fürs Aufheizen des Wassers drauf. Nur für Bettwäsche oder stark verschmutzte Sachen sollte der 60-Grad-Waschgang gewählt werden.

Wie sieht es im Heimbüro und am Computer aus?
Wer etwa 3,5 Stunden pro Tag mit Computerspielen verbringt, verbraucht im Jahr rund 380 Kilowattstunden Strom – dafür könnte er oder sie rund 500 Mal die Wäsche waschen oder ein Jahr lang zwei Kühl-Gefriergeräte betreiben, wie Verbraucherschützer berechnet haben. Wer seine Geräte nicht ständig im Stand-by-Modus, also in ständiger Bereitschaft, laufen lässt, kann ebenfalls ordentlich Strom sparen, betont Jahn. Spielekonsolen, Fernseher, Receiver, Computer, Monitore, Drucker, Wlan-Router gehören bei Nichtnutzung komplett vom Netz. „Etwa 10 Prozent des Stromverbrauchs im Haushalt gehen im Stand-by-Betrieb flöten“, erklärt der Verbraucherschützer. Über vorgeschaltete Steckerleisten lässt sich die Einsparung schnell und kostengünstig umsetzen.

Was kann ich im Keller tun?
Wer nackte Heizungsrohre im Keller hat, sollte sie dämmen. Sonst geht viel Energie verloren. Die Ummantelung gibt es im Baumarkt. Sie ist leicht anzubringen und kostet nicht die Welt, so Jahn. Ein Energiespartrick, der etwas mehr Investition erfordert, ist die Dämmung der Kellerdecke. Mit einer guten Abdichtung von unten, also im unbeheizten Kellerraum an der Decke angebracht, könnten Hausbesitzer im Erdgeschoss bis zu 7 Prozent Energie sparen und wärmere Füße bekommen, wie der Verband privater Bauherrn erklärt. Mit etwas Geschick könnten Hobby-Handwerker die Arbeit selbst erledigen. Das Material gibt es in jedem Baumarkt. Es sollte eine geringe Wärmeleitfähigkeit aufweisen und lässt sich entweder mit Kleber oder Dübeln anbringen.

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