Wirtschaft
Ein Cent pro Tüte: Durchsichtiges Ablenkungsmanöver
Dass alle Plastiktüten bei Aldi Geld kosten sollen, ist konsequent, lenkt aber vom eigentlichen Problem ab: Viele Waren sind in Plastik verpackt.
Der Stoffbeutel in der Handtasche, im Rucksack oder der Aktentasche: Der kleine Alltagshelfer könnte überall griffbereit vorhanden sein, wenn es die Verbraucher nur wollten. Es muss gar nicht die sperrige Jutetasche sein: Die kleinen hochreißfesten Kunstfasertaschen sind handlich, robust, leicht und hübsch. Es ist nur eine Frage von etwas Selbsterziehung, damit der gebrauchte Beutel nach seinem Einsatz Papiertaschentuch-klein gefaltet wieder eingepackt wird, um für den nächsten Gebrauch griffbereit zu sein. Kurz gesagt: Plastiktüten, dick oder dünn, braucht kein Mensch. Selbst in Bekleidungsgeschäften geht es neuerdings ohne.
Schaler Beigeschmack
Allerdings hat die Ankündigung eines führenden Discounters, auch auf die dünnen Beutelchen zu verzichten, die für Obst, Gemüse und Salat gedacht sind, einen schalen Beigeschmack. Viel zu viele Waren sind nämlich ohnehin schon in Plastikschalen und -folien, -tüten und -hüllen verpackt. Und bei weitem nicht nur Lebensmittel. Auch Aktions- und andere Ware wird in aufwendigen Kunststoffumhüllungen in den Verkehr gebracht. Manche von ihnen widersetzen sich dem Versuch der Öffnung mit einer Hartnäckigkeit, die manchem Verbraucher den Schweiß auf die Stirn treten lässt und Schnittverletzungen an den Händen nahezu unvermeidlich macht. Dabei täte es in vielen Fällen eine Pappschachtel statt glänzenden Kunststoffs. Oder ein Netz statt einer Folie. Oder eben: gar nichts.