Bahnverkehr Deutschlandticket: Keine Kündigungswelle trotz höheren Preises

Ungeachtet aller Probleme im Bahnverkehr ist die Nachfrage hoch. Rund 13,5 Millionen Nahverkehrskunden haben ein Deutschlandtick
Ungeachtet aller Probleme im Bahnverkehr ist die Nachfrage hoch. Rund 13,5 Millionen Nahverkehrskunden haben ein Deutschlandticket. Das Foto zeigt einen Regional-Express auf der häufig von Betriebsstörungen gebeutelten Linie von Neustadt über Landau (Foto) nach Karlsruhe.

Obwohl zum Jahresanfang das Deutschlandticket deutlich teurer geworden ist, haben die meisten der über 13 Millionen Nutzer ihr Abo für den Nahverkehr behalten.

„Wir sehen definitiv keine Kündigungswelle durch die Preiserhöhung“, sagte Ingo Wortmann, der Präsident des Verbands Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV), am Montag in Berlin. Die Kündigungsquote lag dem VDV zufolge im Januar 2025 bei 8,1 Prozent. Im Jahr 2024 lag sie im Schnitt monatlich bei rund 7 Prozent.

Das Deutschlandticket, das deutschlandweit im öffentlichen Nahverkehr einschließlich aller Regionalzüge gilt, wurde im Mai 2023 eingeführt und kostete zunächst monatlich 49 Euro. Das Ticket ist ein Abo, kann aber schon nach einem Monat wieder gekündigt werden.

Preis auf 58 Euro im Monat gestiegen

Zum Anfang dieses Jahres stieg der Preis auf monatlich 58 Euro. Mit der Preiserhöhung um rund 18 Prozent war das Risiko verbunden, dass die Anzahl der Nutzer deutlich zurückgeht und damit die erhofften Einnahmesteigerungen weitgehend ausbleiben. Anscheinend empfindet der größte Teil der Nutzer das Preis-/Leistungs-Verhältnis aber auch mit dem höheren Preis als attraktiv genug, um das Ticket zu behalten.

Die aktuelle Anzahl der Deutschlandticket-Nutzer beziffert der VDV auf rund 13,5 Millionen. Dass Ziel, bis Ende 2024 auf rund 15 Millionen Abos zu kommen, wurde allerdings um rund 10 Prozent verfehlt. Als mögliche Gründe gelten die mangelnde Zuverlässigkeit des Nahverkehrs nicht zuletzt wegen Streiks der Gewerkschaften GDL und Verdi sowie die anhaltende Ungewissheit über die Zukunft des Tickets wegen des fast permanenten Streits zwischen Bund und Ländern über die Finanzierung.

Finanzierung der Angebots nur für 2025 gesichert

Nach dem Bruch der Ampelkoalition im vergangenen Herbst brachen CDU und CSU erst in letzter Minute einen Versuch ab, die Finanzierung des Angebots für 2025 zu sabotieren. Dabei ging es lediglich um einen Beschluss, der eher als Formsache in einer politisch eigentlich unstrittigen Frage galt. Gesichert ist das Ticket zu dem schon vorher festgelegten erhöhten Preis nun aber nur für das Jahr 2025.

Der Bund gibt pro Jahr einen Zuschuss von 1,5 Milliarden Euro, um Einnahmeausfälle bei Verkehrsbetrieben auszugleichen, denn die meisten ÖPNV-Abos waren zuvor deutlich teurer. Die Länder geben ebenfalls zusammen 1,5 Milliarden Euro. Eine VDV-Hochrechnung für 2024 hat ergeben, dass die Branche 3,45 Milliarden Euro an Ausgleichszahlungen benötigt habe. „Die von Bund und Ländern jährlich zur Verfügung gestellten 3 Milliarden Euro werden dauerhaft nicht ausreichen, um den Verlust der Branche auszugleichen“, sagte VDV-Präsident Ingo Wortmann. „Für eine langfristige Finanzierung des Deutschlandtickets braucht es verbindlich zugesagte Mittel von Bund und Ländern in ausreichender Höhe und inklusive einer jährlichen Dynamisierung, damit das Ticket für die Fahrgäste preislich attraktiv bleiben kann.“ Die Spielräume für weitere Preiserhöhungen seien begrenzt, betonte VDV-Hauptgeschäftsführer Oliver Wolff.

Streit um weitere Finanzierung

Bayerns Verkehrsminister Christian Bernreiter (CSU), Vorsitzender der Verkehrsministerkonferenz, sagte: „Für die Länder war es ein Kraftakt, den Bund dazu zu bringen, seine Finanzierungszusagen für das Deutschlandticket einzuhalten. Für 2025 ist das Ticket gesichert, aber langfristig muss die neue Bundesregierung über die Zukunft des Tickets entscheiden. Aus bayerischer Sicht muss der Bund die Kosten künftig ganz übernehmen, schließlich war das Deutschlandticket – wie der Name schon sagt – ein Wunsch des Bundes.“

Nordrhein-Westfalens Verkehrsminister Oliver Krischer (Grüne), der Vorgänger Bernreiters als Vorsitzender der Verkehrsministerkonferenz, sagte, das Ticket sei eine Erfolgsgeschichte. „Eine der ersten Aufgaben der neuen Bundesregierung muss es sein, die Finanzierung des Tickets langfristig abzusichern.“ Der Bund müsse sich an der Finanzierung dauerhaft mindestens hälftig beteiligen.

Das Ticket sei ein entscheidender Baustein für die Mobilitätswende, sagte Niedersachsens Verkehrsminister Olaf Lies (SPD). Die Zukunft des Tickets müsse nachhaltig gesichert werden. „Wir müssen weg von dieser wiederkehrenden Hängepartie bis kurz vor Torschluss.“ Auch der Bund müsse das Ticket weiter mitfinanzieren. „Wir sollten weiter bei einer hälftigen Aufteilung aller Kosten bleiben.“

Anzahl der Fahrgäste auf 9,8 Milliarden gestiegen

Die Fahrgastzahlen im öffentlichen Nahverkehr sind im vergangenen Jahr weiter gestiegen: Rund 9,8 Milliarden Menschen hierzulande nutzten laut VDV Bus und Bahn, 2023 waren es 9,4 Milliarden. Den Anstieg der Fahrgastzahlen nannte VDV-Präsident Wortmann, „sehr zufriedenstellend“. Die Branche nähere sich den Zahlen von vor der Pandemie weiter an, in größeren Städten seien diese bereits wieder erreicht worden. „Auch nach Corona boomt der Nahverkehr in Deutschland weiter“, sagte Wortmann.

Die Einnahmen der Verkehrsunternehmen stiegen von rund 14,2 Milliarden Euro 2023 auf etwa 16,1 Milliarden Euro im vergangenen Jahr. Allerdings hätten die Unternehmen mit steigenden Personalkosten, weiter hohen Energiekosten und auch dem Fachkräftemangel zu kämpfen, so der VDV.

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Eckhard Buddruss ist der Bahn-Experte der RHEINPFALZ. In seinem kostenlosen Newsletter informiert er Sie alle zwei Wochen über Investitionen, Entwicklungen und Abseitiges bei der Deutschen Bahn und im öffentlichen Nahverkehr der Pfalz. Für alle, die wissen wollen, wie es mit dem Zugverkehr in der Region weiter geht.

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