Wirtschaft Bombardier: 2500 Jobs weniger

Der größte Zug-Hersteller Europas, Bombardier Transportation (BT) mit Sitz in Berlin, will an seinen acht deutschen Standorten rund 2500 Arbeitsplätze streichen. Die Serienproduktion im Stammwerk Hennigsdorf bei Berlin soll ab 2019 nach über 100 Jahren auslaufen. Die Endmontage der Züge soll künftig im neuen Werk Bautzen stattfinden. Der Standort Mannheim soll von Kürzungen in Italien und der Schweiz profitieren .

Diese Maßnahmen sieht nach RHEINPFALZ-Informationen das intern weiter strittige Sanierungskonzept des kanadischen Konzerns vor, das der Aufsichtsrat der Zugsparte am 29. Juni beschließen will. Bekannt ist bisher nur, dass BT weltweit 5000 Jobs streichen will, um die großen Kostenprobleme in den Griff zu bekommen. Gestern wurden die internen Verhandlungen mit den Arbeitnehmervertretern fortgesetzt. Der Zughersteller beschäftigt 38.000 Mitarbeiter an 61 Standorten in 26 Ländern. Deutschland ist mit 8500 Beschäftigten in den sieben Werken Hennigsdorf (Brandenburg), Bautzen und Görlitz (Sachsen), Mannheim, Siegen (NRW), Kassel und Braunschweig (Niedersachsen) der zentrale Standort. Hier hat Bombardier nach der Wiedervereinigung zahlreiche ehemalige DDR-Werke übernommen. BT stieg damit zum lange Zeit weltgrößten Bahnproduzenten auf, bis China unlängst durch Fusionen einen mehrfach größeren Konkurrenten formierte. Aus Protest gegen die Sparpläne und befürchtete Verlagerungen ins Ausland gingen die BT-Beschäftigten an allen sieben Werksstandorten schon mehrfach auf die Straße. Der Betriebsrat befürchtet, dass vor allem das Stammwerk in Hennigsdorf mit seinen noch 2400 Mitarbeitern stark betroffen sein wird, wo aktuell neue Regionalzüge für Baden-Württemberg und S-Bahnen für Hamburg gebaut werden. Die Lieferungen sollen unter den Turbulenzen aber definitiv nicht leiden, verspricht der neue BT-Chef Michael Fohrer. Die Geschäftsführung will sich zu den Details der „Transformation“ weiterhin nicht äußern. Zunächst müssten die internen Gespräche abgeschlossen sein, dann entscheide der Aufsichtsrat, heißt es auf Anfrage. Auch beim Betriebsrat heißt es, man wolle die weiteren Verhandlungen abwarten. Eventuell könnte nach RHEINPFALZ-Informationen der Stellenabbau noch auf rund 2250 Stellen reduziert werden. Der Standort Mannheim ist mit 1000 Mitarbeitern für die Antriebs- und Steuerungstechnik verantwortlich. Das Werk konnte von massiven Kürzungen bei den Bombardier-Standorten in der Schweiz und Italien profitieren, allein in Villeneuve und Zürich werden bis 2018 rund 650 Stellen gekappt. Zudem soll Mannheim künftig für die Entwicklung von Loks zuständig sein, die bisher in Kassel angesiedelt ist. Größter Streitpunkt ist das Ende der Produktion in Hennigsdorf. Das Konzept, den Standort künftig zum zentralen Entwicklungs- und Service-Zentrum der Bahnsparte zu machen, überzeugt die Arbeitnehmer-Vertreter und die IG Metall bisher nicht. Demnach sollen nach 2019 in Hennigsdorf nur noch Prototypen der Züge hergestellt werden, aber keine Serienfertigung mehr. Die Endmontage soll künftig im sächsischen Bautzen erfolgen. In Brandenburg versucht derweil auch die Landesregierung, ein Fortführen der Produktionssparte in Hennigsdorf zu erreichen und die Verlagerung zu verhindern. Inklusive Zulieferern geht es um fast 1000 Arbeitsplätze. Im Mai hat der Aufsichtsrat unter Beteiligung externer Berater neue Leitlinien für den weiteren Umbau des Konzerns beschlossen. Geschäftsführung und Betriebsrat konnten sich aber seither nicht auf ein Eckpunktepapier verständigen. Kommentar/Aktienchart

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