Frankreich RHEINPFALZ Plus Artikel Billig-Ketten wollen weg vom Billig-Image

Carrefour, einer der größten Einzelhandelskonzerne Europas, reagiert mit der Expansion des eigenen Discounters Supeco auf die zu
Carrefour, einer der größten Einzelhandelskonzerne Europas, reagiert mit der Expansion des eigenen Discounters Supeco auf die zunehmende Konkurrenz.

In Frankreich läuten die Lebensmitteldiscounter eine neue Runde im Kampf um die Kundschaft ein. Der Konzernriese Carrefour muss auf die Erfolge von Aldi und Lidl antworten. Und dann ist da noch der neue Konkurrent aus Russland.

In Mantes-la-Ville herrscht kein Mangel an Supermärkten. Etwa ein Dutzend Anbieter tummeln sich bereits rund um die kleine Stadt nordwestlich von Paris. Ausgerechnet dort hat in diesen Tagen im Einkaufsviertel Buchelay nun auch ein Supeco seine Pforten geöffnet. Der neue Lebensmitteldiscounter gehört zum französischen Carrefour-Konzern, der damit einen Angriff auf die in Frankreich sehr erfolgreichen deutschen Firmen Aldi und Lidl startet.

Trotz der großen Konkurrenz schien dieser Schritt in Mantes-la-Ville für die Verantwortlichen von Carrefour notwendig. „Wir gehen dorthin, wo es für uns interessant ist“, sagt Louise Machenaud, Projektleiterin bei Supeco. In der Region gebe es nach ihren Analysen einen potenziellen Kundenstamm, den man mit dem Angebot ansprechen könne. Rund 65.000 Einwohner leben dort in unmittelbarer Nähe zum Ballungsraum Paris. Der Discountmarkt entwickle sich sehr lebhaft, beschreibt Louise Machenaud die Situation, und das Unternehmen Carrefour, das sich lange nicht positioniert hatte, will nun offensichtlich seinen Teil vom Kuchen abhaben.

Tiefpreisgarantie

Mit dem neuen Geschäft in Mantes-la-Ville gibt es nun zusammen 19 Supeco in Frankreich. Geplant ist, noch in diesem Jahr drei oder vier weitere Supermärkte in der Region Île-de-France zu eröffnen. Das soll in der unmittelbaren Nähe von den Auslieferungslagern geschehen, um die Transportkosten so gering wie möglich zu halten. So soll das Versprechen der Marke eingehalten werden, die tiefsten Preise in der Umgebung des Standortes anzubieten.

Die Verantwortlichen bei Supeco wollen allerdings nicht in die Nähe von Billig-Marken gerückt werden, sondern sehen sich selbst als eine Art Premium-Discounter. Der Einkauf solle zum Erlebnis gemacht werden, betont Louise Machenaud, so wolle man sich von der Konkurrenz abheben. Auch in Frankreich kämpfen die Discounter mit dem schlechten Ruf, eher triste Orte des lieblosen Konsums zu sein.

Auch in Stadtvierteln der Reichen

Der deutsche Anbieter Lidl arbeitet seit Jahren gezielt gegen dieses Image an. Deshalb werden die Geschäfte aufgepeppt und die Waren nicht einfach lieblos ins Regal gestellt. Diese Strategie wirkt sich auch auf die Standortpolitik aus. Inzwischen findet man Filialen von Lidl und Aldi auch in den eher reichen Stadtvierteln von Paris. Lidl hat es zudem geschafft, in den Köpfen der Franzosen nicht mehr nur als einfacher Discounter wahrgenommen zu werden.

Geglückt ist dem Unternehmen das über das Angebot von sogenannten Non-food-Artikeln. Das Problem der Discounter in Frankreich ist, dass die Leute bereit sind, für Lebensmittel wesentlich mehr Geld auszugeben als ihre deutschen Nachbarn. Es ist also schwieriger, die Kunden über Sonderangebote etwa für Milch, Wurst oder Wein in die Geschäfte zu locken. Aus diesem Grund werden in regelmäßigen Abständen qualitativ hochwertige Non-Food-Produkte angeboten, die zu einem unschlagbar niedrigen Preis über den Ladentisch gehen. Zuletzt versetze Lidl seine Kunden mit dem Verkauf einer Küchenmaschine, ähnlich dem Thermomix, geradezu in Verzückung. Mit dieser Strategie schlägt das Unternehmen zwei Fliegen mit einer Klappe: Es werden zum einen Kunden in die Filialen gelockt, die bei ihrem Besuch auch noch weitere Waren in den Einkaufskorb legen. Zum anderen setzt sich in den Köpfen der Kunden der Gedanke fest, dass in diesem Fall Lidl ein extrem gutes Preis-Leistungs-Verhältnis bietet.

Harddiscount in Grand-Est

Während die Discounter in Frankreich aufrüsten, will nun ein unerwarteter Konkurrent in die mögliche Lücke vorstoßen. Die russische Billig-Kette Mere, die weltweit 2000 Filialen betreibt, plant drei neue Standorte in der französischen Region Grand-Est, in der die Regionen Elsass und Lothringen aufgegangen sind. Auch in Deutschland ist die Kette seit Anfang 2019 präsent.

Das Konzept sei in diesem Fall eindeutig. „Die Mere-Kette greift das Konzept des Harddiscounters auf, der sich an eine wirklich bedürftige Bevölkerung richtet“, erläutert Cédric Ducrocq, Chef der französischen Beratungsagentur Diamart. Das Angebot in den Geschäften ist äußerst beschränkt und stammt ausschließlich aus dem Niedrigpreisbereich. Auf die Präsentation wird kein großer Wert gelegt, die Ware liegt oft auf einfachen Paletten. Ein Problem für die Kunden ist bisweilen, dass das angebotene Sortiment starken Schwankungen unterliegt, was bei normalen Discountern nicht der Fall ist.

Beobachter bezweifeln, dass dieses Konzept in Frankreich Erfolg haben wird. Sie sind aber überzeugt, dass das russische Unternehmen mit seinen Märkten eine neue Runde in der Preisschlacht um die französischen Kunden einläuten könnte.

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