Lkw-Bauer RHEINPFALZ Plus Artikel Daimler Truck: Gewinn bricht um 80 Prozent ein

In Wörth werden seit den 1960er Jahren Lkw produziert.
In Wörth werden seit den 1960er Jahren Lkw produziert.

Für Daimler Truck hat das Jahr denkbar schlecht begonnen. Hoffnung macht dem Konzern allerdings ein kräftiges Plus bei den Aufträgen.

Der Nutzfahrzeughersteller Daimler Truck hat im ersten Quartal 80 Prozent weniger Gewinn gemacht als ein Jahr zuvor. Das Konzernergebnis sackte von 749 Millionen Euro auf nur noch 149 Millionen Euro ab, wie der Dax-Konzern aus Leinfelden-Echterdingen bei Stuttgart mitteilte. Auch beim Umsatz lief es alles andere als rund. Die Erlöse gingen um 13 Prozent auf 9,98 Milliarden Euro zurück.

Besonders stark bremste nach Angaben des Unternehmens das Nordamerika-Geschäft. Genau dort drückt der Schuh schon länger. Bereits im vergangenen Jahr hatte Daimler Truck in Nordamerika einen historisch schwachen Auftragseingang verbucht – mit spürbaren Folgen für das laufende Geschäftsjahr.

Zollkonflikt mit Donald Trump

Auch bei den Bussen kam der Konzern ins Stolpern: Nach der Erholung von der Corona-Flaute wurden zum Jahresauftakt wieder deutlich weniger Fahrzeuge verkauft. Weltweit setzte Daimler Truck im ersten Quartal 68.849 Lastwagen und Busse ab. Das waren 9 Prozent weniger als ein Jahr zuvor.

Die jüngste Zoll-Ansage von US-Präsident Donald Trump vom 1. Mai – 25 Prozent auf Fahrzeuge aus der EU – dürfte die Produktion in Deutschland dagegen kaum treffen. Zum einen wurden schwere Lkw in den USA traditionell häufig ohnehin schon höher verzollt, teils nahe an der 25-Prozent-Marke. Zum anderen stellte Daimler-Truck-Finanzchefin Eva Scherer am Mittwoch bei einer Pressekonferenz zu den Quartalszahlen klar: „Grundsätzlich exportieren wir keine montierten Lkw aus Deutschland in die USA.“ Den Zollkonflikt zwischen den USA und der Europäischen Union beobachte der Konzern dennoch sehr genau.

Aufträge steigen deutlich

Immerhin: Bei den Auftragseingängen gibt es einen Lichtblick. Die Bestellungen stiegen im ersten Quartal im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 50 Prozent. In den USA hätten sich die Auftragseingänge sogar noch deutlicher erholt.

„Wir sind gut aufgestellt, um im weiteren Jahresverlauf trotz eines herausfordernden ersten Quartals weitere Verbesserungen zu erzielen“, sagte Daimler-Truck-Chefin Karin Radström. „Diese Dynamik dürfte sich in den kommenden Quartalen positiv auf unsere Geschäftsentwicklung auswirken.“

Gut für Wörth: In der Sparte Mercedes-Benz Trucks, deren Lastwagen zu einem großen Teil im Lkw-Werk in Wörth mit rund 10.000 Mitarbeitern gebaut werden, läuft das Geschäft deutlich besser. Im ersten Quartal legten die Auftragseingänge um 33 Prozent zu, auch Absatz (plus 13 Prozent) und Umsatz (plus 4 Prozent) stiegen.

Konkret setzte Mercedes-Benz Trucks im ersten Quartal 2026 weltweit 34.486 Fahrzeuge ab (Q1 2025: 30.645). Treiber waren vor allem Europa, Brasilien und Indien. In Deutschland kletterte der Absatz leicht auf 4107 Fahrzeuge (3928).

Wörth braucht gute Nachrichten

Die gute Entwicklung in Europa habe die Auslastung im Werk Wörth steigen lassen, berichtete der neue Standortleiter Thomas Twork am Mittwoch. Twork hat den Posten am 1. April von Andreas Bachhofer übernommen und war zuvor Standortverantwortlicher des Werks Gaggenau. Der Neue dankte „der gesamten Mannschaft für die starke Leistung im ersten Quartal“. Diese zeige, dass hohe Produktivität, Effizienz und Qualität in der Montage die Grundlage für die Wettbewerbsfähigkeit des Werks Wörth seien. Er sei stolz darauf, ab sofort „Teil dieses fantastischen Teams“ zu sein.

Von Twork wird auch erwartet, dass er die Stimmung am Südpfälzer Standort beruhigt. Rund um die Betriebsratswahlen im Frühjahr gab es Berichte über Bedrohungen, Beleidigungen und Angriffe.

Jetzt kann das Lkw-Werk positive Nachrichten gut gebrauchen. Ende März sorgte Daimler Truck mit der Ankündigung für miese Stimmung, im tschechischen Cheb einen neuen Standort zu bauen, der Aufträge aus Wörth übernehmen soll. Schon ab 2030 sollen dort jährlich bis zu 25.000 Fahrzeuge vom Band laufen. Zum Vergleich: In Wörth wurden im vergangenen Jahr 66.000 Lkw gebaut – das waren ohnehin deutlicher weniger als zuletzt. Der Rekord liegt im Jahr 2023 bei 97.000 Fahrzeugen.

Massives Sparprogramm

Mit der Cheb-Entscheidung ist auch klar: In Wörth werden künftig noch weniger Lkw gebaut – und entsprechend weniger Arbeitskräfte benötigt (zuletzt rund 10.000). Immerhin: Für die Stammbelegschaft gilt eine Beschäftigungsgarantie bis Ende 2034.

Daimler Truck ist schon seit längerem wirtschaftlich angeschlagen. Die Pläne für das Werk in Cheb stehen in Zusammenhang mit dem Sparprogramm „Cost Down Europe“, mit dem bis 2030 die jährlichen Kosten in Europa um mehr als eine Milliarde Euro gesenkt werden sollen.

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