Meinung
Discounter in Frankreich: Geiz ist nicht immer geil
Lange haben die Franzosen mit den Discountern im eigenen Land gefremdelt. Anders als ihre deutschen Nachbarn schauen sie beim Einkauf fürs Essen weniger aufs Geld. Der Slogan „Geiz ist geil“ zieht in Frankreich zumindest bei Lebensmitteln nicht immer. Inzwischen hat sich diese Einstellung allerdings grundlegend geändert. Das ist auch Lidl zu verdanken. Das deutsche Unternehmen hat einen langen Atem bewiesen und immer wieder versucht, die französischen Kunden mit neuen Strategien in die Märkte zu locken. Nun scheint der Discounter den Nerv getroffen zu haben, ihm ist es geglückt, zu einer Art Premium-Anbieter unter den Billig-Marken zu werden.
Die Idee, die Franzosen mit qualitativ hochwertigen Non-Food-Produkten zu ködern, die zu einem unschlagbar niedrigen Preis über den Ladentisch gehen, hat sich ausgezahlt. Gleichzeitig wurden die Filialen aufgehübscht, um sie von ihrem Billig-Image zu befreien. Das hilft natürlich auch anderen Discountern. Zusammen mit Aldi steht Lidl inzwischen für 10 Prozent des Umsatzes mit Konsumgütern in Frankreich.
Preisschlacht
Die Corona-Pandemie und ihre Folgen dürften den Discountern zu einem weiteren Aufschwung verhelfen. In wirtschaftlich eher unsicheren Zeiten wird mancher Konsument auch in Frankreich beim Einkauf jeden Cent zweimal umdrehen müssen. Das hat unweigerlich auch Auswirkungen auf die großen Vollsortimenter wie Carrefour, die der billigen Konkurrenz das Feld nicht kampflos überlassen. Sie werden unter anderem mit Sonderangeboten die Preisschlacht weiter anheizen.
Das alles kommt für den Branchenriesen Carrefour allerdings zur Unzeit. Das Unternehmen befindet sich in einem grundlegenden Umbau. Reagiert wird auf die veränderten Einkaufsgewohnheiten vieler Kunden, denn nicht nur die Discounter machen den traditionellen Supermärkten zu schaffen. Konkurrenz kommt vor allem von den Online-Händlern, den großen Gewinnern der Pandemie.
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