Tausend Stellen weg RHEINPFALZ Plus Artikel Bosch sichert Standort Homburg bis 2032

Bosch-Mitarbeiter am Mittwoch auf dem Weg zur Betriebsversammlung im Werk Homburg Ost.
Bosch-Mitarbeiter am Mittwoch auf dem Weg zur Betriebsversammlung im Werk Homburg Ost.

Für die Westpfalz zählen die Bosch-Werke im Saarland zu den wichtigsten Arbeitgebern. Einst arbeiteten 7300 Menschen hier, in 7 Jahren sollen es noch 2000 sein.

Das ganz große Unheil ist abgewendet. So sehen es die Industriegewerkschaft (IG) Metall und der Betriebsrat. Die Zentrale der Robert Bosch GmbH hatte im Herbst angekündigt, bis 2030 in Homburg 1250 Stellen zu streichen. Die Produktion von Injektoren für Personenwagen sollte bis nächstes Jahr enden.

Doch dann setzten sich Betriebsrat und Unternehmen zusammen und verhandelten. Wochenlang und nach Darstellung von Teilnehmern auch hart. Betriebsrätin Anke Glaeser: „Wir standen mehrfach vor dem Abbruch.“

Am Mittwoch stellten Betriebsrat und Werkleitung das Ergebnis in mehreren Bereichsversammlungen in den Werken Ost und West vor. Statt 1250 Stellen bis 2030 werden nun 1000 Stellen bis 2032 abgebaut: von derzeit 2700 auf 1700. Die momentan 3000 Mitarbeiter arbeiten auf 2700 Stellen, Ende 2032 sollen dann 2000 Mitarbeiter auf 1700 Stellen arbeiten. Maßgeblich für die Einhaltung des Verhandlungsergebnis ist die Stellenzahl, nicht die Mitarbeiterzahl.

Ausbildung bleibt

Die Anzahl der Ausbildungsplätze hätte halbiert, die Nachtschichtzulage und die Bosch-Zulage stark gekürzt werden sollen. Ab dem übernächsten Jahr wären betriebsbedingte Kündigungen möglich gewesen. Der Betriebsrat hat nach eigenen Angaben erreicht, dass Bosch Homburg auch weiterhin jährlich rund 35 Auszubildende und Dualstudenten einstellt. Ein Punkt, auf den der Betriebsratsvorsitzende Oliver Simon aus Dunzweiler (Kreis Kusel) besonderen Wert legte: „Ohne Einigung in der Frage der Ausbildung wäre das ganze Ding gescheitert.“

Laut Simon werden die Zulagen nur mild gekürzt. Bis 2032 wird es nun keine betriebsbedingten Kündigungen geben, wenn der jährlich vereinbarte Stellenabbau planmäßig erfolgt. Auch hier ist Simon zuversichtlich, denn auch bei Bosch nähern sich in den kommenden sieben Jahren die Boomer dem Ruhestand. Der Abbau soll sozialverträglich erfolgen, auch über das Angebot von Abfindungen.

In Homburg werden weiterhin Injektoren für Dieselmotoren gefertigt. Injektoren sind Düsen, die den Kraftstoff so in die Brennkammer spritzen, dass er optimal verbrennt. Allen Beteiligten ist klar, dass diese Technik ausläuft. Personenwagen, die mit reinen Verbrennungsmotoren fahren, werden nicht mehr lange hergestellt. Das trifft den Diesel- viel stärker als den Benzinmotor. Der Benzinmotor für Pkw wird vorläufig deshalb überleben, weil er im Gegensatz zum Diesel für Hybridmotoren geeignet ist. Benzin-Einspritzsysteme sind aber in Homburg nie gefertigt worden. Bosch wird sie auch nicht hierher verlagern.

Diesel bleibt Angelpunkt

Die Diesel-Injektoren für Personenwagen aus Homburg werden folglich nur noch wenige Jahre benötigt. Zurzeit werden diese Injektoren im Werk West in Homburg, an der Ausfallstraße in Richtung Autobahn 6 hergestellt. Wegen des erwarteten starken Rückgangs der Produktion wird das Werk West künftig nicht mehr benötigt und geschlossen. Die Verwaltung, die derzeit ebenfalls im Werk West sitzt, zieht um ins Werk Ost. Es wurde vereinbart, dass hier ein Neubau entsteht, der auch eine große Kantine erhalten soll.

Den unteren Teil des Werks West nutzt derzeit schon die Bosch-Tochter Rexroth, die Produkte überwiegend für landwirtschaftliche Geräte fertigt. Rexroth verbleibt auf der Fläche des Werks West und wird zusätzlich eine Halle auf dem Gelände nutzen, die Bosch räumt. Zur künftigen Nutzung der übrigen Hallen und Gebäude, die im Werk West frei werden, liefen derzeit Gespräche, sagte der Technische Werkleiter Stefan Hamelmann.

Künftig wird die Robert Bosch GmbH in Homburg nur noch das Werk Ost betreiben und hier zumindest bis zum Jahr 2032 Diesel-Injektoren für Nutzfahrzeuge, überwiegend Lastwagen, bauen. Werkleiter Hamelmann erwartet, dass der Diesel-Motor noch länger in Nutzfahrzeuge eingebaut wird, da sich die Alternativen nicht so schnell am Markt durchsetzen. Die 1700 Arbeitsplätze, die in Homburg verbleiben, hängen somit ganz wesentlich am Lkw-Diesel-Motor.

Wasserstoff schwächelt noch

Zwar sieht die Vereinbarung, über die die Belegschaft bis Freitag abstimmt, auch vor, dass der Bereich Wasserstoff in Homburg im Werk Ost bleibt. Doch arbeiten hier bisher nur rund 100 Personen und auch davon nur ein Teil in der Produktion. Richtig marktfähige Komponenten in großer Stückzahl werden hier nicht gefertigt. Derzeit zeichnet sich ein Hochfahren dieses Bereichs auch nicht ab.

Zur Vorab-Nachricht.

Oliver Simon aus Dunzweiler im Kreis Kusel. Er sitzt dem Bosch-Betriebsrat vor.
Oliver Simon aus Dunzweiler im Kreis Kusel. Er sitzt dem Bosch-Betriebsrat vor.
Die Werkleiter von Bosch Homburg: Gabriele Jenke (kaufmännisch) und Thomas Hamelmann (technisch).
Die Werkleiter von Bosch Homburg: Gabriele Jenke (kaufmännisch) und Thomas Hamelmann (technisch).
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