Meinung Bloß kein neues Desaster à la 2003!

Im französischen TGV-Verkehr ist eine Platzreservierung obligatorisch.
Im französischen TGV-Verkehr ist eine Platzreservierung obligatorisch.

Für ein attraktives Bahnangebot ist es in Deutschland nötig, dass die Züge frei zugänglich sind. Das hat die Preissystem-Pleite der Deutschen Bahn von 2003 gezeigt.

Die Bundesregierung hält an ihren ambitionierten Zielen für die Entwicklung des Schienenverkehrs in Deutschland fest. Es ist gut, dass Staatssekretär Enak Ferlemann das klargestellt und sich gegen Personalabbau bei der Deutschen Bahn (DB) ausgesprochen hat. Der Test auf die Glaubwürdigkeit dieser Aussagen ist allerdings die Bereitstellung der dafür nötigen Mittel im Bundeshaushalt.

Frankreich hier kein geeignetes Vorbild

Unverzichtbar für die Attraktivität des Bahnverkehrs in Deutschland ist, dass die Fernzüge frei zugänglich sind. Ab und zu wird zwar eine ICE-Reservierungspflicht in die Diskussion gebracht und dabei meist auf den TGV verwiesen. Die französische Staatsbahn SNCF mit ihrem reservierungspflichtigen TGV ist aber kein geeignetes Vorbild. Frankreich ist gewissermaßen das eine Extrem, die Schweiz das andere. In der Schweiz sind alle Züge zu einem einheitlichen Tarif nutzbar, auch die ausländischen Hochgeschwindigkeitszüge ICE und TGV. In Frankreich ist der TGV dagegen ein separates System mit einem Preisgefüge ähnlich wie im Flugverkehr. Der deutsche Bahn-Fernverkehr bewegt sich zwischen diesen Extremen, aber er ähnelt mehr der Schweiz als Frankreich, weil vom ICE viel mehr Bahnhöfe bedient werden als im französischen System, das stark von oft nonstop fahrenden Zügen von und nach Paris geprägt ist.

Mehdorn-Flop bei der Bahn unvergessen

Bei der DB ist zum Glück immer noch unvergessen, welches Desaster Ex-Bahnchef Hartmut Mehdorn 2003 mit einem Airline-orientierten Preissystem erlebt hat. Dabei wurde damals noch nicht einmal die freie Zugänglichkeit der Züge abgeschafft, sondern nur die Möglichkeit, ohne Zugbindung zum halben Preis zu fahren. Das reichte aber schon, um das neue Preissystem spektakulär scheitern zu lassen. Seitdem ist die DB dafür besonders sensibilisiert, wie heikel es ist, die freie Zugwahl einzuschränken und wie wichtig gerade in der Konkurrenz zum Auto die freie Zugänglichkeit der Züge ist.