Unternehmen RHEINPFALZ Plus Artikel BASF: Weiterer Stellenabbau bei Services

Am Standort Ludwigshafen arbeiten 860 Beschäftigte für den betroffenen BASF-Bereich Global Business Services.
Am Standort Ludwigshafen arbeiten 860 Beschäftigte für den betroffenen BASF-Bereich Global Business Services.

Der Chemiekonzern konzentriert erneut Dienstleistungen in Indien und baut weitere Stellen ab. In dem Bereich arbeiten 8500 Beschäftigte weltweit.

Die BASF strukturiert bis Ende 2028 ihre Dienstleistungssparte Global Business Services mit weltweit 8500 Beschäftigten um, bündelt einen großen Teil der Leistungen in einem Zentrum in Indien an einem bislang noch nicht festgelegten Ort und baut in der Sparte Arbeitsplätze ab. Das teilte der Konzern am Mittwoch mit. In Ludwigshafen arbeiten für den Bereich nach Unternehmensangaben 860 Beschäftigte.

Die Chemiegewerkschaft IG BCE kritisiert die Verlagerung von Berlin nach Indien scharf und kündigte am Mittwoch Gegenmaßnahmen an. Der IGBCE-Vorsitzende Michael Vassiliadis, der auch Mitglied des BASF-Aufsichtsrates ist, sprach von einem „beschäftigungspolitischen Schlag“ und sagte: „So geht das nicht!“

2800 Beschäftigte in Berlin

Ein BASF-Sprecher sagte, Details des Vorhabens würden erst noch ausgearbeitet, eine frühe und transparente Kommunikation sei dem Unternehmen aber wichtig gewesen. Auf Nachfrage sagte er, die Anzahl der 8500 Mitarbeiter in der Sparte weltweit werde durch die Maßnahmen abnehmen. Das Vorhaben ist nicht zu verwechseln mit der jüngst bekanntgewordenen Konzentration in der Sparte für digitale Dienstleistungen (BASF Global Digital Services) an dem Standort Hyderabad in Indien, die bis 2030 mit einen Abbau von weltweit 1000 Arbeitsplätzen verbunden ist, wovon auch Ludwigshafen betroffen ist. Das habe mit den nun am Mittwoch mitgeteilten Maßnahmen nichts zu tun, sagte der Sprecher.

Die 8500 Mitarbeiter der BASF Global Business Services sind derzeit auf drei regionale Zentren (Hubs) verteilt: 2800 arbeiten in Berlin, 1040 in Kuala Lumpur (Malaysia) und 940 in Montevideo (Uruguay). Die übrigen Beschäftigten arbeiten an BASF-Standorten weltweit, davon 860 in Ludwigshafen. Der BASF-Bereich erbringt Dienstleistungen für die Geschäfte des Unternehmens weltweit unter anderem in Finanzwesen, Logistik, Personal, Kommunikation oder Umwelt, Gesundheit, Sicherheit und Qualität.

„Ende guter Karrieren“

Geplant ist nun, Finanz- und Personaldienstleistungen an einem „globalen Hub“ zu bündeln. Der soll in Indien angesiedelt sein, wo genau steht noch nicht fest. Ein wesentliches Ziel dabei ist laut BASF die Kosteneffizienz für diese Dienstleistungen „deutlich zu steigern“. Dafür würden „verstärkt kosteneffiziente Standorte“ genutzt. Lieferkettenbezogene Dienstleistungen sollen am bestehenden Hub in Kuala Lumpur „konsolidiert werden“. Tätigkeiten, die in unmittelbarer Nähe zu BASF-Standorten erbracht werden müssten, blieben weiterhin lokal verankert, hieß es weiter. Die bestehenden regionalen Hubs in Berlin, Kuala Lumpur und Montevideo würden weiterhin Services erbringen, „die sinnvoll auf regionaler Ebene gebündelt werden können“. Die jeweiligen Arbeitnehmervertretungen würden rechtzeitig und gemäß den gesetzlichen Vorgaben und lokalen Regelungen eingebunden, teilte die BASF mit.

Die Chemiegewerkschaft IG BCE kritisierte am Donnerstag scharf, dass weite Teile der BASF Services Europe von Berlin mit derzeit 2800 Beschäftigten nach Indien verlagert werden sollen und kündigte Gegenmaßnahmen an. „Mit diesem beschäftigungspolitischen Schlag führt BASF ein tarifliches Vorzeigeprojekt zu einem Ende, mit dem wir Tausende gute Arbeitsplätze in der Bundeshauptstadt geschaffen haben“, sagte der IGBCE-Vorsitzende Michael Vassiliadis. Angesichts dieser Pläne des Konzerns sehe die IGBCE keine Perspektiven für eine Weiterführung des unternehmensbezogenen Verbandstarifvertrags für die BASF Services Europe. „Die Karawane zieht weiter, hinterlässt Enttäuschung und beendet gute Karrieren“, äußerte Vassiliadis: „So geht das nicht!“

Der Grund für die Empörung: IGBCE und Chemiearbeitgeber hatten es 2005 mit einem speziellen Tarifvertrag ermöglicht, dass die BASF ihre konzerninternen Dienstleistungen für Finanzen, Personal oder IT in Berlin konzentrierte, statt sie wie ursprünglich geplant in die Slowakei auszulagern. Dazu wurden unter anderem spürbar niedrigere Gehälter und längere Arbeitszeiten vereinbart als im Flächentarifvertrag der Chemieindustrie. Die Beschäftigten in Berlin hätten über Jahre wettbewerbsfähige Services für den Konzern erbracht, die wesentlich zur Kostensenkung beigetragen hätten, „nur um jetzt abserviert zu werden“, sagte die Leiterin des IGBCE Landesbezirks Nordost, Stephanie Albrecht-Suliak. Die BASF-Beschäftigten am Prenzlauer Berg seien fassungslos, berichtete die Betriebsratsvorsitzende Judith Nolten-Bertucco.

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