Wirtschaft
Der große Bankenpoker um die Commerzbank-Übernahme
Nach erfolgreicher Sanierung schien die Commerzbank endlich wieder im Aufwind, doch durch die Übernahmeavancen der italienischen Konkurrentin Unicredit steht das zweitgrößte private Geldhaus Deutschlands plötzlich von allen Seiten unter Druck. Die Commerzbank wurde kalt erwischt, die Konzernführung hat offenbar noch keinen Plan zur Abwehr der Unicredit, die auf einmal ihr zweitgrößter Aktionär ist. Arbeitnehmervertreter fürchten noch mehr Kostendruck und schlagen Alarm.
Unicredit-Chef Andrea Orcel warb zuletzt im Interview mit dem „Handelsblatt“ für eine Komplettübernahme: „Eine Zusammenführung beider Banken könnte zu einem erheblichen Mehrwert für alle Stakeholder führen und würde einen deutlich stärkeren Wettbewerber auf dem deutschen Bankenmarkt schaffen.“ Commerzbank-Chef Manfred Knof reagierte zurückhaltend. „Wenn jemand anderes gute Ideen hat und die dann vorlegt, sind wir professionell genug und schauen uns die Dinge dann an und werden sie auch verantwortungsvoll prüfen“, sagte er am Rande einer Veranstaltung in Berlin. Doch es ist kein Geheimnis, dass das Buhlen der Unicredit auf wenig Gegenliebe trifft.
Keine zweite Amtszeit für Knof
Denn auch wenn das Interesse aus Italien grundsätzlich bekannt war und in der Vergangenheit schon oft genug über einen Zusammenschluss spekuliert wurde, kommt der Vorstoß aus Mailand für die Commerzbank zur Unzeit. Das hat auch mit Knof selbst zu tun. Der erst 2021 angetretene Vorstandschef hatte erst vor wenigen Tagen verkündet, dass er nach Vertragsablauf Ende 2025 nicht für eine zweite Amtszeit zur Verfügung stehe. Kurz danach gab die Unicredit bekannt, eine beträchtliche Aktienbeteiligung an der Commerzbank aufgebaut und Interesse an einer Übernahme zu haben. Statt in Ruhe die Nachfolge Knofs regeln zu können, herrscht nun Aufruhr und noch mehr Ungewissheit.
Die Commerzbank spielt zunächst auf Zeit, viel anderes bleibt ihr auch nicht übrig. Entscheidend dürfte sein, wie sich der Bund positioniert. Er hält nach der Teilverstaatlichung im Zuge der Finanzkrise 2008 noch immer rund 12 Prozent an dem Geldhaus und ist damit der größte Aktionär. Die Bundesregierung war es auch, die – wohl unfreiwillig oder zumindest ungeplant – dem Vorstoß der Unicredit den Weg ebnete. Denn rund die Hälfte ihrer 9-prozentigen Beteiligung kauften die Italiener als Aktienpaket vom deutschen Staat, der seinen Anteil nach rund 16 Jahren reduzieren wollte. Die Unicredit gab das höchste Gebot ab, der Bund musste ihr daraufhin den Zuschlag erteilen.
Als sich hinterher herausstellte, dass die Italiener sich parallel auch noch am freien Markt mit Aktien eingedeckt hatten und nun aufs Ganze gehen wollen, war der Ärger groß. „Man kann es nicht anders sagen: Da ist offenbar alles schiefgegangen, was schiefgehen kann“, schimpfte CDU-Chef Friedrich Merz. Die Regierung müsse erklären, wer die Entscheidung über den Verkauf getroffen habe, ob Aufsichtsbehörden einbezogen wurden und ob der Bundeskanzler informiert gewesen sei. Fest steht: Besonders für die Commerzbank ist der Einstieg der Unicredit eine böse Überraschung, da der Teilausstieg des Bunds nach all den Jahren unter der staatlichen Fuchtel eigentlich eine Befreiung hätte sein sollen. Jetzt hat man einen noch unangenehmeren Quälgeist im Haus. Denn auch wenn es nicht zur Übernahme käme – die Italiener haben bereits deutlich gemacht, dass auch als kostendrückender und renditefordernder Großaktionär mit ihnen zu rechnen ist.