Wirtschaft CSU: Deutscher Wein in jeder Botschaft

Die Pfälzer SPD-Abgeordnete Isabel Mackensen-Geis beklagt eine strukturelle Krise der Weinbranche.
Die Pfälzer SPD-Abgeordnete Isabel Mackensen-Geis beklagt eine strukturelle Krise der Weinbranche.

Der Bundestag hat Wege aus der Weinkrise debattiert. Der unkonventionellste Vorschlag kam von einem bayrischen Abgeordneten.

Für einen steilen Vorschlag ist sich die CSU bekanntlich nie zu schade, und so war es dann auch am Donnerstag, als das Plenum über Perspektiven für die Landwirtschaft und den Weinbau debattierte. Er halte es für ein gutes Signal, dass in jeder Botschaft ein Bild des Bundespräsidenten und des Außenministers hängt, sagte der CSU-Abgeordnete Artur Auernhammer. „Und ich fände es erst recht ein wichtiges Signal, wenn auf jedem Tisch einer deutschen Botschaft auf der Welt deutscher Wein ausgeschenkt wird! Da haben wir noch Luft nach oben. Wir müssen für unsere deutschen Produkte einstehen.“

Deutscher Wein für deutsche Botschaften also. Klingt schräg, trifft aber den Kern eines Problems: Der Wein-Konsum im Land sinkt, der Export wird schwieriger und der Marktanteil des deutschen Weins in Deutschland ist erschreckend gering.

Wie dramatisch die Lage ist, zeigen neue Zahlen vom Deutschen Weininstitut. Den Experten zufolge ist der Weinkonsum in Deutschland im Jahr 2024 weiter gesunken, von 22,2 auf 21,5 Liter pro Person. Im Wirtschaftsjahr 2023/24 waren es noch 24,3 Liter. Das Institut erklärt den Rückgang mit einem veränderten Konsumverhalten, höheren Lebenshaltungskosten sowie den demografischen Wandel in Deutschland. Insgesamt wurden in Deutschland 15,3 Millionen Hektoliter Wein konsumiert.

„Das ist keine Momentaufnahme, das ist eine strukturelle Krise, die den gesamten Sektor betrifft“, warnte die SPD-Abgeordnete Isabel Mackensen-Geis (Neustadt-Speyer) und drängte auf eine schnelle Umsetzung des EU-Weinpaketes in deutsches Recht. „Das Paket setzt wichtige Impulse“, sagte sie. „Eine bessere Abstimmung von Angebot und Nachfrage, bis zu 80 Prozent Förderung für Klimaanpassungen, digitale Etiketten, mehr Flexibilität bei Pflanzrechten, klare Regeln für alkoholfreie und alkoholreduzierte Weine, sowie die Förderung der ländlichen Wirtschaft durch Weintourismus.“

Nur 42 Prozent Marktanteil

Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer (CSU) versicherte: „Wir haben die schwierige Lage der Weinbauern erkannt und werden Sie unterstützen.“ Er verteidigte die Investition von einer Million Euro für eine Informationsoffensive gegen die Vorwürfe, er würde die Deutschen zu mehr Alkoholkonsum anstacheln wollen. „Es geht nicht darum, mehr zu trinken, es geht darum, mehr deutschen Wein zu trinken“, so der Minister weiter. „Wenn wir in Deutschland 42 Prozent deutschen Wein trinken und in Österreich wird 90 Prozent österreichischer Wein getrunken, dann muss es erlaubt sein, darüber nachzudenken.“

Kritik an der Bundesregierung gibt es von den Grünen. Die Marketing-Millionen und das Geld für die Auslandsmessen seien lediglich ein Tropfen auf den heißen Stein, sagte der Abgeordnete Niklas Wagener (Grüne). „Die Bundesregierung hat keine Strategie, wie sie mit dem Klimawandel, mit dem massiven Strukturwandel im Weinbau umgehen, geschweige denn tragfähige Perspektiven für die Betriebe eröffnen will. Wir müssen attraktive Anreize schaffen, landschaftlich und touristisch wertvolle Steillagen und Weinterrassen weiter zu bewirtschaften.“

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